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Allgemeine Themen / 30. Oktober 2018

Endstation Suizid?

Früher waren es Finanzkrisen, die Unternehmer in den Suizid trieben, bald könnte es der Fachkräftemangel sein

Von Walter Stuber

Es war der „Schwarze Montag an der Wallstreet“ als am 15. September 2008 mit dem Zusammenbruch der Investmentbank „Lehmann Brothers“ die Finanzkrise ihren Höhepunkt erreichte und weltweit Kurse einbrechen ließ. Mit existenzraubenden Auswirkungen auch in Deutschland. Manche Insolvenz war die Folge und sogar renommierte Familienunternehmer bei uns fürchteten, dass das, was sie über Jahrzehnte aufgebaut hatten, plötzlich nicht mehr Bestand haben könnte.

Einer von ihnen war der schwäbische Milliardär Adolf Merckle. Er nahm sich deshalb am 5. Januar 2009 das Leben. Die Wirtschafswoche bezeichnete ihn als „prominentestes Opfer der Finanzkrise“ und wies darauf hin, dass Selbstmordgedanken in Führungsetagen keine Seltenheit wären. Das bekräftige Prof. Dr. Manfred Wolfersdorf, Neurologe und Suizidforscher. Ehrverlust, das Gefühl des persönlichen Versagens und eine Neigung zur Depression sind nur drei Gründe, warum Menschen, die auf den ersten Blick viel erreicht haben und Verantwortung übernommen haben, in Krisen keinen anderen Ausweg sehen als den Suizid.

Suizid – Die neue Gefahr

Die Finanzkrise ist überwunden. Wenn Unternehmer Geld brauchen, helfen die Banken. Besonders im Handwerk sind die Auftragsbücher übervoll. Und wenn sich das mal ändern sollte, gibt es vielfältige Möglichkeiten neue Kunden zu gewinnen. Alles könnte bestens seins!  Ist es aber nicht. Wir sind schon mitten drin in der nächsten handfesten Krise, die immer mehr Auswirkungen haben wird: Den Fachkräftemangel!

Ich kann mich informieren, an Seminaren, Kongressen teilnehmen, Fachbücher und Zeitschriften lesen, wie man qualifiziertes Personal findet – aber was, wenn keine von mir ergriffene Maßnahme anschlägt? Ich habe Aufträge, kann aber meine Kunden nicht bedienen, weil das Personal fehlt! Was für eine Katastrophe!

Chef ohne Mitarbeiter

Da ist zum Beispiel ein Unternehmer, der sich in der Gerüstbau-Branche am Anfang des Jahres selbstständig gemacht hat. Voller Elan ist er an die Arbeit gegangen. Nur ein paar Monate später ist er völlig frustriert. Zum einen zahlen die Auftraggeber nur schleppend, zum anderen ist kaum Fachpersonal für ein solides Wachstum zu bekommen.

Oder jetzt hörte ich von einem 10-Mann-Betrieb in Sachsen, in dem der Chef sich vorbildlich um seine Mitarbeiter gekümmert, ihnen Wertschätzung entgegen bringt, gute Bezahlung bietet und auch wenn es im Privaten klemmt, steht er helfend zur Seite. Plötzlich hat er fünf Kündigungen auf dem Tisch! Ein Headhunter hatte ihm  mal eben seine Fachkräfte abgeworben. Ob der Unternehmer mit 50 % weniger Personal seine Geschäfte weiterführen kann, ist noch unklar. So schnell bekommt er keinen Ersatz!

Enormer Druck

Wie sollen Arbeitgeber solchem enormen Druck standhalten, der zusätzlich zu dem ohnehin schon bestehenden Stress und der Verantwortung dazukommt?  Wie lange kann das gut gehen? Ich sehe die Gefahr, dass Unternehmer und Führungskräfte zukünftig noch mehr ausbrennen als bisher. In extremen Fällen könnte mancher, der nicht mehr weiter weiß, und seine Firma in der Sackgasse sieht, nur noch den Suizid als einzigen Ausweg sehen könnte. Das darf nicht passieren! Denn es gibt immer einen Plan B!

Als MUTMACHER liegt es mir auf dem Herzen, das deutlich zu machen und präventiv zu arbeiten. Wir als Unternehmer in Netzwerken, Vereinen und Verbänden sollten viel stärker aufeinander achten, füreinander das sein und Hilfe anbieten.

