Ganz Privat

Allgemeine Themen / 26. Juni 2018

Gottesdienst: Ein Hoch auf den Sonntag

Von Walter Stuber

Radtour oder Wanderung. Die Bilder vom letzten Urlaub sichten. Sport. Brettspiele. Wellness. Über einen Flohmarkt schlendern. Das sind die „kreativen Vorschläge“, die T-Online für den Sonntag anbietet, „wenn die Geschäfte zu haben und die Stadt auch sonst ausgestorben zu sein scheint.“

https://www.t-online.de/leben/reisen/reisetipps/id_77932680/was-kann-man-sonntags-machen-6-tipps.html

Sonntag. Der Erste,  der aus diesem Wochentag einen gesetzlichen Ruhetag gemacht hat, war Kaiser Konstantin der Große im Jahr 321. Er befahl, dass „am Tag der Sonne alle Richter, ebenso das Volk in den Städten, sowie die Ausübung der Künste und Handwerke ruhen“ sollte. Damit wollte er das Christentum stärken. Soweit die Theorie. Die Praxis sah natürlich anders aus. Damals konnten es sich Bauern, Mägde und Handwerker nicht leisten einen Tag gar nichts zu tun.

Was machen Sie sonntags?

Und heute? Das Grundgesetz schützt den Sonntag „als Tag der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung“. Wieder ist das die Theorie. Wie sieht die Praxis aus? Was machen Sie sonntags? Schreiben Sie mir  eine Mail oder kommentieren Sie diesen Blog. Ich finde es spannend, zu erfahren, welche Facetten der Sonntag heute bei unterschiedlichen Menschen in unterschiedlichen Regionen Deutschlands hat.

Für mich sind Sonntage besondere Tage. Bewusst versuche ich die Arbeit außen vor zu lassen: Zeit mit meiner Frau, zum Lesen, den Garten genießen – das steht bei mir auf dem Programm. Gerne besuche ich auch einen Gottesdienst. Allerdings nicht, wenn von der Kanzel Politik verkündet wird. Schon mein Vater hat immer gesagt: „Politik wird in Bonn (damals noch – heute Berlin) gemacht und nicht in der Kirche. Die Politik macht auch nichts mit Kirche.“

Interview im Gottesdienst

Da ist auch mein Leitwort geworden. Vielleicht fühle ich mich deshalb in manchen evangelischen Gottesdiensten in Sachsen nicht so wohl. Wenn ich sonntags unterwegs bin, ist es mir eine Freude andere Kirchen und Gemeinden kennenzulernen. Gerne denke ich an den Besuch in der evangelischen St. Matthäuskirche im September letzten Jahres in San Franzisco zurück. Zusammen mit meiner Frau habe ich dort einen wohltuenden, lebendigen, deutschsprachigen Gottesdienst besucht.

Ganz so weit brauche ich am kommenden Sonntag, dem 1.Juli nicht zu fahren um einen besonderen Gottesdienst zu erleben. Pforzheim ist dann mein Ziel. Rolf Hauber www.rolfhauber.de, den ich vor einigen Jahren bei Christen in der Wirtschaft  kennengelernt habe, arbeitet ehrenamtlich in der Evangelisch-methodistischen Kirche in Pforzheim mit und hat mich eingeladen im Rahmen des „Touch-Gottesdienstes“ in einem Interview darüber zu erzählen, wie ich vom ‚Tyrann zum Mutmacher‘ geworden bin.

Auf gute Geschichten kommt es an

Bei Business-Veranstaltungen habe ich ja schon öfters darüber berichtet. In einem Gottesdienst noch nicht. Für mich war schnell klar, dass ich mich gerne dieser Aufgabe stellen will. Denn ist es doch letztlich egal ob Kirche oder Saal in einem Hotel! Es geht darum, das was ich erlebt habe, als eindrückliche Geschichte zu erzählen. Storytelling sagt man heute dazu: Nur gute Geschichte können Menschen verstehen und verinnerlichen.

