Alle Beiträge von Walter Stuber

Allgemeine Themen / 29. November 2017

4 Tipps zum Umgang mit harter Kritik

Vom Choleriker zum Mutmacher

„Sie sind entlassen!“ Noch vor ein paar Jahren kam mir dieser Satz schnell über die Lippen!  Manchmal reichte es, dass ein Mitarbeiter und ich unterschiedlicher Meinung waren. Überhaupt: Kritik an mir und meiner Arbeit war überhaupt nicht erwünscht. Wenn es jemand wagte mich zu kritisieren, konnte ich sehr laut und  sauer werden. Meine Ideen mussten sofort umgesetzt werden und  bitte genauso wie ich es wollte. Kurzum: Als Chef war ich ein Tyrann!

Gott sei Dank gehört das der Vergangenheit an. Heute ist es mir wichtig für unsere Mitarbeiter, Kunden und im privaten Bereich ein Ermutiger zu sein. Der Weg hierher war voller dramatischer Ereignisse: ein tödlicher Arbeitsunfall;  ein Kalkulationsfehler mit schweren Folgen und eine Erkrankung, die eine schwere Operation zur Folge hatte, deren Ausgang ungewiss war. Die Ärzte bereiteten mich darauf vor, dass ich danach im Rollstuhl sitzen würde.

Auszeit bringt Einsicht

Die ungewollte Auszeit im Krankenhaus war der Anfang meiner Veränderung. Mir wurde klar, wie einsam ich war, dass ich vieles nicht geregelt hatte. Was würde nach dem Tod kommen? Diese Frage beschäftigte mich stark. Damals entdeckte ich meinen christlichen Glauben wieder, der mir neue Perspektiven für Tod und Leben bescherte. Auch in Bezug auf den wertschätzenden Umgang mit meiner Familie, Freunden, Mitarbeitern und Kunden.

Meine Einstellung zu meinem „Chefsein“ hat sich komplett verändert. Jetzt bin ich dankbar, dass ich Aufgaben abgeben kann,  nicht mehr ständig alles und jeden kontrollieren muss. Dadurch bin ich viel entspannter. Das bestätigen meine langjährigen Mitarbeiter. Sie brauchen keine Angst mehr haben vor dem cholerischen Chef und arbeiten gern in unserem Unternehmen.

Andere Einschätzungen  zulassen und ernst nehmen

An die „alten Zeiten“ wurde ich erinnert, als ich diesen Aufruf zur „Blogparade“ las: http://www.unternehmercoach.com/blog/einladung-zur-blogparade-2017 . Im Mittelpunkt sollen Blog-Beiträge stehen rund um die Frage, wie man als Unternehmer und Selbständiger auf harte Kritik reagiert.

Früher habe ich Kritisches zu meinen Ideen und Ansichten nicht geduldet. Und heute?

Ich gebe es zu: Kritik höre ich nach wie vor nicht gerne. Wenn ich Entscheidungen treffe, habe ich mir viele Gedanken gemacht und bin absolut davon überzeugt, das Richtige zu tun. Wenn das jemand nicht nachvollziehen kann oder einen ganz anderen Standpunkt hat als ich, gefällt mir das zunächst überhaupt nicht.

In den meisten Fällen schaffe ich trotzdem nicht mehr impulsiv und knallhart darauf zu reagieren. Ich lasse das Gehörte erstmal auf mich wirken und schlafe am besten eine Nacht darüber.

Nicht spontan reagieren

Am nächsten Tag kann ich alles viel besser, nüchterner beurteilen.

Dann entscheide ich, ob ich die Kritik annehme und daraus konstruktives Neues entsteht oder ob alles so bleibt, wie ich es geplant habe. Ich musste mich von dem Gedanken freimachen, dass Kritiker mich auf jeden Fall ärgern, verunsichern oder mir gar schaden wollen. Bei manchem mag das so sein. Die meisten meinen es gut und wollen die Firma weiterbringen mit ihren Anmerkungen.

Es klappt aber nicht immer mit der Besonnenheit: Je nach (Streß-)Situation kommt hin und wieder mein altes Naturell durch und ich lasse ein paar unangemessene Worte los oder ich reagiere falsch auf die Einschätzung meines Gesprächspartners, die konträr zu meiner ist. Meist wird mir das im Nachhinein bewusst. Dann lasse ich es auf jeden Fall nicht so stehen. Ich habe gelernt mich bei meinem Gegenüber zu entschuldigen! Die Reaktionen darauf waren in den meisten Fällen sehr positiv und eine gute Zusammenarbeit war wieder möglich.

