Allgemeine Themen

Allgemeine Themen / 12. Juli 2022

Behindert ist nicht gleich behindert?

Walter Stuber auf einem Behinderten Parkplatz

„Das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden.“ Diesen Rat gab der römische Dichters Horaz schon vor mehr als 2000 Jahren. Nach diesem Prinzip arbeite ich heute noch gerne, wie jetzt Ende Mai.  Am 29. hatte ich ein Arbeitsessen in Köln geplant. Zwei Tage später, am 31. Mai, waren mein Kompagnon Dirk Eckart und ich mit unseren Frauen ebenfalls in Köln zur Verleihung des Deutschen Baupreises 2022.

Den Tag zwischen den dienstlichen Terminen wollten meine Frau Burgunda und ich für eine Fahrradtour entlang des Rheins nach Bonn nutzen. Es war uns zu stressig im Berufsverkehr vom Hotel aus zu starten, deshalb wählten wir einen Park & Ride Parkplatz als Ausgangspunkt. Laut Information im Internet sollte der noch genügend Parkkapazitäten bereithalten. Als wir um 9 Uhr dort ankamen, wurden wir eines Besseren belehrt. Der Parkplatz war übervoll! Nach der zweiten Runde auf der Suche nach einer Parklücke, haben wir uns entschlossen, den letzten freien Behindertenparkplatz anzusteuern.

Kein Anrecht auf Parkausweis

Ich weiß, dass man hier nur parken darf, wenn man einen blauen Behindertenparkausweis besitzt. Den habe ich nicht, trotz meiner starken Gehbehinderung durch die Erbkrankheit HSP. Weitere Strecken zu Fuß schaffe ich nicht ohne meine Gehhilfen. Dass ich noch nicht im Rollstuhl sitze, habe ich meinem eisernen Willen zu verdanken. In meinem Behindertenausweis wird eine 90 prozentige Behinderung bescheinigt, mit dem Kennzeichen G.

Aber das interessiert die zuständige Behörde in Mittelsachsen, die für die Vergabe der Ausweise zuständig ist, leider überhaupt nicht. Auf mehrmaliges Nachfragen bekam ich hier immer die Antwort, dass ich, solange ich nicht im Rollstuhl sitzen würde, kein Anrecht auf die blaue Karte hätte. Mir kommt es so vor, dass behindert nicht gleich behindert ist.

Geltendes Recht und gefühltes Unrecht

Deshalb wollte ich es hier in Köln mal draufankommen lassen und legte meinen rotgrünen Behindertenausweis auf das Armaturenbrett. Gut sichtbar die 90 % Behinderung und das G, in der Hoffnung, dass die Kontrolleure gnädig sein würden. Als wir von unserer Fahrradtour zurückkamen, klemmte eine Verwarnung unter dem Scheibenwischer. Ich war erleichtert. Damit konnte ich leben. Aber zu früh gefreut. Zwei Wochen später kam der Bußgeldbescheid in Höhe von 55 Euro.
Ordnungswidrigkeitenanzeige
Das ärgerte mich total. Mit dem Geld hätte ich wirklich etwas Sinnvolleres machen können. Ich hätte doch besser nach einem anderen Parkplatz gesucht. Ich wusste doch genau, dass laut geltendem Recht, nur Fahrzeuge mit dem blauen Ausweis diesem Platz stehen dürfen. Den habe ich aus den genannten Gründen bisher nicht in Mittelsachsen genehmigt bekommen. Das finde ich wirklich ungerecht! Was Recht nach dem Gesetz ist, kann trotzdem persönlich als Unrecht empfunden werden. Vielleicht ändert sich die Sicht des Amtes ja doch irgendwann nochmal und ich bekomme den blauen Parkausweis. Ich gebe die Hoffnung nicht auf.

Wenn Sie auch schon erlebt haben, dass geltendes Recht für einen selber eher Unrecht ist, dann schreiben Sie einen Kommentar oder schicken Sie mir eine Mail.

