Alle Beiträge von Walter Stuber

Allgemeine Themen / 27. März 2018

Warum zahlt der Opa nicht?

Von Walter Stuber

„Hilfe für Josefine“ – das ist die Facebook-Seite auf der meine Enkelin im Mittelpunkt steht, denn sie braucht vielfache Unterstützung. Josefine ist mehrfachbehindert. Sie hatte als Baby eine Hirnhautentzündung, die ihr stark zugesetzt hat. Danach bekam sie Epilepsie. Außerdem konnte sie dadurch viele Bewegungsabläufe nicht erlernen. Heute als Siebenjährige hat sie sehr viel nachzuholen.

Dabei soll ihr die „Doman-Therapie“ helfen, die weltweit sehr erfolgreich bei hirngeschädigten Kindern wie Josefine angewendet wird. Mein Sohn Ingolf  und meine Schwiegertochter Janine wollen diese Möglichkeit für ihre Tochter nutzen. Einziger großer Haken: Die Krankenkasse finanziert die Behandlung nicht! Das bedeutet die komplette Summe muss selber aufgebracht  werden. Wir reden von rund 200.000 Euro! Anfang des Jahres hat die Familie beschlossen in die Öffentlichkeit zu gehen und um Spenden zu bitten. Dafür wird die Facebook-Seite genutzt.

Harte finanzielle Realität

Die Wenigsten sagen es laut, aber ich weiß, dass so mancher es zumindest schon gedacht hat: „Da ist der Opa ein erfolgreicher Unternehmer und er kann nicht die Therapie für seine Enkelin finanzieren?“. Die Frage ist durchaus berechtigt!  Es kommt natürlich darauf an, wie man „erfolgreich“ definiert: Ob an der Sichtbarkeit des Unternehmens oder am Gewinn. Ja, wir sind erfolgreich mit unserm Spezialgerüstbau-Unternehmen! Aber wir haben auch eine bewegte Firmengeschichte mit Hochs und Tiefs! 2001 haben Dirk Eckart und ich den Betrieb übernommehttps://www.spezialgeruestbau,den. 2010 erlebten wir dann die „fast“ Pleite.

Sozusagen „Fünf vor zwölf“ haben wir das benötigte Geld von unserem befreundeten Lieferanten Friedhelm Wagner bekommen, damit wir wiederum weitere Kredite von der Sparkasse Döbeln und der Sächsischen Aufbau Bank eingeräumt bekamen. Das hatte Konsequenzen: Wir beiden Gesellschafter mussten für die Rettung unseres Unternehmens  unsere gesamten privaten Spar- und Rentenrücklagen in das Unternehmen einlegen. Das bedeutete, dass meine Altersabsicherung, die ich bis zum 40.Lebensjahr aufgebaut hatte, plötzlich für die Katz war. Außerdem wurden unsere Geschäftsführergehälter drastisch gekürzt.

Im Geld schwimmen – Fehlanzeige!

Wir führen ein erfolgreiches Unternehmen! Daran besteht kein Zweifel! Aber die (finanziellen) Konsequenzen von 2010 haben noch heute Auswirkungen. Im Klartext: Trotz guter Bilanzen: Privat schwimmen wir nicht im Geld. Leider. Wie gerne würde ich mal eben „aus der Portokasse“ die Therapie finanzieren, damit meine Vision wahr wird und Josefine im Jahr 2030 fließend spricht und ohne Hilfsmittel gehen kann!

Ja, ich muss zugeben: Ich schäme mich, bin traurig darüber, dass ich „nur“ 50 Euro  im Monat für sie geben kann. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich, bevor die Therapie konkret wurde,  anderen Werken und Institutionen wie Rotary, der Förderschule, Christen in der Wirtschaft und ERF Medien jeweils eine Summe pro Monat für eine bestimmte Zeit zugesagt hatte. Danach werde ich die 20% von meinem Lohn, die ich grundsätzlich von meinem Lohn spende, nur noch für Josefines Therapie einsetzen. Jetzt wissen Sie, warum ich als Geschäftsführer einer erfolgreichen Firma nicht mal eben die Therapiekosten für meine Enkelin übernehmen kann, auch wenn ich noch so gerne täte. Aber ich habe aus den ganzen finanziellen Herausforderungen gelernt!