Meine Tipps für Unternehmer, die gerade in einer (Personal-)Krise stecken:

  • Wenden Sie sich mit Ihren Fragen und Nöten an die Handwerkskammer, IHK, Innungen und nutzen Sie Ihre geschäftlichen Netzwerke.
  • Nehmen Sie Hilfe von erfahrenen Beratern und Coaches in Anspruch, wie z.B. Steffen Becker in Dresden.
  • Holen Sie sich für eine bessere Sichtbarkeit Ihrer Firma bei potentiellen Mitarbeitern  einen PR-Profi an Bord.
  • Vergessen Sie nicht, sich selber im Blick zu haben! Sind Sie selber gerade über die Maßen belastet und auf dem besten Wege in den Burnout? Dann planen Sie regelmäßige Auszeiten ein,  z. B. ein verlängertes Wochenende.

Lassen Sie es sich gut gehen und versuchen Sie abzuschalten. Das funktioniert zum Beispiel bestens im SPA und Wellness Ressort  „Romantischer Winkel“ in Bad Sachsa. Hier gibt es sogar erfolgreiche Angebote für Menschen, die Burnout gefährdet sind.

  • Manchmal tut es auch gut, wenn man sich bewusst aus dem Geschäft herausnimmt und von „Außen“ alles betrachtet. Das gibt die Möglichkeit eine neue Perspektive für Ihre Unternehmen und neue Ideen zu bekommen.
  • Lernen Sie über das zu sprechen, was Sie in Bezug auf Ihr Unternehmen sorgt und bitten Sie um Hilfe. Fachleute wie der oben genannte Prof. Dr. Manfred Wolfersdorf raten dringend dazu, damit in der tiefen Krise der Selbstmord nicht als letzter Ausweg bleibt.
  • Denken Sie daran: Es gibt immer einen Plan B!

Aus dem Gerüstbauer-Leben / 7. August 2018

Quo Vadis: Handwerk in Deutschland?

Ohne neue Technologien und langfristige Nachfolge-Planung keine Zukunft für das Handwerk in Deutschland

Keiner soll sagen: Es kam überraschend! Dass der Fachkräftemangel uns einholen würde, war schon lange klar und auch, dass es noch heftiger werden wird,  als es bereits ist. Nämlich dann, wenn die Jahrgänge 1959 bis 1961 in Rente gehen. Man rechnet mit rund 600.000 Fachkräften, die dem Arbeitsmarkt (und auch dem Handwerk in Deutschland) dann nicht mehr zur Verfügung stehen werden.

Schon heute braucht  fast jeder Handwerksbetrieb neue Mitarbeiter. Im Moment variiert es zwischen ein und fünf. Bis zum Jahr 2025 werden es mindestens zehn freie Stellen sein, die zusätzlich besetzt werden müssen. Dazu kommt die Problematik, dass viele Unternehmer in Rente gehen werden und die Nachfolge nicht langfristig geregelt worden ist. Es ist zu befürchten, dass viele Betriebe dann schließen müssen. Die einen, weil sie keine Mitarbeiter mehr finden, die anderen, weil niemand Chef sein will.

Unternehmer schaffen ihr Lebenswerk selber ab

Das Dramatische: Viele klein- und mittelständische Unternehmer, deren Firmen ihr Lebenswerk sind, sorgen selber dafür, dass das, was sie mühevoll, mit viel Herzblut  jahrzehntelang aufgebaut haben, zugrunde geht. Viele Unternehmer schaffen ihr Lebenswerk aus diesen Gründen selber ab:

  1. Sie haben sich nicht mindestens 15 Jahre bevor sie in Rente gehen um einen Nachfolger bemüht.
  2. Sie geben zu wenig Geld aus für die Motivation des bestehenden Mitarbeiterteams.  Nur wenn das Team motiviert ist, werden auch neue Mitarbeiter von dem positiven Sog mitgerissen und ein Teil des Betriebes werden wollen.
  3. In 85 Prozent der Betriebe wird keine oder nur sehr wenig Öffentlichkeitsarbeit betrieben.
  4. Viele versäumen es, sich mit neuen Technologien oder Arbeitshilfen für Mitarbeiter auseinanderzusetzen und hier zu investieren.

Offenheit für neue technische Entwicklungen

In der Gerüstbaubranche tut sich gerade sehr viel in Blick auf neue Technologien. Es gibt Unternehmer-Kollegen, die setzten alle Hoffnungen auf ein Start-up in München, das sich auf Höhentransport spezialisiert hat um Personalkosten zu senken. Die Gerüstbaufirma www.spanier-wiedemann.de in Longuich/Mosel ist Vorreiter in Sachen Transporttechnologie. Daraus hat sich ein neues Unternehmen gegründet: www.scaffeye.de. Eine digitale Lösung zur zentralen Verwaltung von Gerüsten, bei der Arbeiten rechtssicher dokumentiert, verwaltet und geprüft werden.