Das habe ich vorletzte Woche auf der BNI D-A-CH Konferenz in einem Vortrag von Dr. Nikolaus Förster, Herausgeber und Verleger der Zeitschrift Impulse, https://www.impulse.de/author/nfoerster  noch eindrücklich vor Augen gehalten bekommen. Einer der im Geschichtenerzählen Meister war und damit viele nicht nur beeindruckt, sondern positiv verändert hat, war Jesus Christus. Seine Gleichnisse sind bestes Storytelling. Nicht nur in dieser Hinsicht ist Jesus mein Vorbild.

Treffpunkt Pforzheim?

Ich bin gespannt auf kommenden Sonntag, welche Fragen ich  in der Evangelisch-methodistischen Kirche gestellt bekomme und welche (Lebens-)Geschichten ich dann erzählen kann. Wenn Sie in der Nähe von Pforzheim wohnen, dann sind Sie herzlich eingeladen dabei zu sein. In der Einladung heißt es „Touch – Gottesdienste, die berühren – erfahren Sie neuen Lebensmut und Lebenslust“. Um 10 Uhr geht es los in der Maximillianstraße 28 in Pforzheim. Nähere Infos gibt es hier: www.emk-pforzheim.de

Ich wünsche Ihnen schon jetzt einen schönen „Tag der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung“! Und nicht vergessen: Wenn Sie Lust haben, schreiben Sie mir, was sonntags für Sie auf dem Programm steht.

 

Allgemeine Themen / 29. Mai 2018

Stresskiller: Warum eine Auszeit in der Natur im Mai besonders gut tut

von Walter Stuber

Zuhause – Arbeit – Einkaufen – Zuhause. Und am nächsten Tag geht’s wieder von vorne los. Kaum jemand gönnt sich eine Auszeit. Der eine geht mit Freude seinem Beruf nach, die andere zählt die Stunden bis zum Feierabend. Zwischendurch ist man im Internet unterwegs, schaut abends die Nachrichten und vielleicht einen Film. Das ist der Alltag von vielen Deutschen. Ich habe den Eindruck, dass so mancher gar nicht mehr wahrnimmt, was direkt vor seiner Haustür passiert.

Es ist Mai. Nicht umsonst wird er poetisch „Der Wonnemonat“ genannt. Die Natur zeigt sich von der allerschönsten Seite! Nach Sonnenaufgang schallt aus den Bäumen ein Konzert der Vogelstimmen. Alles grünt und blüht! Ist Ihnen das bei aller Arbeit  und den vielen Terminen eigentlich aufgefallen? Wann sind Sie zuletzt durch einen Park spaziert, haben den Duft des Flieders in sich aufgesogen, das Zwitschern der Schwalben gehört oder den warmen Sonnenschein auf ihrer Haut gespürt?

„Alles hat seine Zeit.“

Solche kleinen Auszeiten tun der Seele gut, wirken sich positiv auf Stress aus und geben Kraft für die Aufgaben, die wir zu erfüllen haben. Sie halten uns auch vor Augen, dass „Alles seine Zeit hat“, wie es in der Bibel steht und unser Leben von einem jahreszeitlichen Rhythmus geprägt wird. Das vergessen wir oft, weil es mittlerweile nichts Besonderes mehr ist an Weihnachten frische Erdbeeren zu essen oder das ganze Jahr über alle Gemüsesorten im Supermarkt zu bekommen.

In meiner Kindheit war das noch ganz anders. Meine Eltern hatten einen Garten mit Gemüsebeeten. Im Herbst wurde geerntet, eingekellert, eingeweckt und später auch eingefroren. So etwas kennen die meisten Kinder und Jugendlichen heute gar nicht mehr. Gemüse und Obst wird beim Discounter gekauft. Wo es herkommt und unter welchen Vorrausetzungen für die Bauern es angebaut und geerntet wird, interessiert meist nicht.

Bewahrung der Schöpfung beginnt bei mir

Deshalb wissen nur wenige (oder wollen es nicht wahrhaben), dass Bananen und andere Südfrüchte unreif geerntet werden und mit viel Aufwand und Kosten verschifft oder mit dem Flugzeug transportiert werden müssen, bis sie bei uns auf dem Tisch landen. Wir diskutieren über Klimaerwärmung, Abgaswerte und die Verschmutzung der Meere und was die „Mächtigen der Welt“ tun müssen. Dabei fängt  die Bewahrung der Schöpfung im Kleinen an. Bei mir.