3 Tipps für Selbstständige

Ich rate Ihnen als selbstständiger Unternehmer:

  • Legen Sie Ihre Rentenbeträge so an, dass Ihre Bank  und  Sie selber im Extremfall nicht darauf zugreifen können. Denn es kann immer wieder mal vorkommen, dass Ihr Unternehmen in Schieflage kommt, sodass Sie als Chef oder Chefin sich eigentlich verpflichtet fühlen, an das private Vermögen heranzugehen. Aber, wie sich bei mir gezeigt hat, ist das nicht unbedingt sinnvoll in Blick auf die Finanzen im Alter!
  • Denken Sie daran: Vielleicht brauchen Sie irgendwann auch einmal finanzielle Unterstützung!  Warum nicht also einem anderen befreundeten Unternehmer mal unter die Arme greifen, wenn es einem selber gerade finanziell gut geht?!
  • Seien Sie immer großzügig mit Spenden. Wer gibt, gewinnt!

 Mehr unter www.josefine-stuber.de 

Gastbeitrag / 20. März 2018

Das große Geschenk der Freiheit

Ein Gastbeitrag von Kerstin Schilling

Mehr als 28 Jahre ist es her, dass die Berliner Mauer fiel. Am 5.Februar 2018 wurde der „Zirkeltag“ gefeiert. Das heißt, seitdem ist die Mauer länger aus Deutschland verschwunden als dass sie „Ost“ und „West“ getrennt hat. Noch immer empfinde ich eine große Dankbarkeit für die Freiheit, die aus diesem Ereignis entstanden ist. Seitdem habe ich z.B. Zugang zu allen gewünschten Informationen und ich kann mein Glück völlig selbstbestimmt suchen!

Heute ist das in Deutschland selbstverständlich. Aber es gibt noch viele Länder auf der Welt, in denen die Machthaber das immer noch verhindern. Dort kann nicht jeder das Internet nutzen und wenn, dann ist der Zugriff nur auf bestimmte Seiten möglich. Freiheit ist ein hohes Gut. Das will ich nicht vergessen!

Die Wende als glückliche Wendung

Daher meine Dankbarkeit, aber auch weil ich als DDR-Bürgerin auch anderes erlebt habe. Wie es ist, wenn man nicht in „das System“ passt, wurde mir besonders deutlich, als ich mein Mathematik und Physik-Studium abgeschlossen hatte, eine Referentenstelle in der Technischen Hochschule hatte und mein erstes Kind auf die Welt kam. Wie üblich, sollte es schnell in die Krippe gehen, damit ich wieder arbeiten konnte. Es stellte sich leider schnell heraus, dass unsere Tochter die Krippe in keiner Weise akzeptierte. Mit dem Ergebnis, dass sie zu Hause bleiben musste – und ich natürlich auch! Völlig ungewöhnlich für damalige DDR-Verhältnisse. Schnell kam unser zweites Kind.

Wie es für mich arbeitsmäßig weitergehen würde, musste ich zum Glück nicht mehr überlegen: Durch die Wende boten sich viel bessere Möglichkeiten für die Kinder als zuvor, sodass ich beruflich wieder durchstarten konnte. Zunächst arbeitete ich bei der Friedrich-Ebert-Stiftung, danach für die Leipziger Messe. Dann wechselte ich zum E-Commerce Software-Anbieter Intershop. Dort habe ich u.a. große Events in den USA organisiert. Hier  wurde mir ganz neu bewusst, dass ich Deutsche bin, Europäerin, genauer gesagt: Dass ich von Herzen gerne Sächsin bin!

