Auszubildende/r

Auszubildende/r / 13. Februar 2018

Prahlen mit tödlichen Folgen

Von Walter Stuber

Gut 20 Jahre ist es jetzt her, dass ich mit einem meiner Gerüstbauer-Auszubildenden  auf Dienstfahrt war. Dass sich diese Fahrt in mein Gedächtnis eingegraben hat, hat mehrere Gründe. Zum einen lag es an der Baustelle, die wir gerade hinter uns gelassen hatten und den ungewöhnlichen Vorkommnissen dort.

Im Verwaltungsgebäude von VW in Wolfsburg hatten wir erstmals eine Mastkletterbühne mit 70 Meter Höhe an einer vorgemauerten Klinkerwand befestigt.

Dabei sind wir bei Bohrungen auf einer Seite unerwartet auf einen Versorgungsschacht gestoßen, der keine Betonwand hatte.  Zusätzlich war er mit vielen Kabeln, Leitungen, Heizungsrohren und Lüftungen belegt. Der Schreck war groß! Mit unserem Prüfgerät hatten wir nicht die nötigen Auszugswerte bekommen. Der Masten war aber schon 40 m hoch! Die Gefahr, dass die Bühne einseitig mit den Gerüstbauern umkippen würde, war groß. Aber wir haben das schnell in den Griff bekommen und alles konnte gut abgesichert und fertiggestellt werden!

Traumauto und Blitzer

Nun waren wir auf der Heimfahrt  zur Firmenzentrale nach Roßwein. Wir unterhielten uns angeregt. Auch über Autos. Ich schwärmte dem Azubi von meinem A 6 Kombi vor, mit dem wir gerade unterwegs waren. Ich prahlte, was das Zeug hielt und erzählte, dass es schon immer mein Traum war, so ein schnelles Auto zu fahren.

Das konnte ich an diesem Tag allerdings nicht vorführen, denn die Autobahn war übervoll. Irgendwann sind wir auf die Landstraße gewechselt. Wir waren so in unser Gespräch vertieft, dass ich nicht auf Geschwindigkeitsbeschränkungen geachtet habe. Auf einmal blitzte ein rotes Licht auf! Die Abrechnung dafür kam kurz darauf: 150 DM und vier Wochen Führerscheinentzug! Das war der zweite Grund, warum ich mich noch gut an diese Fahrt erinnere.

Alptraum und Einsicht

Die ganz große Quittung für meine Prahlerei bekam ich Jahre später. Das ist der dritte und schwerwiegendste Grund dafür, dass ich diese Dienstreise nicht vergessen habe. Der Auszubildende hatte seine Prüfung längst mit Erfolg hinter sich gebracht und war zu einem anderen Unternehmen gewechselt. Hier verdiente er gutes Geld. Davon kaufte er sich schließlich sein Traumauto: einen A6! Eines Tages fuhr er mit überhöhter Geschwindigkeit auf der Autobahn, verlor die Kontrolle  über das Fahrzeug und verunglückte tödlich.

Als ich das hörte, kam mir sofort unsere Fahrt von Wolfsburg nach Roßwein in den Sinn und wie ich damals mit meinem schnellen A 6  angegeben habe.

Ich fühlte mich schuldig am Tod dieses jungen Mannes!  Ein alter Vers aus der Bibel stand mir vor Augen: „Worte haben Macht! Sie können über Leben und Tod entscheiden! Deshalb ist jeder für die Folgen seiner Worte verantwortlich!“  War es meine Angeberei und Prahlerei, die in ihm den Wunsch nach einem schnellen Auto ausgelöst haben? Auf diese Frage werde ich keine Antwort bekommen. Das Schuldgefühl, das der tragische Tod in mir ausgelöst hat, ist mir eine wichtige Lehre geworden. Ich achte seitdem viel mehr auf das, was ich sage und bin mir der „Macht der Worte“ bewusst.

Achtsam und bewusst

Trotzdem klappt es im Alltag nicht immer, vor allem wenn es hoch hergeht. Das tut mir dann im Nachhinein leid. Ich habe gelernt in solchen Fällen das persönliche Gespräch zu suchen um „falsche Worte“  aus dem Weg zu räumen.