In unserem Garten hegt und pflegt meine Frau Burgunda jedes Jahr aufs Neue unsere Gemüsebeete. Ich freue mich im Moment über unsere in Blüte stehenden Obstbäume und noch mehr auf die Ernte im Herbst. Unsere Enkel sind dann auf jeden Fall mit dabei. Sie sollen ein Gespür für die Natur bekommen, was es heißt zu säen, zu pflegen und dann zu ernten. Wenn wir schon unseren Kindern verdeutlichen, welche Wunder die Natur bereit hält und dass wir Verantwortung für sie tragen, dann wird sie das für ihr ganzes Leben prägen! Damit ist die Chance höher, dass weitere Generationen etwas von unserer schönen Erde haben!

Meine Naturliebhaber-Tipps

  • Unterbrechen Sie Ihren Alltagstrott und nehmen Sie den Frühling bewusst wahr. Gönnen Sie sich eine Auszeit in der Natur. Am besten ohne Handy!
  • Staunen Sie neu über die Farbenvielfalt der Bäume und Sträucher, den Geruch von Regen auf warmer Erde, das Singen der Vögel und den herrlichen Geschmack von Erdbeeren.
  • Begeistern Sie Ihre Kinder, Enkel und den Nachwuchs Ihrer Freunde neu für die Wunder der Natur. Egal ob im Garten, beim Spazieren durch den Wald oder beim Bauen von Wasserräder, die dann am nächsten Bach aufgebaut werden.
  • Vielleicht machen Sie es wie ich und pflanzen jedes Jahr einen Apfel- oder Birnbaum. So können Sie (und ihre Familie) die Jahreszeiten miterleben und haben direkt vor Augen, wie wunderbar unsere Natur ist. Falls Sie keinen eigenen Garten haben, fragen Sie in Ihrer Stadt oder Gemeinde nach, wo es möglich ist einen Baum zu setzen.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie einen ganz neuen Blick für die die Schönheit der Natur in Ihrer Umgebung bekommen und dass Sie einen „WOW-Effekt“ der ganz besonderer Art erleben! Gönnen Sie sich Ihre persönliche Auszeit!

Allgemeine Themen / 15. Mai 2018

Todsicher!

Von Walter Stuber

Früher waren es die Umschläge mit dem schwarzen Rand, die einen den Atem anhalten ließen: Wer war aus dem Umfeld gestorben? Die Trauerkultur hat sich verändert, Totenbriefe sind seltener geworden. Zeitungs- und Online-Anzeigen, Mails oder Anrufe werden genutzt um diese traurigen Nachrichten weiterzugeben.

Vor ein paar Tagen erfuhr ich, dass ein entfernter Verwandter einen tödlichen Unfall mit seinem Traktor hatte. Er war allein im Weinberg unterwegs, deshalb weiß keiner, was passiert ist. Wir alle waren fassungslos. Beim Schreiben der Kondolenzkarte beschlich mich ein mulmiges Gefühl.

Verdrängen macht keinen Sinn

„Vielleicht steht DEIN Name schneller auf einer Todesanzeige als du denkst?!“ Dieser Überlegung nagte an mir. Ein plötzlicher Unfall kann mein Leben und  das meiner Familie von jetzt auf gleich auf den Kopf stellen. Solche Gedanken verdrängt man am liebsten. Das machen viele.

Aber das ist nicht mein Ding. Auch wenn es unangenehm, angsterfüllt und schmerzlich ist: Für mich geht kein Weg daran vorbei mich offen mit meinen Lebensende zu beschäftigen. Gerade als Unternehmer ist es enorm wichtig, dass im Falle meines plötzlichen Todes sowohl geschäftlich als auch  privat alles geregelt ist. Deshalb war ich im letzten Jahr auch bei einem Vortrag zum Thema: „Vermächtnis“.

Klares Testament verhindert Streitigkeiten

Hier wurde mir klar, dass ich meiner Frau und meinen Kindern nur eins schuldig bin: Ein Testament, das klar ist und über das niemand streiten kann! Denn ich beobachte um mich herum, dass es beim Erben plötzlich keine Rolle mehr spielt, wie man miteinander verwandt ist!  Ich weiß von Familien, da wird nicht mehr miteinander geredet und schon gar nicht gefeiert, weil irgendwann mal einer mehr geerbt hat als der andere! Das soll es bei mir nicht geben!

