Über die Gerüstbau Branche

Weiterbildung / 18. September 2018

Erfolg durch Wissen

Warum Experten nie aufhören dürfen in allen Bereichen zu lernen

Von Walter Stuber

Die Talsperre Lehnmühle, die  Carl-Alexander-Brücke in Dorndorf und die Burg Gnandstein zwischen Leipzig und Chemnitz verbindet etwas. Nicht nur, dass die Bauwerke in Sachsen zu finden sind. Alle drei wurden oder werden mit Hilfe der Gemeinhardt Gerüstbau Service GmbH saniert. Ohne unsere aufwändigen und hochkomplizierten Hängegerüste wären diese Arbeiten nicht möglich gewesen. Hier erfahren Sie mehr darüber: https://www.spezialgeruestbau.de/aktuelles/

Spezialgerüste und besonders Hängegerüste – das ist mein Fachgebiet, hier sind wir die Experten! Das wissen unsere Kunden seit vielen Jahren und neue kommen aufgrund von Empfehlungen dazu. Es ist entscheidet für den Erfolg, dass man sich gerade in unserer Branche spezialisiert, dass ein Firmenname für besondere Leistungen steht. Ich kann nicht überall gleich gut sein. Deshalb ist es sinnvoll bei Projekten, bei denen es um Arbeitsfelder geht, die Mitbewerber zu ihrem Spezialgebiet gemacht haben, diese mit ins Boot zu holen. Nur so kommt Erfolg durch Wissen. Ich muss nicht alles können! Ich bin sicher, dass das nicht nur im Handwerk anzuwenden ist.

Sachkundig sein in vielen Gebieten schafft Erfolg durch Wissen

Trotzdem habe ich den Ehrgeiz mir immer mehr Expertenwissen auch in anderen Bereichen anzueignen. Zum Beispiel  was Betriebswirtschaft und Kalkulation angeht. Fachseminare bei der Bundesinnung des Gerüstbau-Handwerks, der Handwerkskammer und anderen Anbietern haben mich hier weitergebracht.

Mein breitgefächertes Allgemeinwissen verdanke ich meine Leseleidenschaft. Es gab Zeiten, da brauchte ich alle drei Tage ein neues Buch. Heute nehme ich mir Zeit und lasse die Informationen auch mal sacken. Dann kann ich mehr aufnehmen. Weiterbilden funktioniert für mich auch über Podcasts. Autofahrten nutze ich ebenfalls: Das Radio-Programm des christlichen Senders ERF Medien bringt mir geistliche Inspiration und auch ganz unterschiedliche Hörbücher. Wenn ich etwas interessant finde, höre ich es immer und immer wieder an. Dann setzen sich die Inhalte besser in meinem Gedächtnis fest.

BNI bildet

Dass ich regelmäßig und häufig zu Netzwerktreffen von Business Network International (BNI) gehe, habe ich schon öfters berichtet. Kontakte pflegen, Empfehlungen aussprechen und erhalten ist der eine Nutzen, den ich davon habe. Der andere ist, wird Sie vielleicht erstaunen: BNI bildet!

In den Hauptpräsentationen meiner Gruppe  erfahre ich immer wieder Neues aus anderen Berufen und Arbeitsfeldern. Manches kann ich davon herunterbrechen auf meine Branche. Von anderen lernen können, ist eine wichtige Voraussetzung, um erfolgreich zu sein. Man muss ja das Rad nicht immer wieder neu erfinden!

Hören, abspeichern und anwenden

Im Laufe der Jahre habe ich viele Quellen gefunden, bei denen ich mein Wissen auffrischen kann. Der Begriff „aufsaugen“ trifft es noch besser, denn ich bin sehr wissbegierig. Aber hören allein hilft nicht. Die immer neuen Informationen müssen verarbeitet werden, abgespeichert werden und zum richtigen Zeitpunkt abrufbar sein.

Erfreulicherweise klappt das bei mir sehr gut. Aber damit ist mein Wissen nur etwas, das ich allein nutzen kann. Warum sollen nicht andere auch davon einen Nutzen haben? Deshalb plane ich eine Art „Wissensdatenbank“ aufzubauen. Wie das funktionieren wird, darüber demnächst mehr in einem meiner Blogbeiträge.

