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Mitarbeiter / 2. März 2018

Mehr als ein oberflächliches „Es tut mir leid!“

Warum ich als Chef um Vergebung gebeten habe

Kaum hatte ich eine Idee formuliert, musste sie unverzüglich vom Team umgesetzt werden. Wenn nicht, bekam ich einen meiner gefürchteten Wutanfälle. So war ich früher. Nichts worauf ich stolz sein könnte. Eher beschämend und traurig. Aber es gehört zu meiner Biografie: Als Chef war ich ein Tyrann.

Warum und wie ich zur Einsicht gekommen bin, dass es so nicht weitergehen kann, habe ich hier bereits beschrieben. Auch in unserem Buch „Mutmacher- Das Praxishandbuch von zwei verrückten Unternehmern“ www.neufeld-verlag.de/de/mutmacher.html berichte ich in Kapitel 5 von meiner Veränderung.

Vergangenheit ruhen lassen oder Verantwortung übernehmen?

Gott sei Dank (im wahrsten Sinne des Wortes) liegt diese Zeit hinter mir und den Menschen, mit denen ich tagtäglich zu tun habe. „Dann ist ja jetzt alles gut!“ Könnte man meinen. Aber immer wieder nagten Fragen an mir: Reicht es, dass ich mich verändert habe und jetzt besser mit meinen Mitmenschen umgehe oder muss da noch was kommen? Nach langem Überlegen wurde mir klar, dass ich mich bei denen entschuldigen muss, die Opfer meiner Tyrannei geworden sind.

Das klingt dramatisch. Ich habe ja niemanden körperliche Gewalt angetan. Aber verletzt habe ich dennoch mit meinen Worten und den knallharten Entscheidungen. Ich bin sicher, dass ich mit so mancher (ungerechtfertigter) Kündigung dafür gesorgt habe, dass es in den betroffenen Familien gekriselt hat, weil der Druck, den ich gegen die Mitarbeiter aufgebaut habe, zuhause weitergegeben wurde und dass dadurch Beziehungen auf die Probe gestellt oder gar zerstört wurden. So mancher ist sogar aus unserer Region weggezogen, weil er sich so geschämt hat, dass er seine Arbeit verloren hat. Die Verantwortung  dafür liegt eindeutig bei mir.

Ungewöhnliche Idee: Wiedersehensfeier

Es tut mir heute unendlich leid, was ich alles mit meinem Jähzorn angerichtet habe. Ende des letzten Jahres wurde mir klar: Du musst dich persönlich entschuldigen. Aber wie? Da kam die Idee eine „Wiedersehensfeier“ für ehemalige Mitarbeiter dazu zu nutzen.

Im Dezember 2017 sollte die Feier stattfinden. Um die Einladungen verschicken zu können, mussten wir teilweise recherchieren um die aktuellen Adressen der alten Kollegen herauszufinden. Schockiert war ich, als ich dabei erfuhr, dass ein junger Ehemaliger schon gestorben war! Dank noch vorhandener Kontakte und Facebook haben wir schließlich 150 Einladungen an Mitarbeiter, die seit der Gründung der Gemeinhardt Gerüstbaus Service GmbH 2001 bei uns waren, verschicken können.

Reinen Tisch machen

Ich gebe zu: Bei manchem Namen, der auf der Liste stand,  musste ich mehr schlucken als bei anderen. Erinnerungen kamen hoch, die für mich sehr unangenehm waren. Aber ich hatte mich entschieden „reinen Tisch“ zu machen, da gehörten solche Gefühle dazu.

Rückblickend bin ich sehr dankbar, dass ich diesen schwierigen, vielleicht auch ungewöhnlichen Weg gegangen bin. 16 ehemalige Mitarbeiter sind der Einladung gefolgt. Es wurde ein wunderbarer Abend der Versöhnung! Ich konnte damit zwar nicht mein Fehlverhalten ungeschehen machen, aber ich konnte deutlich machen, dass ich es bereue und die Verantwortung dafür übernehme. Dass ich mich verändert haben, wurde ja sowieso klar. Am Ende habe ich alle um Vergebung gebeten. Sie werden es kaum glauben: Wir sind als Freunde auseinander gegangen! Für mich eine große Erleichterung.