Mein Motto ist: Nackt sind wir auf die Welt gekommen und nackt werden wir wieder gehen. Oder haben Sie schon mal gehört, dass jemand über seinen Tod hinaus Häuser, Autos oder sein Geld mitnehmen hätte? Wohl kaum! Deshalb liegt für mich auf der Hand, dass ich mir rechtzeitig Gedanken mache, wer was bekommen soll.

Unangenehme Frage, die weiterbringen

Natürlich gibt es Schöneres womit man sich beschäftigen kann als mit dem eigenen Ableben. Aber genau dazu will ich Sie heute ermutigen.

Stellen Sie sich zum Beispiel diesen Fragen:

  • Habe ich alles geregelt, falls ich ganz plötzlich sterbe?
  • Will ich eine Beerdigung, eine Urnenbeisetzung oder etwas anderes?
  • Was soll bei meiner Trauerfeier gesagt, gesungen und gelesen werden?
  • Was soll auf meinen Grabstein stehen?

Die Antworten sind nicht nur für Sie wichtig. Wenn Sie alles schriftlich fixieren, ist es auch eine große Hilfe und ein Trost für Ihre Angehörigen, die am „Tag X“ alles ganz in Ihrem Sinne organisieren können.

Noch eine letzte Frage will ich Ihnen zumuten, die mir sehr wichtig ist, weil sie deutlich macht, dass ich nicht nur für mich Verantwortung trage: Was haben die Menschen davon, dass ich auf dieser Erde gelebt habe?

Aber Vorsicht: Ihre ehrliche Antwort darauf könnte Ihr bisheriges Leben grundlegend verändern. Denn manches, was für Sie oberste Priorität hatte, könnte danach nicht mehr so wichtig sein!

„Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ Dieser weise Ratschlag aus der Bibel, Psalm 90, ist für mich ein wichtiger Wegweiser geworden –  für mein Leben und den Tod, der nun mal todsicher ist!

Allgemeine Themen / 1. Mai 2018

Ausleihen? Nicht mit mir!

Von Walter Stuber

„Kinderkleidung mieten statt kaufen!“ Anfang des Jahres sorgte der Kaffeehändler Tchibo in seinem Onlineshop www.tchibo-share.de  mit diesem neuen Angebot für Gesprächsstoff. Dabei war die Idee gar nicht neu. Schon lange gibt es Foren im Internet in denen das Ausleihen im Vordergrund steht. Von der Hüpfburg, CDs und der Motor-Klappsäge bis hin zur Verstärkeranlage, Karnevalsperücken und  Schmuck gibt es alles zum tage- oder wochenweise mieten. Autos und Motorräder sind natürlich auch dabei.

Ich bin ehrlich: Das ist nicht für mich! Egal um was es geht: Mit dem Ausleihen habe ich meine Probleme. Vielleicht liegt es an meinen schwäbischen Wurzeln .Vielleicht aber auch an einer Geschichte, die schon 41 Jahre zurück liegt, mir aber immer noch präsent ist, als ob es gestern gewesen wäre.

Traum von Freiheit – ausgeträumt

Mein Kumpel Andreas war gerade 16 Jahre alt geworden und super stolz auf sein Moped. Freudestrahlend hat er es mir gezeigt! Das war für ihn der Inbegriff der Unabhängigkeit!  Endlich konnte er überall hinfahren! Und ich als sein Freund durfte sein „Ein und Alles“  sogar Probefahren. Das machte mich wiederum sehr stolz. Ich hab mich drauf gesetzt und bin losgefahren. Aber nach ungefähr einem Kilometer machte der Motor komische Geräusche – und dann lief plötzlich gar nichts mehr. Ich habe mich zwar total erschrocken, dachte mir aber nichts weiter und schob das Gefährt den Weg zurück. Je näher ich an Andreas herankam und ihm klar wurde, dass sein Moped keinen Mucks mehr machte, desto mehr wich die Farbe aus seinem Gesicht.