Meine Empfehlungen für den Alltag:

  • Bleiben Sie gelassen, „verdauen“ Sie das, was gesagt wurde und erbitten Sie sich Zeit, um zu prüfen, was an der Bewertung dran ist und wie Sie damit umgehen wollen.
  • Kritik tut weh – ist aber nicht in jedem Fall zu Ihrem Schaden! Manchmal ist es hilfreich auf andere Sichtweisen hingewiesen zu werden.
  • Nehmen Sie nicht alles persönlich!  Bewahren Sie sich eine „professionelle Distanz“.
  • Wenn Sie impulsiv reagieren und dabei verletzende Worte wählen, dann entschuldigen Sie sich dafür. „Entschuldigung“ ist kein Zeichen von Schwäche, sondern der Aufrichtigkeit, die wiederum ist Grundlage für ein gutes Miteinander.

Kunden / 28. November 2017

3 Faktoren , die mich erfolgreich machen

von Walter Stuber

„Erfolg besteht darin, dass man genau die Fähigkeiten hat, die im Moment gefragt sind.“  

Der Automobilhersteller Henry Ford hat diesen Satz geprägt. Damit hat er Ende des 19.Jahrhunderts eine Frage beantwortet, die noch heute viele Menschen bewegt: Was macht mich erfolgreich? Welche Faktoren zählen? Ist es wirklich nur dieses „Zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein“?

 Andere betonen, dass z.B. Talent, Beziehungen, Geld oder eine solide Hochschul-Ausbildung der Schlüssel zum Erfolg sind. Wäre letzteres ausschlaggebend, hätten Marc Zuckerberg, Steve Jobs und Bill Gates überhaupt keine Chance gehabt erfolgreich zu werden. Alle drei sind ohne Uni-Abschluss an die Spitze gekommen!

Schlechte Startbedingungen

Hier sehe ich eine Parallele zu meinem Leben: Schule war für mich schrecklich. Lernen einfach das Letzte. Abi? Abgeschlossenes Studium? Fehlanzeige! Trotzdem leite ich heute zusammen mit meinem Mitgesellschafter ein erfolgreiches Spezialgerüstbau-Unternehmen.

 Wie konnte das funktionieren? Ich bin mir sicher, dass es nicht die ultimative Checkliste gibt, was man mitbringen oder können muss, um Erfolg zu haben. Denn jeder Mensch ist ein Original und bringt individuelle Fähigkeiten und Begabungen mit, die es gilt zu entdecken, zu fördern und einzusetzen um die Dinge im Leben zu erreichen, die einem am Herzen liegen.

Worauf es ankommt

Dass mein Erfolg nicht auf meine gute Schulbildung zurückzuführen ist, liegt auf der Hand. Aber ich habe ein paar Eigenschaften in die Wiege gelegt bekommen,  die mir geholfen haben, nicht aufzugeben und Dinge zu erreichen, die mir mancher nicht zugetraut hätte.  

 Zum Beispiel: Disziplin, das ist mein erster Erfolgsfaktor.

Wenn ich mir etwas vorgenommen habe, dann ziehe ich es auch durch. Das mag auf andere manchmal etwas befremdlich wirken, vielleicht sogar verbissen. Aber es ist meine Art die Dinge anzugehen. Das gilt für Berufliches genauso wie für Privates. Ich erinnere mich, dass ich aus gesundheitlichen Gründen abnehmen musste. Das habe ich eisern durchgezogen.

Einmal entschieden, bleibt es dabei

Eng mit der Disziplin verbunden ist mein zweiter Erfolgsfaktor: Konsequenz.

Ich lasse mich nicht abbringen von einem Plan, weil ich im Vorfeld intensiv das Für und Wieder durchgegangen und von meinem Entschluss überzeugt bin. Da können alle um mich herum dagegen reden. Ich bleibe bei meiner Entscheidung. Selbst auf die Gefahr hin, dass ich scheitere! Und natürlich habe ich auch das erlebt! Aber in den meisten Fällen hat mir ein Misserfolg letztendlich sogar noch mehr gebracht, als wenn mein Vorhaben geklappt hätte.

 Der alte Spruch „Aus Fehlern wird man klug!“ ist mehr als eine Binsenweisheit!  Fehler machen, sie einsehen und dazu stehen: Das stärkt den Charakter und ist hilfreich in jedem Business. Das zeichnet übrigens eine gute Führungskraft aus! Wichtig ist, dass ich auch anderen zugestehe Fehler zu machen.

Inspiration für Neues

Der dritte Faktor, warum ich trotz schlechter Startbedingungen erfolgreich sein kann, sind meine unendlich vielen Ideen.

