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Aus dem Gerüstbauer-Leben / 11. Februar 2016

Erfolgreicher Gerüstbauer: aber nicht schwindelfrei!

Sehr geehrte Damen und Herren,

Erfolgreicher Gerüstbauer: aber nicht schwindelfrei!

Vor vielen Jahren war ich bei einem Dachdecker in München angestellt. Wir hatten gerade das Dach auf  einem 20 Meter hohen Haus fertig eingedeckt. Für die Schlussrechnung fehlte nur noch das Erstellen des Aufmaßes. Das Problem war nur: Die Gerüste rund um das Haus waren schon abgebaut!

In luftiger Höhe

Kurzerhand entschied mein Chef, mit mir zusammen aus dem Dachfenster hinauszusteigen und – ohne Absicherung – die nötigen Maße zu nehmen. Ich weiß noch heute, dass ich mit zitternden  Knien auf der Dachgaube stand. Ich habe gebetet, dass ich nicht weiter gehen musste! Da wusste ich genau, dass ich nicht schwindelfrei bin!

Gerüste – meine Profession

Damals habe ich mir geschworen, dass ich nur noch über sichere Gerüste auf Hausdächer gehen werde! Nach dieser Erfahrung habe ich dort gekündigt. Mein Weg ging zurück in den Gerüstbau. Seit 38 Jahren bin ich jetzt schon erfolgreich in dieser Branche tätig. Schwindelfrei bin ich nach wie vor nicht.

Problem: Zu Schwächen stehen

Heute gebe ich das offen zu. Es gab Zeiten, da war ich diesbezüglich nicht „schwindelfrei“. Schwächen verschweigt man lieber. Fehlentscheidungen als Chef erst recht!  Das kenn ich leider auch. Einmal wollte ich unbedingt einen großen Auftrag bekommen. Allerdings habe ich mich dabei kräftig verkalkuliert. Alle wussten das, nur ich wollte mir (und den anderen) das nicht eingestehen.

Vor dem Abgrund

Ich ging damals alleine auf dieses schwankende Hängegerüste. Es ging mir schlecht. Da wurde mir klar, dass ich nicht nur hier oben „nicht schwindelfrei“  bin, sondern auch in meinem Leben!  Ich war am Ende! Kurz überlegte ich, ob ich einfach springen sollte. Aber dann habe ich an meine Familie gedacht, was ich ihr  damit antun würde.

Neuer Mut

Ich bin vom Gerüst runter und bin an einen ruhigen Platz gegangen. Dort habe ich gebetet. Ich habe Gott gefragt, wie ich aus diesem Chaos herauskommen kann. Um Vergebung für meine Lügen habe ich auch gebeten. Tatsächlich hat sich danach die Lage verändert.

Lerneffekt

Ich habe damals viel gelernt: keine Lügen mehr!  In schwierigen Lebenslagen will ich zuerst mit Gott reden! Ich will zu meinen christlichen Werten und meinem Glauben stehen und danach handeln.

Es menschelt

Aber ich bin auch nur ein Mensch. Wenn ich merke, dass ich dabei bin eine „Notlüge“ zu formulieren, dann halte ich inne, schwenke innerlich um und sage, wie es wirklich ist.

Schwindelfreies Leben

Dass ich auf Gerüsten nicht schwindelfrei bin, kann ich nicht ändern. Aber im Alltag lege ich großen Wert auf die Schwindelfreiheit!

Beste Grüße

Walter Stuber