Als ich vor ihm stand, mit dem kaputten Moped an der Hand, war es für mich als ob ich soeben seinen Lebenstraum von Freiheit zerstört hatte. Er tat mir so leid. Das Ganze war so unfassbar! Also habe ich die Ärmel hochgekrempelt und den Motor zerlegt. Schließlich war ich bekannt dafür, dass ich von so etwas Ahnung hatte. Leider war das eine riesengroße Selbstüberschätzung und ein fataler Fehler dazu. Hätte man das Moped gleich einem Fachmann überlassen, wäre es sicher noch zu retten gewesen. Aber durch meine „Schraubkunst“ war es endgültig hin und mein Freund musste wieder zu Fuß gehen. Und ich war schuld daran!

Prägende Erkenntnis

Aus diesem Erlebnis habe ich eine Lehre fürs Leben gezogen: Verleihe bloß nichts, sonst geht es dir am Ende wie Andreas und du bekommst es kaputt zurück.

Bis heute verleihe ich nur im äußersten Notfall etwas! Das gilt vor allem für meine Werkzeuge und erst recht für mein privates Auto. Beim Firmenwagen geht es mittlerweile schon etwas besser. Da lasse ich hin und wieder mal jemanden anderen fahren.

Ist es nicht erstaunlich und fast beängstigend, wie ein Erlebnis, das schon lange zurück liegt, einen immer noch prägt  und im schlimmsten Falle sogar das Leben verbauen kann? Dabei will ich doch freigiebig sein! Warum sonst fühle ich mich bei den Netzwerkern von Business Network International www.bni.de  so wohl, deren Motto „Wer gibt, gewinnt“ ist? Ja, ich gebe gerne meine Kontakte, Lebenserfahrung und Businesstipps weiter!  Das Buch: „MUTMACHER- Das Praxishandbuch von zwei verrückten Unternehmern“  www.neufeld-verlag.de/de/mutmacher.html , das ich zusammen mit Dirk Eckart geschrieben habe, ist das beste Beispiel dafür.

Alte Denkmuster durchbrechen

Aber was das Ausleihen von Werkzeug, Auto und anderen Dingen angeht, da hört es für mich auf. Zumindest war es bisher so. Aber da ich mir „Lebenslanges Lernen“ verordnet habe, will ich auch hier weiterkommen! Deshalb muss ich meine Erfahrung von damals, heute mal von einem anderen Blickwinkel betrachten und die Fragen zulassen: Muss das Ausleihen immer so enden? Warum sollte sich die Geschichte mit Andreas wiederholen? Ich will mich von dem Gedanken befreien, dass es mir beim Verleihen zwangsläufig so ergehen muss, wie damals meinem Freund!

Vielleicht  ist  das der erste Schritt in die richtige Richtung, dass ich mir eingestanden habe, dass hier, bei der alten „Moped-Motorschaden Geschichte“, die Ursache dafür liegen könnte, dass ich seit Jahrzehnten möglichst darauf verzichtet habe etwas auszuleihen. Manchmal ist es gut und hilfreich über „alte Geschichten“ zu reden. Sie verlieren dann an Macht, können mich nicht mehr so stark beeinflussen und ich kann danach befreiter durchs Leben gehen. Mal sehen, was passiert, wenn demnächst jemand meinen Rasenmäher oder eine Rohrzange leihen will!

 

 

Allgemeine Themen / 27. März 2018

Warum zahlt der Opa nicht?

Von Walter Stuber

„Hilfe für Josefine“ – das ist die Facebook-Seite auf der meine Enkelin im Mittelpunkt steht, denn sie braucht vielfache Unterstützung. Josefine ist mehrfachbehindert. Sie hatte als Baby eine Hirnhautentzündung, die ihr stark zugesetzt hat. Danach bekam sie Epilepsie. Außerdem konnte sie dadurch viele Bewegungsabläufe nicht erlernen. Heute als Siebenjährige hat sie sehr viel nachzuholen.

Dabei soll ihr die „Doman-Therapie“ helfen, die weltweit sehr erfolgreich bei hirngeschädigten Kindern wie Josefine angewendet wird. Mein Sohn Ingolf  und meine Schwiegertochter Janine wollen diese Möglichkeit für ihre Tochter nutzen. Einziger großer Haken: Die Krankenkasse finanziert die Behandlung nicht! Das bedeutet die komplette Summe muss selber aufgebracht  werden. Wir reden von rund 200.000 Euro! Anfang des Jahres hat die Familie beschlossen in die Öffentlichkeit zu gehen und um Spenden zu bitten. Dafür wird die Facebook-Seite genutzt.