6 Voraussetzungen für echte Vergebung

Ein schlichtes „Tut mir leid!“  –  hätte nicht genügt. Das war mir klar. Aber dass das sogar wissenschaftlich bewiesen ist, das habe ich erst nach der Wiedersehensfeier gelesen: www.welt.de/gesundheit/psychologie/article154375065/So-entschuldigen-Sie-sich-richtig.html

Darin wird geschildert, dass Untersuchungen ergeben haben, dass zu einer Entschuldigung, bei der am Ende wirklich Verzeihen steht, sechs Komponenten gehören müssen:

  • sich verbal entschuldigen
  • erklären, was schief gelaufen ist
  • Verantwortung übernehmen
  • deutlich machen, dass man es heute anders machen würde
  • Schaden – wenn möglich – wieder gutmachen
  • um Vergebung bitten

Keine Angst das Gesicht zu verlieren!

Dann habe ich ja alles richtig gemacht mit meinen „Tyrannen-Altlasten“! Allerdings bleibt die Frage, ob ich das nicht schon ehr hätte angehen müssen!

Allgemeine Themen / 31. Oktober 2017

„Ich bin gleich mal da!“

Zeitnehmen für andere bedeutet Wertschätzung

„Sind auf dem Weg meinen Papa zum 80. Geburtstag im Urlaub überraschen!“

Diesen Post las ich neulich bei einer Facebook-Freundin. Sofort fiel mir ein, dass ich früher gern spontane Besuche gemacht habe. Auf meinen Touren quer durch die Republik (rund 120.000 Kilometer im Jahr), habe ich immer wieder bei Verwandten, Freunden, Wegbegleitern, Kunden und Lieferanten einen kurzen Stopp eingelegt.

Auch zu Netzwerk-Bekanntschaften aus XING und Facebook bin ich gefahren.

Natürlich habe ich vorher kurz angerufen! Manchmal haben wir nur ein paar Worte gewechselt und einen Kaffee getrunken. In den meisten Fällen ist die Überraschung gelungen! Im vergangenen Jahr ist das irgendwie in Vergessenheit geraten. Jetzt, wo mir das klar wird, bedauere ich das. Denn ich beobachte nach wie vor, dass gerade Führungskräfte wie ich im Grunde einsam sind. Umso größer die Verantwortung ist, desto mehr ziehen sich viele in ihr Schneckenhaus zurück!

Leere Versprechungen = Große Enttäuschung

Das kenn ich  selber nur zu gut: Ich fühle mich allein gelassen, wenn ich Probleme vor mir herschiebe. Sogar, wenn ich in Gesellschaft bin! Wenn ich anderen Unternehmern davon erzählen will, habe ich oft den Eindruck, dass sie gar kein Interesse daran haben mir zuzuhören.  Als ich vor einer großen Herausforderung stand, erinnerte ich mich daran, dass ein Bekannter gesagt hatte, dass ich rund um die Uhr anrufen könnte, wenn mir etwas auf den Herzen liegen würde.

Ich war so in Bedrängnis, dass ich an einem Freitagnachmittag seine Nummer wählte. Ich erreichte ihn, aber er bat mich abends nochmals anzurufen. Dafür hatte ich vollstes Verständnis.  Am Abend vertröstete er mich allerdings  auf Montag. Danach habe ich mich nicht mehr bei ihm gemeldet. Meine Enttäuschung war groß! Ich stehe auf dem Standpunkt: Wenn ich Hilfe anbiete, dann muss ich mir auch Zeit nehmen, wenn es soweit ist! Selbst dann, wenn ich viel um die Ohren habe.

Echtes Interesse = starke Ermutigung

Sich Zeit nehmen für andere: Das ist so unendlich wichtig und nicht mit Geld zu bezahlen! Es drückt Interesse und Wertschätzung für mein Gegenüber aus! Das macht Mut!  MUTMACHER brauchen wir in unserer Gesellschaft dringender denn je! So ein Mutmacher möchte ich sein und hoffe, dass viele sich einreihen und zu „Mutmachern“ werden. Deshalb poste ich bei Facebook regelmäßig Fotos von Frauen und Männern, die Mut machen!

Wenn ich mir Zeit nehme für anderen, dann hoffe ich natürlich, dass es Menschen gibt, die das auch für mich tun würden. Heute und  in Zukunft, wenn ich vielleicht  darauf angewiesen bin, dass vielbeschäftigte Menschen ihre Arbeit unterbrechen und mich anrufen oder besuchen kommen: im Krankenhaus oder irgendwann womöglich in einem Seniorenzentrum.

Spontane Besuche = tiefere Beziehungen

Mein Vorsatz steht fest:  Wenn ich unterwegs bin, werde wieder vermehrt spontane Besuche machen. Der „80.Geburtstags-Überraschungsbesuch-Kommentar“ bei Facebook hat mich aufs Neue motiviert!

Also wundern Sie sich nicht, wenn Sie demnächst einen Anruf von mir bekommen und ich frage: „Kann ich in einer Stunde mal vorbeischauen?“ Ich freu mich auf gute Begegnungen!

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