Es ist noch gar nicht lange her, da wurden Hermann Spanier und seine Tochter Jeanette für ihre hochtechnischen Ideen in der Branche belächelt. Warum? Weil sich kein Gerüstbauer vorstellen konnte, dass Computerprogramme und Apps bei ihrem „Hand-Werk“ eine Rolle spielen könnten. Leider ist gerade bei uns Handwerkern vieles eingefahren und es dauert sehr lange, bis Neuerungen wahr- und dann auch noch angenommen werden.

Gemeinsam investieren

Ich bedauere es sehr, dass im Gerüstbau nicht mehr an einem Strang gezogen wird in Blick auf die Zukunftsfähigkeit unseres Handwerks. Wenn zum Beispiel die Bundesinnung des Gerüstbau-Handwerk  sich dafür stark machen würde, dass  jeder der rund 700 Mitgliedsbetriebe für die Entwicklung neuer Technologien, wie CAD-Programme und Roboter,  20 % des Jahresgewinns freiwillig in einen Technologietransfer geben würde,  könnten wir gelassen auf das Jahr 2025 zugehen und den extremen Fachkräftemangel dank technischer Unterstützung abfedern oder sogar ausgleichen.

Aber selbst, wenn die Innung das empfehlen würde, bin ich mir sicher, dass ein Großteil der Unternehmer nicht so viel Geld dafür einsetzen würde, weil ihnen diese Art von Weiterentwicklung fern ab der Realität zu sein scheint. Für meine Begriffe ist das viel zu kurz gedacht!

8 Tipps wie Sie Ihr Unternehmen zukunftsorientiert führen

  • Es ist nie zu früh über die Unternehmensnachfolge nachzudenken! Je eher Sie zielgerichtet jemanden suchen, desto sorgfältiger, harmonischer und in Ihrem Sinne kann die Übernahme erfolgen. Ihre Mitarbeiter werden es Ihnen danken, wenn sie wissen, dass es für sie weiter geht, auch wenn Sie aus Altersgründen nicht mehr die Fäden in der Hand halten.
  • Wenn Sie 45 plus sind, dann ist es höchste Zeit über Nachfolge nachzudenken!  Viele möge es kaum glauben, spätestens 10-15 Jahre vor Rentenbeginn sollten die Weichen gestellt werden.
  • Fokussieren Sie sich in Ihren Nachfolge-Plänen nie zu sehr auf Ihre Kinder. Akzeptieren Sie es, wenn Sie Ihr Lebenswerk nicht weiterführen wollen, weil ihre Herzen für ganz andere Dinge schlagen. Unternehmer sein ist aber Herzenssache. Deshalb: Seien Sie offen für viele andere Möglichkeiten.
  • Geben Sie auch einem Mitarbeiter die Chance Ihren Betrieb als Geschäftsführer zu übernehmen. Zum Beispiel durch die jährlichen Erhöhung der Anteile. Ihr Betrieb ist nur so gut wie Ihre Mitarbeiter!
  • Professionelle Hilfe in Sachen Unternehmensnachfolge bietet Manuel Hein mit www.olea-nachfolge.de
  • Der Satz „Das haben wir aber immer schon so gemacht!“ kann Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit verhindern. Deshalb seien Sie offen für technische Neuerungen und haben Sie den Mut diese in Ihrem Unternehmen einzusetzen, wenn sie für Ihre Mitarbeiter hilfreich und entlastend sind.
  • Nutzen Sie einen Teil Ihres Jahresgewinns dazu in neue Technologien zu investieren. Idealerweise suchen Sie sich Partner. Gemeinsam kann man viel mehr bewirken.
  • Nutzen Sie die Öffentlichkeit. Wählen Sie ungewöhnliche Wege. Egal ob es um Unternehmensnachfolge geht oder die Suche nach Fachkräften. Falls das für Sie ein ungewohnter Weg ist und Sie damit keine Erfahrungen haben, kann ich Ihnen gerne Empfehlungen weitergeben. Schreiben Sie mir einfach eine Mail.

Allgemeine Themen / 24. Juli 2018

Gesucht: Qualifizierte Mitarbeiter im Gerüstbau

Der Fachkräftemangel trifft uns hart

Von Walter Stuber

Kinospots, Pizza-Kartons, Plakatwände und leerstehende Schaufenster – wir nutzen jede Möglichkeit und sind kreativ, wenn es darum geht neue qualifizierte Mitarbeiter für unser Unternehmen zu finden. Wir rühren die Werbetrommel in den sozialen Medien. Die BILD-Zeitung berichtete über unsere Suche und MDR-Sachsenradio interviewte meinen Kompagnon Dirk Eckart  dazu. Hier können Sie sich das Interview anhören.

https://soundcloud.com/sla-50649882/dirk-eckart-bei-mdr-sachsen-10juli-2018?utm_source=soundcloud&utm_campaign=share&utm_medium=facebook