Ich gebe es zu: Manchmal sind sie ziemlich verrückt! Viele Anregungen bekomme ich durch das Lesen unterschiedlichster Bücher. Eines meiner Ideen-Geber-Bücher ist schon uralt: Die Bibel ist meine Schatzkiste voller innovativer Gedanken!

 Auch Fachbücher gehören zu meiner Lektüre. Manche habe ich als Buch und eBook, weil ich je nach Situation an unterschiedlichen Orten darin lesen will: Zuhause oder  auf Dienstreisen. Ich nutze auch kleine Pausen oder Zeiten zwischen Terminen, sogar das „im Stau stehen“ um zwischendurch mal ein paar Seiten zu lesen.

Kaum zu glauben, dass ich bis zu meinem 27.Lebensjahr überhaupt kein Buch in die Hand genommen habe!

Schon als Kind effektvoll kreativ

Wenn ich es genau bedenke, war ich auch ohne das Lesen schon voller Ideen. Als Kind hatte so manchen Blödsinn im Kopf. Ich war bekannt für meine Streiche! Ein Beispiel: Wir Dorfkinder haben liebend gerne die Kirschbäume der Nachbarn geplündert, wollten aber nicht erwischt werden. Deshalb habe ich mir etwas Besonderes ausgedacht. Damals war es noch möglich Karbid frei zu kaufen. Das habe ich heimlich besorgt.

 Spätabends haben sind wir in der Nähe der Grundstücke der Kirschbaumbesitzer geschlichen. In der entgegen gesetzten Richtung des Kirschbaums den auserkoren hatte.  Dann habe ich in einer Dose Karbid gezündet. Der Lärm schreckte den Besitzer auf und er lief natürlich  in die Richtung wo das Getöse her kam. In der Zeit kletterten wir schnell in den Baum und konnten uns über die leckeren Früchte hermachen! Eine verrückte, im Nachhinein auch gefährliche Idee. Aber sie war schon sehr effektiv!

Ungewöhnliche Ideen umsetzen: Das papierlose Büro

Heute sind meine Ideen teilweise immer noch ungewöhnlich (aber nie gefährlich! J): Wie zum Beispiel die Einführung von Wunschlohn, Weihnachtskarten im Spätsommer verschicken oder das „papierlose“ Büro. Es hat zwar eine Zeit gedauert bis ich alle im Betrieb davon überzeugt hatte. Aber wir haben es fast geschafft. Die meisten Vorgänge, Rechnungen, Baupläne, usw. sind  heute abgespeichert.

Wenn sich einer unserer Mitarbeiter nicht ganz vom Papier verabschieden möchte, darf er oder sie EINEN Ordner behalten. Mehr nicht!

Momentan sind wir dabei die letzten Akten nach den Vorgaben des Finanzamtes auszusortieren und alle Unterlagen, die älter als 10 Jahre sind, aus unserem Archiv herauszunehmen. Jetzt warten wir nur darauf, dass unser Finanzamt den Steuerbescheid auch online verschickt!

Trotz Begeisterung: Risiken im Blick haben

Ich bin stolz, dass wir meine Idee vom papierlosen Büro verwirklichen konnten. Denn das Ganze hat mehrere Effekte:

  • Wir verbrauchen  rund 200.000 Blatt Paper pro Jahr, das spart nicht nur Kosten, sondern ist unser Beitrag zum Umweltschutz!
  • Alle Vorgänge sind einfach per Schlagwortabfrage zu finden! Akten wälzen und suchen entfällt,  Arbeitszeit wird besser genutzt.
  • Den Platz, den die Aktenregale eingenommen haben, können wir viel besser anderweitig nutzen!

Natürlich bringt so eine Umstellung auch Gefahren mit sich, die man nicht unterschätzen darf. Stichwort: Datensicherheit und Computercrash!  Wir haben vorgesorgt und speichern alles mehrmals auf unterschiedlichen Server. Außerdem haben wir von Fachleuten durchspielen lassen, was im Falle eines Zusammenbruchs des Systems passiert und wie schnell wir wieder handlungsfähig sind. Das Ergebnis: Alles im grünen Bereich. Wir sind bestens abgesichert.

Mein Erfolgstipp für Sie

Die Umsetzung des papierlosen Büros in der Gemeinhardt Gerüstbau Service GmbH ist nur ein Beispiel dafür, wie eine meiner Ideen, die von manchem Mitarbeiter anfänglich sehr kritisch beäugt wurde, heute den Arbeitsalltag leichter macht. Aber nur durch meine Disziplin und Konsequenz ist daraus ein Erfolg geworden.