Meine „Erfolg durch Wissen -Tipps“ für Sie:

  • Erfolg und Wissen hängen eng zusammen! Suchen Sie sich Quellen um Ihre Fachkompetenz und Ihr Allgemeinwissen stetig zu erweitern. Z.B. Seminare, Podcasts, Videos, Bücher, etc.
  • Setzen Sie innerhalb von 72 Stunden die neu gewonnenen Erkenntnisse einer Weiterbildung um! Sonst gerät zu viel in Vergessenheit.
  • Lesen Sie mindestens ein Fachbuch im Monat
  • Stehen Sie für ein bestimmtes Expertenwissen und werden Sie in diesem Bereich zu einer Marke!
  • Seien Sie nicht zu stolz, Kollegen, die in einem anderem Bereich Experten sind, bei Projekten mit ins Boot zu holen. Sie profitieren von einander und Zusammenarbeit zeugt von Größe und – Wissen!

 

Mehr zum Thema: „Ausgelernt gibt es nicht!“ – finden Sie übrigens auch in Kapitel 3 in unserem Buch: MUTMACHER – Das Praxishandbuch von zwei verrückten Unternehmern, das auch eBook und Hörbuch CD und Download erhältlich ist.

Mitarbeiter / 10. Juli 2018

Ohne sie läuft nichts! Leistungsorientierte, zuverlässige Mitarbeiter wertschätzen

von Walter Stuber

Kennen Sie Bruno Wolf? 1974 war er bekannt wie ein bunter Hund, denn seine Geschichte schaffte es in die Top Ten der Deutschen Charts. Gunter Gabriel sang in „Hey, hey, Boss, ich brauch mehr Geld“ www.youtube.com/watch?v=1T5Z4-1idSQ
von dem Arbeiter Bruno, der 15 Jahren lang treu und zuverlässig in seiner Firma gearbeitet hat, nie krank war, dafür aber nie Anerkennung bekommen hat und dem deshalb der Kragen platzt.

Dass der Song ein Hit wurde, zeigt, dass er so manchem damals aus der Seele gesprochen hat. Und wie sieht das heute aus? Hat sich etwas in Sachen Wertschätzung von Mitarbeitern verändert? In einer Umfrage von Sodexo, einem Anbieter für betriebliche Sozialleistungen, die im Online Portal „Digitaler Mittelstand.de“ veröffentlich wurde, gaben 2016 nur 34 Prozent von 1000 Befragten an, dass sie regelmäßig Lob und Anerkennung für ihre Arbeit bekommen würden. 44% erhalten selten Wertschätzung, 17% gar keine und 5% hören nur Kritik. https://digitaler-mittelstand.de/business/news/umfrage-wertschaetzung-und-mitarbeitergeschenke-gewuenscht-27046
Geld ist nicht alles
Wie würde die Umfrage in Ihrem Unternehmen ausfallen?
Dirk Eckart und ich als Geschäftsführer der Gemeinhardt Gerüstbau Service GmbH tun alles dafür, dass unsere Mitarbeiter wissen, wie sehr wir ihren Einsatz und ihre Loyalität schätzen. Das geht über die finanzielle Schiene, z.B. durch regelmäßige Lohnerhöhungen und Prämien für besondere Leistungen.

Dazu muss aber die persönliche Wertschätzung kommen. Das ist besonders wichtig für die Mitarbeiter, die nicht an großen Projekten beteiligt sind und eher im Stillen ihre Arbeit zuverlässig tun, Spaß daran haben, sich nie beschweren und wenig krank sind. Ich bin sehr dankbar, dass wir einige solcher Mitarbeiter im Team haben.
Die Familien-Einladung zum Sonntagsessen
Wie kann man auch diesen eher stillen Leistungsträgern deutlich zeigen, wie wichtig sie für das Unternehmen sind und dass ohne sie nichts so gut laufen würde? Im letzten Jahr haben wir diese Mitarbeiter mit ihren Familien an einem Sonntag zum „Dankeschön-Mittagessen“ eingeladen. Das war für uns als Geschäftsführer eine gute Gelegenheit zu erleben, wer noch zu unserem Leuten dazu gehört.