Wir wissen, dass die Zeiten von gewöhnlichen Stellenanzeigen vorbei sind. Man muss sich als Arbeitgeber schon was einfallen lassen, um gutes Personal zu gewinnen. Auch hier werden wir gerne unserem Ruf gerecht, „verrückt“ zu sein. Wir sind stolz darauf, dass wir unseren Mitarbeitern einiges bieten können: Wunschlohn, diverse Zulagen und Zuschüsse, Weiterbildungsmöglichkeiten, um nur ein paar Vorteile zu nennen. Trotzdem kommen die Bewerbungen nur spärlich. Wir fragen uns, warum sich Gerüstbauer nicht so zahlreich um eine feste Anstellung bewerben, wie noch vor fünfzehn Jahren.

Ursachenforschung

Unter den 161.000 Arbeitssuchenden in Sachsen (Stand Juli 2018) müsste doch auch der ein oder andere Gerüstbauer oder Helfer sein. Die müssten doch unsere Werbung sehen! Wir sind selbstverständlich an Arbeitskräften aus ganz Deutschland interessiert. Kommen die nicht wegen der Lage unseres Unternehmens? Roßwein liegt in einer ländlichen Region in Mittelsachsen.

Wie schön es hier ist, wollen wir mit einem Imagefilm, der gerade gedreht wird, zukünftigen Arbeitnehmern vor Augen führen. Mit dem Auto ist man in rund 35 Minuten in Chemnitz, Leipzig oder Dresden. Dort haben sich erfolgreich große Unternehmen angesiedelt wie Infineon, Porsche und BMW. Sie werben mit guten Gehältern, kurzen Arbeitszeiten und attraktiven Sozialleistungen.

Herausfordender Job

Auch bei uns kann man, wie schon erwähnt, gutes Geld verdienen und bekommt beste Sozialleistungen. Aber die Arbeit eines Gerüstbauers ist natürlich etwas ganz anderes als z.B. in einer Fabrik am Band zu stehen. Da muss man auch bereit sein, auf Montage zu fahren, muss heben und schleppen.

Das will und kann natürlich nicht jeder. Bekommen wir deshalb so wenige Bewerbungen? Vermutlich gibt es nicht die eine Antwort auf die Frage: Woran liegt es? Wichtig ist, dass wir nicht aufgeben, weitersuchen und unser Unternehmen so führen, dass alle gerne bei uns arbeiten. Um das immer wieder zu optimieren, besuche ich Seminare und Fortbildungen.

Mitarbeiter fallen von heute auf morgen aus

Dass wir Mitte des Jahres 2018 so händeringend nach Gerüstbauern suchen, konnten wir im Januar nicht ahnen. Aber manchmal geht so etwas ganz schnell. Plötzlich fielen vier sehr gute, langjährige Mitarbeiter aufgrund von Bandscheiben-Problemen oder Änderungen der persönlichen Lebensumstände von heute auf morgen aus.

Das schmeißt alle sorgfältigen Planungen um, denn die Aufträge sind ja da und müssen zuverlässig und in der vereinbarten Zeit ausgeführt werden.

Rezept gegen den Personalengpass

Gerne würde ich Ihnen jetzt ein Erfolgsrezept präsentieren, wie man aus solch einem Personalengpass heraus kommt. Leider kann ich damit nicht dienen. Aber ich schildere einfach mal, was wir als Gemeinhardt Gerüstbau Service GmbH tun:

  • Wir setzen weiterhin auf ungewöhnliche Methoden im Bereich der Werbung, um neue Mitarbeiter zu gewinnen.
  • Wir versuchen über persönliche Kontakte an neue qualifizierte Mitarbeiter zu kommen.
  • Wir wertschätzen und pflegen unseren sehr guten Personalstamm mit den langjährigen Gerüstbauern, die teilweise schon ihre Ausbildung bei uns im Unternehmen gemacht haben oder, die durch uns eine Weiterbildung zum Gerüstbauer oder Gerüstbau-Kolonnenführer absolvieren konnten. Denn nur zufriedene Mitarbeiter sind bereit im Notfall mehr zu tun als ursprünglich vereinbart (selbstverständlich gegen ordentliche Bezahlung).
  • Wir besuchen Fortbildungen, wie man neue, qualifizierte Mitarbeiter gewinnen kann. Jörg Mosler ist in diesem Bereich der Fachmann fürs Handwerk.

Ich hoffe, ich kann Ihnen in nächster Zeit mitteilen, dass wir durch unsere Werbemaßnahmen und alle anderen Aktivitäten aus unserem personellen Engpass heraus gekommen sind! Vielleicht empfehlen Sie uns ja auch als Arbeitgeber weiter?