Allgemeine Themen / 27. Februar 2018

100% Herausforderung!

von Walter Stuber

Familien-Winterurlaub an der Ostsee. Das hatten wir kurzfristig im Februar eingeschoben. Schöne Gegend, kalter Wind und viele Spaziergänge. Eigentlich wäre das Erholung pur für mich gewesen – aber mit  zwei Enkelkindern im Alter von fünf und acht Jahren, sah alles ganz anders aus. Es wurde ihnen immer ganz schnell langweilig! Das konnte dann für alle sehr unangenehm werden.

Mitten in so einer Situation, fielen mir Momente aus meiner Kindheit ein. Ich konnte das nämlich auch sehr gut: Nerven und Ärger machen! Ganz genau erinnere ich mich an eine Begebenheit als ich 10 Jahre alt war. Zusammen mit meinen Eltern war ich auf einem Ausflug mit den Landfrauen in Kufstein. Um die Mittagszeit hatte ich einen Riesenhunger. Wir saßen schon am Tisch in einer Gastwirtschaft. Alle um mich herum hatten schon ihr Essen serviert bekommen. Aber ausgerechnet meine Pommes wurde nicht gebracht! Ich wollte nicht mehr warten und habe richtig Rabatz gemacht! Meine Mutter sagte damals ganz ruhig zu mir: „Hoffentlich bekommst du diese Ungezogenheit hundertfach von deinen Kindern zurück!“

Vergangenheit und Gegenwart

An diesen bösen Satz habe ich jahrzehntelang nicht mehr gedacht. Die Trotzphasen bei unseren Kindern habe ich nämlich nicht miterlebt, denn als ich meine Frau Burgunda heiratete, waren sie schon 11, 12 und 15 Jahren. Bis dahin hatte meine Frau schon beste Erziehungsarbeit geleistet!  Aber jetzt, im Urlaub, mit den zwei Enkelkindern, hatte ich die Worte meiner Mutter wieder deutlich im Ohr. Hin und wieder dachte ich sogar, dass ich es jetzt nicht nur hundertfach, sondern sogar tausendfach zurückbekomme!

In unseren Familien-Urlaubstagen an der eiskalten Ostsee musste ich an die Flüchtlingstracks 1944/45 denken. Für Tausende ging es mit Karren über die zugefrorene See Richtung Westen. Sicher waren auch viele Kinder im Alter meiner Enkel dabei. Ob die damals wohl auch so aufgedreht waren? Hatten sie auch „keine Ohren“, also haben sie nicht auf das gehört, was man ihnen gesagt hat? Waren sie ebenfalls mit nichts zufrieden und kannten keine Dankbarkeit? Für mich steht fest: Mit solchen Einstellungen hätte niemand diese Zeit überlebt!

Was ist los mit der Generation Z?

Die Geburtenjahrgänge 2000 bis 2015 gehören zur sogenannten Generation Z  https://de.wikipedia.org/wiki/Generation_Z . Woran liegt es, dass die Erziehung dieser Kinder immer schwieriger zu werden scheint?

Wissenschaftler betonen, dass Kinder heute von Anfang mit der virtuellen Welt vertraut sind. Smartphones und Tablets sind schon für Kleinkinder völlig normal und gehören zu ihrem Alltag. Sie schauen damit  z.B. Videos oder hören Musik.

Vieles ist schnell zu haben, zu erreichen. Das alles beeinflusst die Entwicklung und den Lebensstil ungemein! Es heißt, diese Generation hätte auch ein starkes Selbstbewusstsein! Sind sie deshalb so quirlig und ohne Ruhe?

Vielleicht liegt aber auch vieles an uns, den Eltern oder Großeltern, die ja immer wollen, dass es ihren Kinder bzw. Enkeln einmal besser gehen soll, als ihnen selber. Gibt es deshalb weniger Grenzen und wird mehr erlaubt?

Tipps zur Entschleunigung

Ich mache mir wirklich Gedanken darüber, wie es mit den folgenden Generationen weitergehen kann! Was müssen wir heute schon ändern?

Nach dem turbulenten Enkelurlaub habe ich zumindest schon mal eine kleine Idee, was wir als Großeltern und Eltern für unsere (Enkel-)-Kinder tun können:

  • Gönnen wir der Generation Z (und uns) Ruhezeiten: Fernsehen und Internet bewusst für eine gewisse Zeit ausschalten! Warum nicht einfach mal „nur“ da sitzen und in die Gegend schauen? Auch Vorlesen, Geschichten von früher erzählen, malen oder basteln kann Ruhe bringen.
  • Gehen Sie mit den Kids raus! Entdecken Sie gemeinsam die Natur. Bewegung in der frischen Luft tut allen gut! Kindern, die unausgeglichen sind umso mehr!

Das sind kleine Alltagsauszeiten, die helfen können aus dem Hamsterrad herauszukommen. Allerdings kann es gut sein, dass die Kinder erst lernen müssen, ohne Handy, TV, Internet und Co auszukommen. Deshalb steigern Sie langsam die „Auszeiten“. Irgendwann werden sie dann selbstverständlich dazugehören.

Wichtig ist, dass wir Erwachsenen gute Vorbilder für die nächste Generation sind!