Allgemeine Themen / 5. Februar 2019

Moderne Sklaverei: Wenn Fachkräfte „importiert“ werden

Von Walter Stuber

„Wenn die Pflegerin aus Vietnam ist“ so titelte im September 2018 LR-Online und stellte ein deutsch-vietnamesisches Pilotprojekt vor, das dem Fachkräftemangel im Gesundheitsbereich entgegenwirken soll: Krankenschwestern, die in Vietnam ausgebildet worden sind und in ihrem Beruf gearbeitet haben, sollen mit Hilfe einer „Anpassungsqualifizierung zum Gesundheits- und Krankenpfleger“ auf deutschen Standard gebracht werden.

Sie verpflichten sich mindestens vier Jahre hier zu bleiben. Sorge, dass man dem asiatischen Land die Fachkräfte entziehen würde, bräuchte man nicht haben, heißt es in dem Artikel von LR-Online. Es gäbe dort wesentlich mehr ausgebildete Krankenschwestern als verfügbare Stellen.

Die Lösung?

Beim ersten Lesen könnte man denken, dass das auch eine Lösung für andere Branchen sein könnte, in denen qualifizierte Mitarbeiter gesucht werden. Ich bin da sehr vorsichtig. Ich habe von Unternehmern gehört, die Mitarbeiter z.B. aus dem Kongo, Mazedonien, der Türkei, Georgien und Litauen anwerben. Sie bekommen Mindestlohn, müssen teilweise in Mehrbettzimmern wohnen. Oder wenn Sie Familie mitbringen, werden Raten für das Eigenheim vom Betrieb übernommen um die Angestellten an sich zu binden.
Als die Bundesregierung im Dezember durch die Verabschiedung eines neuen Einwanderungsgesetztes den Weg frei machte für Fachkräfte aus dem Ausland, warnte der Deutsche Gewerkschaftsbund dass das Gesetz für Lohndumping und Ausbeutung missbraucht werden könnte, „weil die Aufenthaltserlaubnis an eine bestimmte Tätigkeit bei einem Arbeitgeber gebunden ist.“, berichtete der Tagesspiegel. Das ist für mich moderne Sklaverei!

Kein wirtschaftlicher Aufschwung ohne qualifizierte Mitarbeiter

Es gibt aber noch einen anderen ethischen Aspekt, den man nicht vergessen sollte: In Vietnam gibt es zu viele ausgebildete Krankenschwestern, wenn davon einige nach Deutschland gehen, ist das für das Land vielleicht nicht tragisch. Aber sobald dringend benötigte Fachkräfte ihre Heimatländer Richtung Deutschland verlassen, weil sie dort einen besser bezahlten Job bekommen können, hat das sehr wohl direkte Auswirkungen auf die Wirtschaft vor Ort.
Wirbt man aus einem wirtschaftlich schwachen Land viele versierte Mitarbeiter ab, kann es hier keinen Aufschwung geben können. Letzten Endes wird durch so ein Verhalten die Wirtschaft zugrunde gerichtet. Und irgendwann muss Deutschland womöglich diese Staaten finanziell unterstützen! Wer will für so eine Entwicklung die Verantwortung übernehmen?

Veränderung durch innovative Ideen

Für Dirk Eckart und mich ist das Anwerben von Gerüstbauern aus dem Ausland auf jeden Fall kein Thema! Als „verrückte Unternehmer“ und Mutmacher versuchen wir stattdessen quer zu denken und andere Wege zu finden, damit die Lücke geschlossen werden kann, die der Fachkräftemangel geschlagen hat.
Dazu gehören Überlegungen, wie die Mitarbeiter, die da sind, noch effizienter arbeiten können, ohne überfordert zu werden. Weiterbildung ist hier ein wichtiges Stichwort und neue Techniken, die die Arbeit erleichtern und verringern, müssen noch mehr zum Einsatz kommen.

Weniger ist mehr?!

Je länger ich mich mit dem Thema beschäftige, desto mehr kommt mir der Gedanke, dass ein Umdenken angesagt sein könnte. Von den Banken werden wir Unternehmer ständig angetrieben die Renditen zu erhöhen. Was wäre, wenn wir mit dem Ertrag des Vorjahres zufrieden wären und nicht immer mehr verdienen wollen?
Das könnte man in den meisten Fällen mit dem bestehenden Team schaffen. Es wäre somit auch eine Möglichkeit dem Mangel an Fachkräften entgegenzutreten. Aber: Bin ich bereit auszuscheren aus der breiten Unternehmermasse, wo „immer mehr verdienen“ im Vordergrund steht und will ich bewusst „kleinere Brötchen“ backen?

Mein Fazit – Ihre Ideen!

Den Fachkräftemangel bei uns in Deutschland können Mitarbeiter aus dem Ausland zwar kurzfristig ausgleichen. Aber es darf nicht vergessen werden, dass es dadurch in den Heimatländern zu wirtschaftlichen Problemen kommen kann.
Deshalb müssen Wirtschaft und Politik gemeinsam – und vor allem jeder Unternehmer für sich – nach innovativen Möglichkeiten suchen, damit das Fehlen der Fachkräfte anderweitig aufgefangen werden kann. Haben Sie schon Ideen? Dann schreiben Sie mir!

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