Eigene Agentur

Als ich 2003 eine eigene Agentur gründete, war klar, dass sich meine Liebe zu meiner Heimat  im Namen widerspiegeln sollte. So kam es zu „Eastsidestory“. Leider war der Name schon anderweitig belegt, sodass ich nach einer Abmahnung nochmal umdisponieren musste. „Bestsidestory“ ist für mich dennoch nicht „zweite Wahl“. Damit verbinde ich den Gedanken, dass der Osten, die beste Seite ist!

Vom Online Marketing über den Bestellprozess bis zum Versand inklusive passender Werbemittel bieten wir unseren Kunden alles aus einer Hand www.bestsidestory.de Dabei nutzen wir Magento, die weltweit am schnellsten wachsende E-Commerce-Plattform mit über 200 Solution-Partnern, 250.000 weltweiten Händlern und Marken und  einer Vielzahl von Industriepartnern, die Anwendungen und Exentsions entwickeln, die wir für unsere Kunden nutzen können.

Spezialisten für Online-Shops

Persönliche und individuelle Beratung und Betreuung sind für mich und  meine 16 Mitarbeiter das A und O. Online-Shops müssen genau auf den Kunden zugeschnitten und kurzfristig profitabel sein. Unser Schwerpunkt liegt bei klein- und mittelständischen Unternehmern, die ihre Produkte selber vertreiben wollen, wie zum Beispiel ostdeutsche Winzer.

Aufgrund der Steillagen der Weinberge sind die Mengen, die hier produziert werden nicht groß genug um über den Einzelhandel zu vertreiben. Hier hat sich der Online-Vertrieb als beste Verkaufsmöglichkeit herauskristallisiert. Denn Bestellungen per Telefon sind nicht nur zeitintensiv sondern auch fehleranfällig. Klaus Zimmerling in Pillnitz  www.weingut-zimmerling.de ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich so ein Winzer-Shop erfolgreich präsentieren kann.

Voneinander profitieren

Durch meine Arbeit vernetze ich ständig Menschen miteinander. Eine besondere Form des Netzwerks habe ich vor einem Jahr entdeckt: Business Network International (BNI). Dabei wollte ich erst gar nicht zu dem Frühstückstreffen gehen. Ich hatte ähnliche Veranstaltungen kennengelernt, die mir und meinem Business nichts gebracht haben. Eigentlich bin ich nur aus nostalgischen Gründen der Einladung nach Markkleeberg  gefolgt, denn in diesem Städtchen wurde ich geboren und ich war schon lange nicht mehr dort.

Schnell wurde mir klar: Das ist hier keine gemütliche Quatsch-Runde (obwohl ich mich sofort wohl fühlte)! Die rund 40 Unternehmer wollten konkrete Abschlüsse und effektive Vernetzung.  Das war für meine Agentur ein Gewinn! Auch ich persönlich profitiere von diesen rund anderthalb Stunden einmal in der Woche: Es tut mir gut mit Menschen zusammen zu sein, die wissen, was es bedeutet Verantwortung für ein Unternehmen zu tragen. Mittlerweile bin ich Schatzmeisterin im Chapter Via Regia in Leipzig.

Auftanken für den Alltag

Genau wie mittwochs um 6.45 Uhr der Termin für das BNI-Frühstück gesetzt ist, so ist der Sonntagmorgen für mich für den Gottesdienstbesuch reserviert. Das ist für mich mehr ist als ein liebgewonnenes Ritual. Hier erlebe ich Ruhe, kann durchatmen, höre anregende Predigten und bringe meine geschäftlichen und persönlichen Dinge vor Gott. Das erdet mich, gibt mir einen neuen Blick. Ich kann nämlich nicht alles in meinem Leben selber bestimmen. Es gibt eine höhere Instanz. Für mich ist das Gott.

„Es geht durch unsere Hände, kommt aber her von Gott.“. Dieser Satz des Liederdichters Matthias Claudius  bringt das für mich auf den Punkt. Im Kehrvers desselben Liedes  heißt es dann: „Alle Gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn, drum dankt ihm (….) und hofft auf ihn.“ Da ist sie wieder: Die Dankbarkeit! Sie prägt mein Leben!