Das schafft Nähe und Vertrauen. Und im Alltag kann man manches besser einordnen. Zum Beispiel wenn jemand regelmäßig an einem Tag früher gehen muss, weil er sein Kind zu einer Therapie fahren muss. In unseren Gesprächen ging es nicht um Berufliches, sondern wir haben zwanglos über „Gott und die Welt“ geredet. Das tat allen gut. Die Resonanz war so positiv, dass wir das auch in diesem Jahr wieder machen werden. Die Einladungen dazu sind bereits raus!
Kleine Geste – große Wirkung
Darüber hinaus versuchen wir als Geschäftsführer auch mitten im Alltag immer wieder unserem Team unsere Wertschätzung zu zeigen: Sei es durch ein Stück Kuchen oder ein Eis als Überraschung oder auch das „kleine Schwätzchen zwischendurch“, wie es Dirk Eckart in unserem Buch „MUTMACHER – Das Praxishandbuch von zwei verrückten Unternehmern“ beschreibt. https://www.amazon.de/Mutmacher-Praxishandbuch-zwei-verr%C3%BCckten-Unternehmern/dp/394336240X/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1522259699&sr=8-1&keywords=Mutmacher

Das sechste Kapitel dreht sich um das Thema: „Wir brauchen sie! Mitarbeiter wertschätzen“. Darin haben u.a. ganz praktisch erzählt, wie wir in unserem Unternehmen auf unterschiedliche Art und Weise, das Engagement unserer Mitarbeiter würdigen. Davon können auch Sie profitieren!

5 Praxistipps für Führungskräfte
• Zeigen Sie Ihre Wertschätzung mitten im Alltag.
• Nehmen Sie sich Zeit für „das Schwätzchen“ zwischendurch. Fragen Sie nach dienstlichem sondern auch nach privaten Belangen.
• Vergessen Sie nicht die „stillen Mitarbeiter“.
• Womit könnten Sie ihren Mitarbeitern in besonderer Weise vor Augen halten, dass Sie wissen, was Sie an ihnen haben? Eine Einladung zum Essen? Einen Blumenstrauß? Einen Obstkorb? Einen Gutschein fürs Kino?
• Hören Sie sich Anregungen und Kritik ruhig an und nehmen Sie die Anliegen immer ernst. Suchen Sie gemeinsam nach wertschätzenden Lösungen.

Wenn Sie das beherzigen, brauchen Sie keine Sorge haben, dass eines Tages einer Ihrer Mitarbeiter vor Ihnen steht, wie Günter Gabriel in den 1970ern es als „Bruno Wolf“ verkörperte!

Kunden / 10. April 2018

Ohne Computer und Tablet läuft nichts!

Von Walter Stuber

„Burgbrücke in Halle jetzt mit eigenem Hängegerüst“ – das das eine Überschrift im  Online Portal www.hallelife.de  Mitte März. Grund  dafür sind umfassende Renovierungsarbeiten, die mit Hilfe unseres Spezialgerüstes noch bis Ende des Jahres durchgeführt werden. Haben Sie sich schon mal überlegt, welcher Aufwand damit verbunden ist solch ein Hängegerüst zu konstruieren, einen Bauplan zu erstellen, die Kosten zu berechnen und schließlich auf – und abzubauen? Jeder Schritt bedarf größter Sorgfalt und Genauigkeit!

Früher musste alles „von Hand“ berechnet werden. Was bin ich froh und dankbar, dass wir seit rund 18 Jahren mit dem Kalkulations-Programm http://cp-pro.de sehr erfolgreich arbeiten und  damit nicht nur Zeit sparen sondern auch noch gründlicher Planen und Arbeiten können!

Ein Programm aus der Praxis für die Praxis

Der Gründer und Geschäftsführer von cp-pro Gregor Clausen hat mit der Beratung von Siegfried Geistert 1995 mit der Entwicklung begonnen. Es beinhaltet vier Bausteine: Lagerverwaltung, Projektverwaltung, Disposition und Controlling. Im Laufe der Jahre wurde es immer wieder aktualisiert, angepasst und verfeinert.

Wir von der Gemeinhardt Gerüstbau Service GmbH haben daran maßgeblich Anteil. Nicht nur finanzielle Mittel zur Weiterentwicklung haben wir bereitgestellt, sondern z.B. für die Berechnung der Arbeitszeitwerte mit der Stoppuhr gearbeitet damit cp-pro eine Berechnungsgrundlage hat. Heute verfügen wir dank dieses Programms über weit mehr als 1.000 Arbeitszeitwerte und Einzelkosten (Fremdkosten) mit denen es uns möglich ist komplette Brückenbauwerke pauschal sehr exakt zu berechnen und anzubieten.