Ganz Privat / 28. Juni 2022

Freundschaft will gepflegt werden

Von Walter Stuber

„Der erste Eindruck zählt.“ Ein altes deutsches Sprichwort. Ich habe gelernt, dass ich mit dem ersten Bild, das ich mir von jemanden mache, auch ganz schön daneben liegen kann. Wie im vergangenen Oktober. Ich war zusammen mit meiner Frau Burgunda unterwegs auf der Donau mit der MS Adora. Beim ersten Abendessen bekamen wir einen Tisch zugewiesen, an dem ein weiteres Ehepaar saß. Es war klar: Für die nächsten Tage würden wir uns regelmäßig sehen.

Ich hatte deshalb eine angeregte Unterhaltung erwartet. Aber nichts dergleichen.  „Das wird was werden!“, dachte ich und sagte es später auch zu meiner Frau in der Kabine. Es dauerte zwei Tage, dann tauten unsere Tischnachbarn doch noch auf. Wir sprachen, lachten miteinander und stellten fest, dass wir auf einer Wellenlänge waren. Als die Reise zu Ende war, waren aus Tischnachbarn Freunde geworden. Meine Frau und ich versprachen, dass wir Franzl und Erna in ihrer Pension in Kirchberg vorm Wald besuchen würden. Wie gut, dass ich es nicht beim ersten Eindruck belassen habe!

Franzl & Erna

Unser Besuch bei den neuen Freunden

Zu Ostern war es so weit. Wir hatten schon Wochen im Voraus im Gasthof und Pension Kirchenwirt Zacher  ein Zimmer gebucht. Ganz offiziell, ohne unseren Freunden vorher Bescheid zu geben. Wir wollten sie überraschen. Das hat nicht ganz geklappt. Ein paar Tage vor unserer Anreise hat Franzl unsere Namen auf der Gästeliste entdeckt. Das änderte nicht daran, dass die Freude über unser Kommen groß war.

Wir erlebten wunderschöne Tage im Bayerischen Wald. Von der Pension aus konnten wir tolle Ausflüge machen, z.B. in die Western Stadt Pullmann city, ins Musemsdorf , den Garten der Sinne und nach Saußbachklamm. Die Region hat wirklich viel zu bieten.

Wir kommen wieder

Franzl und seine Familie haben mit ihrem Gasthaus und Pension ein Urlaubsparadies geschaffen. Das gute Essen und die Fürsorge um ihre Gäste sind wirklich ausgezeichnet. Für Familien gibt es etwas ganz Besonderes: Einen Vierseit-Kinderbauernhof.

Nachdem wir den besichtigt hatten, war für uns klar, dass wir im nächsten Jahr mit unserer ganzen Familie hierherkommen werden. Darauf freue ich mich schon jetzt. Denn das bedeutet, auch dass wir unsere Freunde Franzl und Erna wiedersehen werden.

Zauber und Arbeit zugleich

“Freundschaft verzaubert, sie macht gute Zeiten noch besser und lässt uns die schlechten vergessen.Dieser Satz stammt von der irischen Schriftstellerin Maeve Binchy . Das haben wir erlebt. Freundschaft will gepflegt werden, sich auszutauschen und Zeit miteinander zu verbringen, gehört dazu. Das ist im Alltag nicht immer einfach.

Was sind Ihre Freundschafts-Pflege-Tipps?

Ich freue mich auf Ihren Kommentar unter dem Blog oder Ihre Mail.

Allgemeine Themen / 14. Juni 2022

Die Essenz der Heldenreise Leben

Carina El-Nomany

Gastartikel von Carina El-Nomany

» Wir sind nicht auf der Welt, um möglichst ohne größere Vorkommnisse durch das Leben zu gehen, sondern Erfahrungen zu machen, die unsere Seele wachsen und reifen lassen. «

Alberto Villoldo

Das Leben als eine Heldenreise zu betrachten, ist eine Sichtweise, mit der wir Menschen uns grundsätzlich gut fühlen, weil sie unserem Leben auch dann Bedeutung gibt, wenn vermeintlich „nicht viel los ist”.

Einige von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser1, unternehmen möglicherweise größte Anstrengungen, damit Ihr Leben eben ohne größere Vorkommnisse geschieht. Auch das genaue Gegenteil kann der Fall sein: Wir tun viel, damit wir uns und unserem Leben doch etwas Bedeutung geben.