 

Allgemeine Themen / 13. März 2018

Der Hauptgewinn

Von Walter Stuber

Glück haben! Wer will das nicht? Es gibt die verschiedensten Definitionen, was Glück ist. Und alle sind vermutlich irgendwie richtig! Denn jeder empfindet etwas anderes als „Glück“. Ich habe schon öfters in meinem Leben Glück gehabt. Wenn sich zum Beispiel privat oder beruflich etwas Unerwartetes ergeben hat. Manchmal waren die Glücks-Momente eher unscheinbar und fielen mir erst im Nachhinein auf, als ich darüber nachgedacht habe. Bei anderen Gelegenheiten war sofort klar: Das ist Glück!

Wie beim letzten Gänse-Essen des Rotary Clubs Torgau-Oschatz. Wie in jedem Jahr kaufte ich bei dieser Benefizveranstaltung 10 Lose für 10 Euro. Dabei ging es mir gar nicht darum, einen attraktiven Preis zu ergattern. Obwohl meinerseits nichts gegen einen guten Gänsebraten oder Kissen und Decken von Familie Eskedisen https://www.eskildsen.de/de/zu-gast einzuwenden gewesen wäre. Vom Hauptpreis, eine Woche Urlaub im Traum-Ferienhaus „Kleine Flucht“ auf Rügen, gar nicht zu reden. Aber meine Frau und ich hatten bisher nie besonders viel Glück bei solchen Gelegenheiten. Mal eine Endzahl im Lotto oder 40 Euro beim PS-Sparen. Das war es dann auch schon. Außerdem ging es mir weniger um das Gewinnen, ich wollte die Projekte des Rotary Clubs unterstützen.
Unverhofft kommt oft!
Umso erstaunter war ich, als unsere Losnummer die Woche Urlaub auf Rügen zugesprochen bekam! Der Hauptpreis! An uns! Wir hatten doch sonst kein Glück bei so etwas! Und jetzt gleich eine Woche in einem Traumhaus! Unser Los hatte tatsächlich gewonnen! Wir konnten es kaum fassen!

Für uns stand sofort fest, dass wir diese Woche in den Winterferien mit unserer Tochter und ihren beiden Kindern (5 und 8 Jahre alt) dort verbringen wollten! Es muss ja nicht immer Sommer an der Ostsee sein. Auch der Winter hat seine schönen Seiten. Außerdem versprachen die Bilder auf der Homepage www.ostseetraumhaus.de nicht nur eine wunderschöne Gegend, sondern auch ein sehr gut ausgestattetes Haus, wo man es sich gemütlich machen konnte, auch wenn es draußen kalt war.
Ankommen und wohlfühlen
Im Februar fuhren wir hin. Wir stellten schnell fest: Der Begriff „Traumhaus“ war nicht übertrieben! Drei Schlafzimmer, zwei Bäder, Sauna, ein großer Wohn/Essbereich, die Küche mit allem, was man braucht, Waschmaschine, Strandkorb, Außengrill, eine große Terrasse mit gemütlichen Liegen. Dafür waren die Temperaturen jetzt zwar nicht geeignet. Aber insgesamt zeigte sich das Wetter von seiner besten Seite in dieser Jahreszeit und wir konnten auch die traumhafte Lage, 50 m vom Rügenschen Bodden, genießen.

