Allgemeine Themen / 7. Juli 2020

Lebensgefühl als Zehnjähriger

Zehnjähriger

Warum ich mir manchmal vorstelle, was ich als Zehnjähriger in meinem Leben erreichen wollte – und warum Sie das auch machen sollten

Ich höre ein Lied – und schon werden Erinnerungen in mir geweckt. Ein Phänomen, das mittlerweile wissenschaftlich untersucht und nachgewiesen wurde. Ein Teil unseres Gehirns verbindet Musik mit Erinnerungen. Wenn ich zum Beispiel das Lied „Country Roads“ von John Denver höre, werde ich sofort in die Zeit zurückkatapultiert als ich zehn Jahre alt war. Mein Leben im Schwabenland war damals spannend, frei und irgendwie auch wild. So empfand ich es zumindest.

Internet und soziale Medien gab es in den 1970ern noch nicht. Mit den Nachbarskindern bin ich durch die Wälder gestreift. Wir haben die Gegend erkundet, sind gewandert und haben beim Nachbarn Kirschen geklaut. Wir hatten Zeit, waren nicht getrieben von Terminen. Das kannten wir überhaupt nicht. Vor dem Fernseher saßen wir höchst selten.

Von Walter Stuber

Sehnsucht nach der zu Hause

Im Refrain von „Country Roads“ geht es um das Heimweh nach der Heimat, dem Ort, wo man hingehört. Für John Denver war das West Virginia mit den Blue Ridge Mountains, dem Shenandoah River, den Bergwerken und dem illegal gebrannten Whiskey „Moonshine“. Für mich ist es die Gegend rund um Eibensbach mit den Gebirgszügen Stromberg und Heuchelberg im Zabergäu.

Die Sehnsucht nach dem, wie es früher war, kennt wohl jeder. Nicht nur nach den vertrauten Orten und Menschen von damals, sondern auch das Verlangen nach dem Gefühl, dass man alle Zeit der Welt hat. Das scheint vielen von uns heute abhandengekommen zu sein, weil alles „schnell, schnell“ gehen muss und immer mehr Leistung verlangt wird.

Freizeit – ohne Internet

Wir haben früher eine Fotosafari rund um das eigene Haus gemacht und Vögel, Insekten und Blumen fotografiert. Oder wir sind mit dem Fahrrad durch die Gegend gefahren und haben dabei die Schönheiten der Natur in uns aufgesaugt. Damals hatte man Briefmarken- und Postkartensammlungen, die man stolz herumzeigte. Heute kennt das kaum einer mehr.

Was wäre, wenn Sie nur noch 35 Stunden in der Woche arbeiten müssten, bei gleichem Lohn versteht sich? Könnten Sie etwas mit der geschenkten Lebenszeit anfangen? Hätten Sie Hobbies, die sie ausüben könnten – auch ohne Internet und soziale Medien?

Ein besonderes Gedankenspiel

Wenn ich „Country Roads“ von John Denver höre, dann bin ich sofort wieder in meiner Gefühlswelt als Zehnjähriger. Ich weiß noch genau, was ich damals alles im Leben erreichen wollte. Das ist wirklich eine erstaunliche Leistung des Gehirns. Die spannende Frage ist: Was ist aus meinen Wünschen geworden? Sind sie wahr geworden? Gibt es Träume, die auch nach Jahrzehnten Wirklichkeit werden könnten oder sogar sollten? Wie nutze ich meine Zeit heute?

Wie wäre es, wenn Sie auch dieses Gedankenspiel wagen: „Was war für mich im Alter von zehn Jahren wichtig? Wie sollte damals meine Zukunft aussehen? Wie lebe ich heute?“ Sie können gespannt sein, was dabei herauskommt. Vielleicht entdecken Sie ganz neue Seiten an sich oder Träume, die gelebt werden wollen! Ich freu mich, wenn Sie Ihre Erfahrungen hier als Kommentar posten oder mir eine Mail schicken.

2 gedanken zu “Lebensgefühl als Zehnjähriger

  1. Ich kenne es nur zu gut wenn in bestimmten Situationen oder bei so daher gesagten Sätzen, plötzlich eine Lied im Kopf erscheint.
    Die Anregung nehme ich gern an und höre jetzt noch mehr in mich hinein, bei jedem Lied das höre.
    Noch immer überlege ich, was ich mit der „Mehrfreizeit“ anfangen täte. Komisch das ich da überlegen muss. Danke Walter.

  2. Im Alter von 10 Jahren hatte ich einen Schlüssel um den Hals hängen und war froh, wenn der Schultag zu Ende war. Nicht, dass ich mich gelangweilt hätte – nein, da waren die Kameraden, die gemeinsamen Wünsche etwas zu machen; Fußball zu spielen, im Sommer ins Schwimmbad usw.! Da waren die Eltern, die sich abgemüht haben und sagten: „Du sollst es besser haben als wir“ 1962 – da war ich 10 Jahre alt! Damals – das war eine spannende Zeit – alles war im Aufbruch! Ich war gierig nach den vielen Dingen, die mir die Welt zu bieten hatte – wollte Pilot werden! Dazu habe ich sehr gerne gelesen; Pilot bin ich nicht geworden – dafür wurde ich über Umwege zum Unternehmensberater und arbeite heute noch sehr gerne!
    Mein Job ist es, Werte zu gewinnen und zu erhalten.

    Viele Träume konnte ich realisieren; ich habe andererseits auch gelernt, was es heißt, Verluste zu verkraften – damals wie heute hat mir dabei der Glaube an Gott geholfen! Ich bin heute ein glücklicher und zufriedener Mann und hoffe sehr auch als solcher zu sterben.

    Meinen Mitmenschen wünsche ich, dass sie von Krankheiten und Not verschont bleiben und ihr Glück in einer intakten Familie finden. Denn: Selbst das beste staatliche Sozialsystem kann die Familie nicht ersetzen.

    Meinen Mitmenschen wünsche ich, dass sie die Kraft aufbringen, die sie für ihr Leben brauchen.

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