Harte finanzielle Realität

Die Wenigsten sagen es laut, aber ich weiß, dass so mancher es zumindest schon gedacht hat: „Da ist der Opa ein erfolgreicher Unternehmer und er kann nicht die Therapie für seine Enkelin finanzieren?“. Die Frage ist durchaus berechtigt!  Es kommt natürlich darauf an, wie man „erfolgreich“ definiert: Ob an der Sichtbarkeit des Unternehmens oder am Gewinn. Ja, wir sind erfolgreich mit unserm Spezialgerüstbau-Unternehmen! Aber wir haben auch eine bewegte Firmengeschichte mit Hochs und Tiefs! 2001 haben Dirk Eckart und ich den Betrieb übernommehttps://www.spezialgeruestbau,den. 2010 erlebten wir dann die „fast“ Pleite.

Sozusagen „Fünf vor zwölf“ haben wir das benötigte Geld von unserem befreundeten Lieferanten Friedhelm Wagner bekommen, damit wir wiederum weitere Kredite von der Sparkasse Döbeln und der Sächsischen Aufbau Bank eingeräumt bekamen. Das hatte Konsequenzen: Wir beiden Gesellschafter mussten für die Rettung unseres Unternehmens  unsere gesamten privaten Spar- und Rentenrücklagen in das Unternehmen einlegen. Das bedeutete, dass meine Altersabsicherung, die ich bis zum 40.Lebensjahr aufgebaut hatte, plötzlich für die Katz war. Außerdem wurden unsere Geschäftsführergehälter drastisch gekürzt.

Im Geld schwimmen – Fehlanzeige!

Wir führen ein erfolgreiches Unternehmen! Daran besteht kein Zweifel! Aber die (finanziellen) Konsequenzen von 2010 haben noch heute Auswirkungen. Im Klartext: Trotz guter Bilanzen: Privat schwimmen wir nicht im Geld. Leider. Wie gerne würde ich mal eben „aus der Portokasse“ die Therapie finanzieren, damit meine Vision wahr wird und Josefine im Jahr 2030 fließend spricht und ohne Hilfsmittel gehen kann!

Ja, ich muss zugeben: Ich schäme mich, bin traurig darüber, dass ich „nur“ 50 Euro  im Monat für sie geben kann. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich, bevor die Therapie konkret wurde,  anderen Werken und Institutionen wie Rotary, der Förderschule, Christen in der Wirtschaft und ERF Medien jeweils eine Summe pro Monat für eine bestimmte Zeit zugesagt hatte. Danach werde ich die 20% von meinem Lohn, die ich grundsätzlich von meinem Lohn spende, nur noch für Josefines Therapie einsetzen. Jetzt wissen Sie, warum ich als Geschäftsführer einer erfolgreichen Firma nicht mal eben die Therapiekosten für meine Enkelin übernehmen kann, auch wenn ich noch so gerne täte. Aber ich habe aus den ganzen finanziellen Herausforderungen gelernt!

3 Tipps für Selbstständige

Ich rate Ihnen als selbstständiger Unternehmer:

  • Legen Sie Ihre Rentenbeträge so an, dass Ihre Bank  und  Sie selber im Extremfall nicht darauf zugreifen können. Denn es kann immer wieder mal vorkommen, dass Ihr Unternehmen in Schieflage kommt, sodass Sie als Chef oder Chefin sich eigentlich verpflichtet fühlen, an das private Vermögen heranzugehen. Aber, wie sich bei mir gezeigt hat, ist das nicht unbedingt sinnvoll in Blick auf die Finanzen im Alter!
  • Denken Sie daran: Vielleicht brauchen Sie irgendwann auch einmal finanzielle Unterstützung!  Warum nicht also einem anderen befreundeten Unternehmer mal unter die Arme greifen, wenn es einem selber gerade finanziell gut geht?!
  • Seien Sie immer großzügig mit Spenden. Wer gibt, gewinnt!

 Mehr unter www.josefine-stuber.de