Wir stellten schnell fest: Das Fischerdorf Neuendorf, wo das Traumhaus steht, ist idealer Ausgangspunkt für Ausflüge in die Umgebung. Die Städte Göhren, Sellin, Binz, Stralsund, Bergen/Rügen und Sassnitz sind sozusagen „gleich um die Ecke“. Aber auch für Kinder gibt es viele interessante Angebote, sodass es auch ihnen nicht langweilig wird, wie die Gartenbahn im Eispalast Bergen oder das Erlebnis-Dorfzirkow www.karls.de/zirkow.html

Urlaub mit den Enkeln ist zwar ganz anders als wenn ich mit meiner Frau alleine ein Häuschen miete. Und ich gebe es zu: Teilweise war es auch eine Herausforderung für mich, wie ich es in diesem Blog geschildert habe LINK ZUM BLOG:   https://walter-stuber.de/2018-02/100-herausforderung ‎

Rügen – eine Reise wert

Trotzdem kann ich im Nachhinein sagen:

Was ein Glück, dass wir Glück hatten und diese Woche Urlaub im Haus unseres Rotary Freundes Klaus-Peter Wöhlermann gewonnen haben! Ich bin sehr dankbar für diese Tage mit der Familie in herrlicher Umgebung. Rügen ist wirklich eine Reise wert!

Falls Sie dort oder irgendwo auf Rügen mal Urlaub machen wollen, hier noch ein paar von uns erprobte Ausflugstipps:

https://www.reiseland-ruegen.de/ruegen-sehenswuerdigkeiten/jagdschloss-granitz/

https://www.reiseland-ruegen.de/ruegen-sehenswuerdigkeiten/seebruecke-sellin/

https://www.reiseland-ruegen.de/ruegen-sehenswuerdigkeiten/rasender-roland/

 

Mitarbeiter / 2. März 2018

Mehr als ein oberflächliches „Es tut mir leid!“

Warum ich als Chef um Vergebung gebeten habe

Kaum hatte ich eine Idee formuliert, musste sie unverzüglich vom Team umgesetzt werden. Wenn nicht, bekam ich einen meiner gefürchteten Wutanfälle. So war ich früher. Nichts worauf ich stolz sein könnte. Eher beschämend und traurig. Aber es gehört zu meiner Biografie: Als Chef war ich ein Tyrann.

Warum und wie ich zur Einsicht gekommen bin, dass es so nicht weitergehen kann, habe ich hier bereits beschrieben. Auch in unserem Buch „Mutmacher- Das Praxishandbuch von zwei verrückten Unternehmern“ www.neufeld-verlag.de/de/mutmacher.html berichte ich in Kapitel 5 von meiner Veränderung.

Vergangenheit ruhen lassen oder Verantwortung übernehmen?

Gott sei Dank (im wahrsten Sinne des Wortes) liegt diese Zeit hinter mir und den Menschen, mit denen ich tagtäglich zu tun habe. „Dann ist ja jetzt alles gut!“ Könnte man meinen. Aber immer wieder nagten Fragen an mir: Reicht es, dass ich mich verändert habe und jetzt besser mit meinen Mitmenschen umgehe oder muss da noch was kommen? Nach langem Überlegen wurde mir klar, dass ich mich bei denen entschuldigen muss, die Opfer meiner Tyrannei geworden sind.

Das klingt dramatisch. Ich habe ja niemanden körperliche Gewalt angetan. Aber verletzt habe ich dennoch mit meinen Worten und den knallharten Entscheidungen. Ich bin sicher, dass ich mit so mancher (ungerechtfertigter) Kündigung dafür gesorgt habe, dass es in den betroffenen Familien gekriselt hat, weil der Druck, den ich gegen die Mitarbeiter aufgebaut habe, zuhause weitergegeben wurde und dass dadurch Beziehungen auf die Probe gestellt oder gar zerstört wurden. So mancher ist sogar aus unserer Region weggezogen, weil er sich so geschämt hat, dass er seine Arbeit verloren hat. Die Verantwortung  dafür liegt eindeutig bei mir.

Ungewöhnliche Idee: Wiedersehensfeier

Es tut mir heute unendlich leid, was ich alles mit meinem Jähzorn angerichtet habe. Ende des letzten Jahres wurde mir klar: Du musst dich persönlich entschuldigen. Aber wie? Da kam die Idee eine „Wiedersehensfeier“ für ehemalige Mitarbeiter dazu zu nutzen.