Ich mache Ihnen Mut: Finden Sie Ihre ganz persönlichen Erfolgsfaktoren!

Sei es durch eigene Reflexion oder professionelles Coaching.

Und dann: Handeln Sie dementsprechend! Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!

 

 

 

Kunden / 21. November 2017

Geld, Cash und Moneten?

Warum Gewinn für mich nicht nur an schwarze Zahlen abzulesen ist

von Walter Stuber

Das Jahr geht zu Ende. Zeit für einen Rückblick. In der Baubranche ist alles recht gut gelaufen. Nicht selten höre ich von Unternehmerkollegen: „Da hast du ja sicher viel Gewinn gemacht!“ und meinen, damit, dass es sich für uns finanziell gelohnt hat.

Gewinn bedeutet für mich allerdings viel mehr als „nur“  ein gefülltes Konto.

Ich verbinde damit z.B. die Zufriedenheit unserer Kunden. Wenn unsere Gerüste auf den Baustellen gute Dienste getan haben und die, die damit gearbeitet haben ihre Aufträge gut, sicher und schnell ausführen konnten, dann ist auch das ein großer Gewinn für uns als Unternehmen.

Nehmen wir ein Spezialgerüste, das wir in einer Produktionshalle aufgebaut haben, deren Decke bei laufendem Betrieb saniert werden muss. Wenn die Mitarbeiter, die an der Produktionsstraße arbeiten, also direkt unterhalb des Gerüsts, im Nachhinein sagen, dass sie so gut wie nichts von der Sanierung mitbekommen haben, dann macht uns das als Geschäftsführer froh und glücklich und ich kann es als „Gewinn“ verbuchen, der nicht in den Büchern zu finden ist.

Gewinnbringende Mitarbeiter

Ein gutes Jahr war es für uns, wenn unsere Bank, Lieferanten, Krankenkasse und das Finanzamt  pünktlich ihre Gelder überwiesen bekommen haben und es keine oder nur ganz wenige Arbeits- und Wegeunfälle gab. Unsere Mitarbeiter sind auch ein großer Gewinn für uns. Denn ohne sie können wir nicht gewinnbringend arbeiten. Es gehört zu unserer Unternehmenskultur, dass wir auf unterschiedlichste Weise unserem Team Wertschätzung zeigen und dass sich jeder im Betrieb wohlfühlt. Unser eingespieltes Team, das die Philosophie unseres Unternehmens genau kennt und lebt,  ist die Basis unseres Erfolgs und Gewinns. Deshalb sind wir dankbar, wenn es keine Fluktuation gibt.

Ich bin mir sicher, wenn wir langfristig unsere guten Mitarbeiter halten wollen und noch weitere A-Mitarbeiter, wie Unternehmer und Berater Jörg Knoblauch www.joerg-knoblauch.de/personal/ das gerne formuliert, dazu bekommen wollen, müssen wir als Chefs transparent werden. Das bedeutet, dass wir alle mit hineinnehmen in die Planungen. Dass wir gerne und immer wieder erklären, warum wir etwas verändern, anstatt es einfach den Leuten vorzusetzen.

Wertschätzende offene Kommunikation

Das ist ein Punkt an dem wir als Geschäftsführer noch kräftig arbeiten müssen. Wir haben herausgefunden, dass die meisten (guten) Mitarbeiter unser Unternehmen nicht verlassen, weil sie unzufrieden sind, zu wenig Lohn oder Anerkennung bekommen. Knackpunkt ist sehr oft das mangelnde Gespräch und die schlechten Absprachen mit den Kollegen und – leider auch – uns Chefs.

Aber die gute Nachricht ist: Wir haben das erkannt und können jetzt daran arbeiten! Seminare und Schulungen zum Thema Kommunikation sind hilfreich für alle in unserem Betrieb.

Ich kann allen Unternehmern nur raten: Investieren Sie zuerst in Ihre Mitarbeiter, in die Weiterbildung im Bereich der Kommunikation und nicht in Technik oder etwas, wo Sie meinen, dass Sie damit mehr Gewinn erzielen können. Eine wertschätzende Atmosphäre in der man offen miteinander reden kann, ist so viel mehr wert als ein paar Eure mehr Ertrag.

Kunden-und Mitarbeiterzufriedenheit

Anfangs habe ich geschrieben, dass ich den Begriff „Gewinn“ nicht unbedingt mit einem gefüllten Konto verbinde. Das heißt nicht, dass finanzielle Gewinne für mich unwichtig wären oder ich mich nicht darüber freuen würde. Es ist doch klar: Jede Firma braucht Gewinne und Rücklagen!