Mein Tipp:

Achten Sie auf das, was und wie Sie es sagen!

Wenn Sie sich in der Wortwahl vergriffen haben, entschuldigen Sie sich.

Verzichten Sie besonders vor Kindern und jungen Leuten darauf in übertriebener Weise das hervorzuheben, was Sie sich leisten können oder was man unbedingt haben muss. Damit säen Sie eventuell Wünsche, die nie erfüllt werden können oder Hoffnungen, die zum Scheitern verurteilt sind oder – wie in meinem Fall –  sind sie der Auslöser für unüberlegtes Handeln.

 

 

Auszubildende/r / 19. Mai 2016

Mehr als billige Arbeitskraft und Handlanger

 Mehr  als billige Arbeitskraft und Handlanger

Warum die Gemeinhardt Gerüstbau GmbH neue Wege geht  bei der  Ausbildung junger Menschen

Auf dem Bau geht man nicht zimperlich miteinander um. Da machen die Gerüstbauer keine Ausnahme. Ein rüder Umgangston ist meistens „normal“. Auszubildende in unserer Branche müssen sich meistens erst daran gewöhnen.  Aber das ist nicht die einzige Umstellung, wenn 15 bis 16-Jährige ihre Ausbildung als Gerüstbauer beginnen.

Der Schritt von der Schule zur Arbeit auf dem Bau ist riesengroß. Körperliche Anstrengung, bei Wind und Wetter draußen arbeiten, Zeitdruck, ein ganz anderer Tagesablauf – das muss erstmal gelernt werden.

Nicht selten werfen Azubis schon während der Probezeit das Handtuch. Als Gründe geben die jungen Leute zum Beispiel an, dass die Ausbilder nicht pädagogisch qualifiziert sind,  dass sie keine Geduld aufbringen. Außerdem wird  der raue Umgang  genannt  und dass man sich zu wenig Zeit zum Erklären nimmt.

Weiterbildung Umgang mit Azubis

Um dem entgegen zu wirken, haben Ulrike und Dirk Eckart von der Gemeinhardt Gerüstbau Service GmbH am Anfang des Jahres an einem Seminar teilgenommen, in dem es um den erfolgreichen Umgang mit Azubis ging. Hier finden Sie mehr dazu: https://www.spezialgeruestbau.de/geruest/ausbilder-kindern-werden/

Daraufhin haben wir unser bisheriges Ausbildungskonzept kritisch betrachtet  und uns entschlossen einiges zu verändern, damit die Ausbildung zum Gerüstbauer in unserer Firma attraktiv für  junge Menschen ist.

Neue Wege in der Ausbildung

Die wichtigste Veränderung ist, dass die Azubis nicht einer Kolonne zugewiesen werden und  dort irgendwie mitlaufen.

Es gibt spezielle Azubi-Kolonnen. Hier können Ausbilder direkt auf Fragen eingehen und sich Zeit nehmen zur Anleitung und Erklärung.

Damit ist auch möglich, bei der Art und Schwere der Arbeiten, auf die jungen Leute Rücksicht  zu nehmen. Normalerweise bewegt ein  Gerüstbauer in einem Tageseinsatz  bis zu 6.000 kg Gerüstmaterial. Für Heranwachsende ist das eine viel zu hohe Belastung, die Knochen und Muskeln überfordern würde.

Gute Ausbildung zahlt sich aus

In Auszubildende Zeit und Geld  zu investieren, macht vielfachen Sinn:

Junge Menschen sind unsere Zukunft! Sie haben es verdient, dass man ihnen eine gute Grundlage gibt! Sowohl gesellschaftlich gesehen, als auch betrieblich.

Es hat große Vorteile, wenn die eigenen Auszubildenden auch langfristig  im Betrieb bleiben: Es sind qualifizierte Kräfte, die unser Unternehmen gut kennen  und  die Firmen-Philosophie verinnerlicht haben!