Im Dezember 2017 sollte die Feier stattfinden. Um die Einladungen verschicken zu können, mussten wir teilweise recherchieren um die aktuellen Adressen der alten Kollegen herauszufinden. Schockiert war ich, als ich dabei erfuhr, dass ein junger Ehemaliger schon gestorben war! Dank noch vorhandener Kontakte und Facebook haben wir schließlich 150 Einladungen an Mitarbeiter, die seit der Gründung der Gemeinhardt Gerüstbaus Service GmbH 2001 bei uns waren, verschicken können.

Reinen Tisch machen

Ich gebe zu: Bei manchem Namen, der auf der Liste stand,  musste ich mehr schlucken als bei anderen. Erinnerungen kamen hoch, die für mich sehr unangenehm waren. Aber ich hatte mich entschieden „reinen Tisch“ zu machen, da gehörten solche Gefühle dazu.

Rückblickend bin ich sehr dankbar, dass ich diesen schwierigen, vielleicht auch ungewöhnlichen Weg gegangen bin. 16 ehemalige Mitarbeiter sind der Einladung gefolgt. Es wurde ein wunderbarer Abend der Versöhnung! Ich konnte damit zwar nicht mein Fehlverhalten ungeschehen machen, aber ich konnte deutlich machen, dass ich es bereue und die Verantwortung dafür übernehme. Dass ich mich verändert haben, wurde ja sowieso klar. Am Ende habe ich alle um Vergebung gebeten. Sie werden es kaum glauben: Wir sind als Freunde auseinander gegangen! Für mich eine große Erleichterung.

6 Voraussetzungen für echte Vergebung

Ein schlichtes „Tut mir leid!“  –  hätte nicht genügt. Das war mir klar. Aber dass das sogar wissenschaftlich bewiesen ist, das habe ich erst nach der Wiedersehensfeier gelesen: www.welt.de/gesundheit/psychologie/article154375065/So-entschuldigen-Sie-sich-richtig.html

Darin wird geschildert, dass Untersuchungen ergeben haben, dass zu einer Entschuldigung, bei der am Ende wirklich Verzeihen steht, sechs Komponenten gehören müssen:

  • sich verbal entschuldigen
  • erklären, was schief gelaufen ist
  • Verantwortung übernehmen
  • deutlich machen, dass man es heute anders machen würde
  • Schaden – wenn möglich – wieder gutmachen
  • um Vergebung bitten

Keine Angst das Gesicht zu verlieren!

Dann habe ich ja alles richtig gemacht mit meinen „Tyrannen-Altlasten“! Allerdings bleibt die Frage, ob ich das nicht schon ehr hätte angehen müssen!

Allgemeine Themen / 27. Februar 2018

100% Herausforderung!

von Walter Stuber

Familien-Winterurlaub an der Ostsee. Das hatten wir kurzfristig im Februar eingeschoben. Schöne Gegend, kalter Wind und viele Spaziergänge. Eigentlich wäre das Erholung pur für mich gewesen – aber mit  zwei Enkelkindern im Alter von fünf und acht Jahren, sah alles ganz anders aus. Es wurde ihnen immer ganz schnell langweilig! Das konnte dann für alle sehr unangenehm werden.

Mitten in so einer Situation, fielen mir Momente aus meiner Kindheit ein. Ich konnte das nämlich auch sehr gut: Nerven und Ärger machen! Ganz genau erinnere ich mich an eine Begebenheit als ich 10 Jahre alt war. Zusammen mit meinen Eltern war ich auf einem Ausflug mit den Landfrauen in Kufstein. Um die Mittagszeit hatte ich einen Riesenhunger. Wir saßen schon am Tisch in einer Gastwirtschaft. Alle um mich herum hatten schon ihr Essen serviert bekommen. Aber ausgerechnet meine Pommes wurde nicht gebracht! Ich wollte nicht mehr warten und habe richtig Rabatz gemacht! Meine Mutter sagte damals ganz ruhig zu mir: „Hoffentlich bekommst du diese Ungezogenheit hundertfach von deinen Kindern zurück!“