Genaue Berechnung – Große Zeitersparnis

Seit drei Jahren gibt es die Funktion „Vorlagen“. Hier sind für bestimmte Bauvorhaben schon die üblichen Werte und Berechnungen  abgespeichert. Gebe ich zum Beispiel „Hängegerüst unter Brücke“ ein, werden mir neben den Fahrt-, Transport-, Kran/Gabelstapler-  und Mautkosten auch die Arbeitszeitwerte für die Gitterträger, die Rohrverbände, Gerüstkupplungen, Aufhängungen, Gerüstbeläge, Folien und Hartfaserplatten für den dreiteiligen Schutz angezeigt. Dazu wird auch die Statikzeichnung, die Berechnung des Materials und die Geschäftsumlage  von 25 % durchgeführt.

In der Regel kann ich mit diesem Vorlagensystem sogar komplexe Brückenbauwerke in einer Stunde berechnen und habe die Sicherheit, dass die Preise und die benötigten Zeiten stimmen!  Da ich die Beträge nicht schätze, sondern über  die Formel „Aktueller Mittellohn x Kalkulationsfaktor x Zeitwerte“  berechne, sehe ich gleich den Deckungsbeitrag, wenn ich den Kalkulationsfaktor nach unten bzw. nach oben verändere.  Übrigens: Baupläne aus Papier waren gestern! Unsere Mitarbeiter sind mit Tablets ausgerüstet. Nur noch darüber wird gearbeitet. Die Digitalisierung  hat den großen Vorteil, dass unsere Kunden ebenfalls jeder Zeit Zugriff zu unseren Plänen haben.

Marktvorteil durch Kalkulationsprogramm

Transparent, offen und ehrlich sein – das sind Business-Werte für die wir in unserem Unternehmen einstehen. Deshalb sind wir es uns und unseren Kunden schuldig, dass wir – trotz und gerade wegen des sehr guten und genauen Computerprogramms – nachkalkulieren. Seit zwei Jahren tun wir das bei unseren großen Baustellen und Projekten jede Woche und nicht  mehr nur monatlich. Ein weiterer Nutzen für unsere Auftraggeber!

Ein letzter großer Vorteil, den wir durch die Nutzung des Kalkulationsprogrammes cp-pro haben: Wir können genau sagen, mit welchem Produkt und welchem Kunden wir unsere Deckungsbeiträge generieren!  Das verschafft uns einen Vorteil den Mitbewerbern gegenüber, weil wir um unsere Kernkompetenzen wissen und diese Bereiche ausbauen können.

 

Mitarbeiter / 2. März 2018

Mehr als ein oberflächliches „Es tut mir leid!“

Kaum hatte ich eine Idee formuliert, musste sie unverzüglich vom Team umgesetzt werden. Wenn nicht, bekam ich einen meiner gefürchteten Wutanfälle. So war ich früher. Nichts worauf ich stolz sein könnte. Eher beschämend und traurig. Aber es gehört zu meiner Biografie: Als Chef war ich ein Tyrann.

Warum und wie ich zur Einsicht gekommen bin, dass es so nicht weitergehen kann, habe ich hier bereits beschrieben. Auch in unserem Buch „Mutmacher- Das Praxishandbuch von zwei verrückten Unternehmern“ www.neufeld-verlag.de/de/mutmacher.html berichte ich in Kapitel 5 von meiner Veränderung.

Vergangenheit ruhen lassen oder Verantwortung übernehmen?

Gott sei Dank (im wahrsten Sinne des Wortes) liegt diese Zeit hinter mir und den Menschen, mit denen ich tagtäglich zu tun habe. „Dann ist ja jetzt alles gut!“ Könnte man meinen. Aber immer wieder nagten Fragen an mir: Reicht es, dass ich mich verändert habe und jetzt besser mit meinen Mitmenschen umgehe oder muss da noch was kommen? Nach langem Überlegen wurde mir klar, dass ich mich bei denen entschuldigen muss, die Opfer meiner Tyrannei geworden sind.