Allerdings wollen wir darüber nicht die Menschen aus den Augen verlieren, die mit uns zusammen Gewinne erzielen! Bei uns geht es nicht in erster Linie um Gewinn-Optimierung. Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit  sind Dinge, die in Bilanzen leider keine Rolle spielen und doch  unendlich wichtig sind, um ein Unternehmen mit „Gewinn“ zu führen.

 

 

 

Allgemeine Themen / 14. November 2017

Goldsucher, Gläubige und „Germans“

Mein besonderer Sonntagsmorgen in San Francisco

Meine erste Informationsquelle, wenn ich mich auf den Aufenthalt in fremden Städten oder Ländern vorbereite ist das Internet und die Suchmaschine „Google“. Die habe ich auch im Vorfeld unserer Reise nach Kalifornien/ USA bemüht. Allerdings bekam ich diesmal die wertvollsten Tipps nicht hier, sondern über unterschiedliche Facebook-Gruppen unter dem Stichwort: „German in San Francisco“. Davon gibt es erstaunlicherweise mindestens zehn!

Sonntags wollte ich gerne eine Kirche besuchen, deshalb stellte ich die Frage nach einem deutschsprachigen Gottesdienst in eine der Gruppen ein. Zugegeben: Ich hatte nicht viel Hoffnung auf eine positive Antwort. Umso erstaunter war ich, als  innerhalb kürzester Zeit die Nachricht ankam, dass Pfarrerin Kerstin Weidmann http://evangelisch-sfbayarea.org/Weidmann.php sonntags um 11 Uhr in der St. Matthäuskirche in der Nähe der Dolores Street auf Deutsch predigen würde.

Eine ungewöhnliche Kirche

Am Sonntag, dem 24.Sepetember 2017 bestellten meine Frau und ich uns einen Wagen über www.uber.com  und ließen uns zu dieser Kirche an der 16.Straße fahren. Gegen das gegenüberliegende, gewaltige weiße Bauwerk der San Francisco Mission wirkte die St. Matthews Lutheran Church eher schlicht. Die Holzkirche schien uns auf den ersten Blick etwas in die Jahre gekommen zu sein.

Beim Eintreten waren wir überrascht: Da standen Tische und Stühle. Es sah alles gar nicht nach Kirche aus, eher wie ein Gemeinderaum.  Wir dachten schon, wir seien falsch. Da entdeckten wir, dass der eigentliche Kirchenraum sich im ersten Stock befand.

Ein Ort mit Tradition

Hier oben fielen uns sofort die farbigen Bleiglasfenster auf. Wie wir später erfuhren, waren die zur Einweihung vor fast 110 Jahren gestiftet worden und aus Deutschland hierher verschifft worden. Die Fenster gaben dem Raum eine besondere Atmosphäre: hell, freundlich und friedlich!

Ein Kirchenchor und  Orgelklänge bereicherten den Gottesdienst musikalisch. Die rund 40 Besucher hörten aufmerksam zu,  als Pfarrerin Kerstin Weidmann in der Predigt von ihrer Deutschland-Reise auf den Spuren von Martin Luther berichtete. Sie spannte im 500. Jubiläumsjahr der Reformation (www.luther2017.de) einen schöner Bogen von Deutschland  nach Kalifornien, in die lutherische Gemeinde!

Ein Stück alte Heimat

Im Anschluss an den Gottesdienst wurden alle eingeladen bei Kaffee und Kuchen zusammenzubleiben. Dieses Angebot nahmen wir gerne an. Es ergaben sich interessante, lehrreiche Gespräche. Unter anderem haben wir etwas über die Geschichte dieser schönen Kirche mitten in San Francisco erfahren, die ihre Existenz den vielen deutschen Auswanderern verdankt, die im 19.Jahrhundert aufgrund des Goldrausches hier kamen und ihr Glück gesucht habe.

Heute gibt es hier in direkter Nachbarschaft zur Kirche nur noch wenige Deutsche. Das Gotteshaus ist trotzdem für viele ein Ort mit Tradition auf das sie nicht verzichten möchten. Gerade für die Älteren bedeutet es ein Stück alte Heimat.

Mein Fazit: Der Besuch in St. Matthäus war für mich in jeder Hinsicht eine große Bereicherung!

Eine anschauliche Reportage des Deutschlandfunk Kultur über deutschsprachige Gemeinde in San Francisco finden Sie hier: http://www.deutschlandfunkkultur.de/kirchengemeinde-in-san-francisco-die-deutschen-erben-der.1278.de.html?dram:article_id=359687