Vergangenheit und Gegenwart

An diesen bösen Satz habe ich jahrzehntelang nicht mehr gedacht. Die Trotzphasen bei unseren Kindern habe ich nämlich nicht miterlebt, denn als ich meine Frau Burgunda heiratete, waren sie schon 11, 12 und 15 Jahren. Bis dahin hatte meine Frau schon beste Erziehungsarbeit geleistet!  Aber jetzt, im Urlaub, mit den zwei Enkelkindern, hatte ich die Worte meiner Mutter wieder deutlich im Ohr. Hin und wieder dachte ich sogar, dass ich es jetzt nicht nur hundertfach, sondern sogar tausendfach zurückbekomme!

In unseren Familien-Urlaubstagen an der eiskalten Ostsee musste ich an die Flüchtlingstracks 1944/45 denken. Für Tausende ging es mit Karren über die zugefrorene See Richtung Westen. Sicher waren auch viele Kinder im Alter meiner Enkel dabei. Ob die damals wohl auch so aufgedreht waren? Hatten sie auch „keine Ohren“, also haben sie nicht auf das gehört, was man ihnen gesagt hat? Waren sie ebenfalls mit nichts zufrieden und kannten keine Dankbarkeit? Für mich steht fest: Mit solchen Einstellungen hätte niemand diese Zeit überlebt!

Was ist los mit der Generation Z?

Die Geburtenjahrgänge 2000 bis 2015 gehören zur sogenannten Generation Z  https://de.wikipedia.org/wiki/Generation_Z . Woran liegt es, dass die Erziehung dieser Kinder immer schwieriger zu werden scheint?

Wissenschaftler betonen, dass Kinder heute von Anfang mit der virtuellen Welt vertraut sind. Smartphones und Tablets sind schon für Kleinkinder völlig normal und gehören zu ihrem Alltag. Sie schauen damit  z.B. Videos oder hören Musik.

Vieles ist schnell zu haben, zu erreichen. Das alles beeinflusst die Entwicklung und den Lebensstil ungemein! Es heißt, diese Generation hätte auch ein starkes Selbstbewusstsein! Sind sie deshalb so quirlig und ohne Ruhe?

Vielleicht liegt aber auch vieles an uns, den Eltern oder Großeltern, die ja immer wollen, dass es ihren Kinder bzw. Enkeln einmal besser gehen soll, als ihnen selber. Gibt es deshalb weniger Grenzen und wird mehr erlaubt?

Tipps zur Entschleunigung

Ich mache mir wirklich Gedanken darüber, wie es mit den folgenden Generationen weitergehen kann! Was müssen wir heute schon ändern?

Nach dem turbulenten Enkelurlaub habe ich zumindest schon mal eine kleine Idee, was wir als Großeltern und Eltern für unsere (Enkel-)-Kinder tun können:

  • Gönnen wir der Generation Z (und uns) Ruhezeiten: Fernsehen und Internet bewusst für eine gewisse Zeit ausschalten! Warum nicht einfach mal „nur“ da sitzen und in die Gegend schauen? Auch Vorlesen, Geschichten von früher erzählen, malen oder basteln kann Ruhe bringen.
  • Gehen Sie mit den Kids raus! Entdecken Sie gemeinsam die Natur. Bewegung in der frischen Luft tut allen gut! Kindern, die unausgeglichen sind umso mehr!

Das sind kleine Alltagsauszeiten, die helfen können aus dem Hamsterrad herauszukommen. Allerdings kann es gut sein, dass die Kinder erst lernen müssen, ohne Handy, TV, Internet und Co auszukommen. Deshalb steigern Sie langsam die „Auszeiten“. Irgendwann werden sie dann selbstverständlich dazugehören.

Wichtig ist, dass wir Erwachsenen gute Vorbilder für die nächste Generation sind!