 

 

 

 

 

Auszubildende/r / 27. April 2015

Lebenszeichen – Lebenschancen im Handwerk – Gerüstbau setzen

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir reden immer von Fachkräftemangel, und gerade heute habe ich einen Bericht mit der Aufforderung, mehr ausländische Auszubildende (Zuwanderer), einzustellen, gelesen.

Ich selbst bin dafür, dass wir sofort handeln und junge Menschen, die in unserem Land Asyl suchen, an die Hand nehmen und Ihnen eine Ausbildung  anbieten.

Wenn aber immer davon gesprochen wird, wir haben zu wenige junge und lernwillige Menschen in Deutschland, dann muss ich hier wiedersprechen.

Nein, wir haben nicht zu Wenige, sondern die Ansprüche der Ausbildungsunternehmen sind zu hoch. Die Chefs, die Angestellten haben keine Zeit mehr, den Auszubildenden eine fundierte Ausbildung zukommen zu lassen.

Auf der einen Seite wird gejammert, man findet ja eh niemanden, und dann sind die Auszubildenden ständig krank und haben keine Lust zum Arbeiten, und null Bock auf Schule.

Ich kann Ihnen sagen, Auszubildende gibt es genügend in Deutschland. Es gibt einfach zu wenige Unternehmen, die AKTIV danach suchen, und es gibt einfach zu wenige, die bereit sind auszubilden.

Wir haben genügend junge Menschen, die warten, abgeholt zu werden (z. B. in unseren deutschen Gefängnissen, in den Asylantenheimen, in Maßnahmen des Drogenentzuges).

Wir müssen / sollten Lebenszeichen – Lebenschancen setzen.

Braucht es immer einen Schulabschluss? Können wir nicht einfach die Ausbildungsdauer  für junge Menschen, die stark praktisch veranlagt sind, aber die schulische Noten gleich Null sind, eine grundsätzliche Ausbildungs-Verlängerung von 4 Jahren vorsehen, mit 65% -70% des Gesellenlohns im 4. Jahr?

Ich persönlich bin auf Ihre Ausreden gespannt, warum dies und jenes nicht geht.

Beste Grüsse

Walter Stuber

 

Auszubildende/r / 1. August 2014

Nach welchem Kriterium vergeben Sie Ihre Aufträge?

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde,

Der Gerüstbauer ist seit 1991 ein Ausbildungsberuf. Seit diesem Jahr habe ich bereits über 50 Gerüstbauer und 10 Bürokauffrauen und -männer ausgebildet. Dieses Jahr haben in der Gemeinhardt Gerüstbau Service GmbH drei junge Menschen Ihre Ausbildung mit besten Noten abgeschlossen. Hierbei wurden Max Menzel und Steve Tietz von uns als Gerüstbauer übernommen.

Herr Florian Gemeinhardt, Sohn von Heinrich Gemeinhardt, hat mit außergewöhnlich guten Noten die Prüfung zum Bürokaufmann bestanden. Er wird nun in unserem ehemaligem Stammhaus, der Gerüstbau Gemeinhardt GmbH in Poing bei München, fest übernommen.

Ist für Sie als Auftraggeber immer der Preis das ausschlaggebende Kriterium zur Vergabe von Aufträgen? Oder ist es Ihnen wichtiger, dass Ihre Gerüste von gut ausgebildeten Fachpersonal erstellt wird? Darüber hinaus sollte es Ihnen, gerade als Familienvater oder Mutter, auch am Herzen liegen, dass Sie mit Ihrem Auftrag aktiv Ausbildungsbetriebe unterstützen.

Denn die Ausbildung eines jungen Menschen verursacht Kosten und in den ersten zwei Jahren ist das Kosten-/Nutzenverhältnis eher ungünstig für den Ausbildungsbetrieb. Daher würde es uns von der Gemeinhardt Gerüstbau Service GmbH besonders freuen, wenn wir einmal direkt einen Auftrag bekommen würden, gerade weil wir junge Menschen ausbilden.

Beste Grüße, Ihr Walter Stuber

PS: Auch in diesem Jahr haben wir wieder zwei junge Menschen für den Ausbildungsberuf „Gerüstbauer“ eingestellt.

http://bit.ly/1qwWl89