Das klingt dramatisch. Ich habe ja niemanden körperliche Gewalt angetan. Aber verletzt habe ich dennoch mit meinen Worten und den knallharten Entscheidungen. Ich bin sicher, dass ich mit so mancher (ungerechtfertigter) Kündigung dafür gesorgt habe, dass es in den betroffenen Familien gekriselt hat, weil der Druck, den ich gegen die Mitarbeiter aufgebaut habe, zuhause weitergegeben wurde und dass dadurch Beziehungen auf die Probe gestellt oder gar zerstört wurden. So mancher ist sogar aus unserer Region weggezogen, weil er sich so geschämt hat, dass er seine Arbeit verloren hat. Die Verantwortung  dafür liegt eindeutig bei mir.

Ungewöhnliche Idee: Wiedersehensfeier

Es tut mir heute unendlich leid, was ich alles mit meinem Jähzorn angerichtet habe. Ende des letzten Jahres wurde mir klar: Du musst dich persönlich entschuldigen. Aber wie? Da kam die Idee eine „Wiedersehensfeier“ für ehemalige Mitarbeiter dazu zu nutzen.

Im Dezember 2017 sollte die Feier stattfinden. Um die Einladungen verschicken zu können, mussten wir teilweise recherchieren um die aktuellen Adressen der alten Kollegen herauszufinden. Schockiert war ich, als ich dabei erfuhr, dass ein junger Ehemaliger schon gestorben war! Dank noch vorhandener Kontakte und Facebook haben wir schließlich 150 Einladungen an Mitarbeiter, die seit der Gründung der Gemeinhardt Gerüstbaus Service GmbH 2001 bei uns waren, verschicken können.

Reinen Tisch machen

Ich gebe zu: Bei manchem Namen, der auf der Liste stand,  musste ich mehr schlucken als bei anderen. Erinnerungen kamen hoch, die für mich sehr unangenehm waren. Aber ich hatte mich entschieden „reinen Tisch“ zu machen, da gehörten solche Gefühle dazu.

Rückblickend bin ich sehr dankbar, dass ich diesen schwierigen, vielleicht auch ungewöhnlichen Weg gegangen bin. 16 ehemalige Mitarbeiter sind der Einladung gefolgt. Es wurde ein wunderbarer Abend der Versöhnung! Ich konnte damit zwar nicht mein Fehlverhalten ungeschehen machen, aber ich konnte deutlich machen, dass ich es bereue und die Verantwortung dafür übernehme. Dass ich mich verändert haben, wurde ja sowieso klar. Am Ende habe ich alle um Vergebung gebeten. Sie werden es kaum glauben: Wir sind als Freunde auseinander gegangen! Für mich eine große Erleichterung.

6 Voraussetzungen für echte Vergebung

Ein schlichtes „Tut mir leid!“  –  hätte nicht genügt. Das war mir klar. Aber dass das sogar wissenschaftlich bewiesen ist, das habe ich erst nach der Wiedersehensfeier gelesen: www.welt.de/gesundheit/psychologie/article154375065/So-entschuldigen-Sie-sich-richtig.html

Darin wird geschildert, dass Untersuchungen ergeben haben, dass zu einer Entschuldigung, bei der am Ende wirklich Verzeihen steht, sechs Komponenten gehören müssen:

  • sich verbal entschuldigen
  • erklären, was schief gelaufen ist
  • Verantwortung übernehmen
  • deutlich machen, dass man es heute anders machen würde
  • Schaden – wenn möglich – wieder gutmachen
  • um Vergebung bitten

Keine Angst das Gesicht zu verlieren!

Dann habe ich ja alles richtig gemacht mit meinen „Tyrannen-Altlasten“! Allerdings bleibt die Frage, ob ich das nicht schon ehr hätte angehen müssen!

Auszubildende/r / 13. Februar 2018

Prahlen mit tödlichen Folgen

Von Walter Stuber

Gut 20 Jahre ist es jetzt her, dass ich mit einem meiner Gerüstbauer-Auszubildenden  auf Dienstfahrt war. Dass sich diese Fahrt in mein Gedächtnis eingegraben hat, hat mehrere Gründe. Zum einen lag es an der Baustelle, die wir gerade hinter uns gelassen hatten und den ungewöhnlichen Vorkommnissen dort.

Im Verwaltungsgebäude von VW in Wolfsburg hatten wir erstmals eine Mastkletterbühne mit 70 Meter Höhe an einer vorgemauerten Klinkerwand befestigt.

Dabei sind wir bei Bohrungen auf einer Seite unerwartet auf einen Versorgungsschacht gestoßen, der keine Betonwand hatte.  Zusätzlich war er mit vielen Kabeln, Leitungen, Heizungsrohren und Lüftungen belegt. Der Schreck war groß! Mit unserem Prüfgerät hatten wir nicht die nötigen Auszugswerte bekommen. Der Masten war aber schon 40 m hoch! Die Gefahr, dass die Bühne einseitig mit den Gerüstbauern umkippen würde, war groß. Aber wir haben das schnell in den Griff bekommen und alles konnte gut abgesichert und fertiggestellt werden!

Traumauto und Blitzer

Nun waren wir auf der Heimfahrt  zur Firmenzentrale nach Roßwein. Wir unterhielten uns angeregt. Auch über Autos. Ich schwärmte dem Azubi von meinem A 6 Kombi vor, mit dem wir gerade unterwegs waren. Ich prahlte, was das Zeug hielt und erzählte, dass es schon immer mein Traum war, so ein schnelles Auto zu fahren.

Das konnte ich an diesem Tag allerdings nicht vorführen, denn die Autobahn war übervoll. Irgendwann sind wir auf die Landstraße gewechselt. Wir waren so in unser Gespräch vertieft, dass ich nicht auf Geschwindigkeitsbeschränkungen geachtet habe. Auf einmal blitzte ein rotes Licht auf! Die Abrechnung dafür kam kurz darauf: 150 DM und vier Wochen Führerscheinentzug! Das war der zweite Grund, warum ich mich noch gut an diese Fahrt erinnere.

Alptraum und Einsicht

Die ganz große Quittung für meine Prahlerei bekam ich Jahre später. Das ist der dritte und schwerwiegendste Grund dafür, dass ich diese Dienstreise nicht vergessen habe. Der Auszubildende hatte seine Prüfung längst mit Erfolg hinter sich gebracht und war zu einem anderen Unternehmen gewechselt. Hier verdiente er gutes Geld. Davon kaufte er sich schließlich sein Traumauto: einen A6! Eines Tages fuhr er mit überhöhter Geschwindigkeit auf der Autobahn, verlor die Kontrolle  über das Fahrzeug und verunglückte tödlich.

Als ich das hörte, kam mir sofort unsere Fahrt von Wolfsburg nach Roßwein in den Sinn und wie ich damals mit meinem schnellen A 6  angegeben habe.

Ich fühlte mich schuldig am Tod dieses jungen Mannes!  Ein alter Vers aus der Bibel stand mir vor Augen: „Worte haben Macht! Sie können über Leben und Tod entscheiden! Deshalb ist jeder für die Folgen seiner Worte verantwortlich!“  War es meine Angeberei und Prahlerei, die in ihm den Wunsch nach einem schnellen Auto ausgelöst haben? Auf diese Frage werde ich keine Antwort bekommen. Das Schuldgefühl, das der tragische Tod in mir ausgelöst hat, ist mir eine wichtige Lehre geworden. Ich achte seitdem viel mehr auf das, was ich sage und bin mir der „Macht der Worte“ bewusst.

Achtsam und bewusst

Trotzdem klappt es im Alltag nicht immer, vor allem wenn es hoch hergeht. Das tut mir dann im Nachhinein leid. Ich habe gelernt in solchen Fällen das persönliche Gespräch zu suchen um „falsche Worte“  aus dem Weg zu räumen.

Mein Tipp:

Achten Sie auf das, was und wie Sie es sagen!

Wenn Sie sich in der Wortwahl vergriffen haben, entschuldigen Sie sich.

Verzichten Sie besonders vor Kindern und jungen Leuten darauf in übertriebener Weise das hervorzuheben, was Sie sich leisten können oder was man unbedingt haben muss. Damit säen Sie eventuell Wünsche, die nie erfüllt werden können oder Hoffnungen, die zum Scheitern verurteilt sind oder – wie in meinem Fall –  sind sie der Auslöser für unüberlegtes Handeln.