Diejenigen unter Ihnen, die schon ein Stück Leben hinter sich haben, wissen, dass es unmöglich ist, den „Vorkommnissen” aus dem Weg zu gehen, und dass selbst das vermeintliche „Nichtgeschehen” Leben ist, mit dem Freude oder Schmerz verbunden sein kann.

Dieser Artikel richtet sich deshalb vorwiegend an Menschen, die persönlich auf der Suche nach wirkungsvollen Instrumenten zur Entwicklung und Heilung sind.

Ich arbeite in diesem Artikel mit der These, dass jedes Leben heldenhaft ist, auch wenn es manchmal auf den ersten Blick nicht so erscheint.

Jedes Leben ist heldenhaft.”

Dass die Sicht auf das Leben als Heldenreise eine sehr heilsame sein kann, das haben schon große Denker wie Joseph Campbell, Carl Gustav Jung und später Stephen Gilligan und Robert Dilts ebenso wie Paul Rebillot, Melissa Kay und Franz Mittermair festgestellt.

Bereits Campbell machte in seinem Buch „Der Heros in tausend Gestalten” deutlich, dass Menschen die Heldengeschichten in Mythen und Religionen immer schon brauchten, um Heilung zu erreichen, sei es individuell oder auch kollektiv, weil diese „nicht vom Gehirn entworfen, sondern vom Herzen erfahren werden”.

Ausgehend von diesem Gedanken haben insbesondere Gilligan und Dilts sowie Rebillot therapeutische Instrumente entwickelt, die analog den von Campbell aus Mythen und Religionsgeschichten herausgefilterten Mustern den Stationen einer Heldenreise entsprechen – vom „Ruf in das Abenteuer” bis zur späteren „Integration“ des Erlebten in das eigene Leben.

Ich selbst habe die Perspektive der Heldenreise erstmalig im Rahmen meiner schamanischen Ausbildung in der Lichtkörperschule von Alberto Villoldo kennengelernt. Die damalige Erfahrung war für mich persönlich so nachhaltig und heilsam, dass ich einen Weg gesucht habe, diesen doch eher spirituellen oder therapeutischen Ansatz in meine Arbeit als Business-Coach zu integrieren. Ich wollte möglichst einen ebenso intensiven Heileffekt erreichen und gleichzeitig meinen Coachees, die überwiegend aus dem Management kommen, eine Brücke bauen, über die sie leichter gehen können.

Ich betrachte das Leben jedes meiner Coachees als Heldenreise und berge mit ihm oder ihr die Essenz seiner bzw. ihrer Heldenreise Leben. Die Essenz, das sind die Geschenke des Lebens, die Lernerfahrungen, Prägungen, Verletzungen und die sich daraus ergebende, logische Bestimmung für den weiteren Weg.

Die Lebensgeschichte und die Essenz der Heldenreise Leben sind zwei unterschiedliche Dinge. Die Essenz ergibt sich aus der Lebensgeschichte und beschreibt die Transformation, die bereits dadurch erfolgt ist, dass der Mensch seine Erfahrungen gemacht hat.

Die Essenz der Heldenreise des Lebens ist damit ein Instrument zur Heilung seelischer Wunden – in der Selbstheilung, in einer Gruppe oder in Einzelarbeit mit einem Coach.

Die Essenz wirkt wie eine ganz individuelle Medizin.
Die regelmäßige Einnahme hilft, alte Wunden zu heilen!

Meine Erfahrung nach nun zehn Jahren Arbeit mit diesem Instrument zeigt, dass die Essenz wie eine ganz individuelle Medizin für den Klienten wirkt. Die Einnahme – das regelmäßige Lesen, Hören und Fühlen der eigenen Essenz – hilft, alte Wunden zu heilen und aus leidvollen Erfahrungen Ressourcen zu generieren. Sie hilft zu verstehen, warum und wozu möglicherweise etwas geschehen ist, und zeigt das wahrhaft Heldenhafte, manchmal das reine „Überleben“. Dies erfüllt den Empfänger mit Demut und Achtung vor dem Leben und seiner Selbst. Das ist ein kraftvoller Zustand!

Die Essenz der Heldenreise als Entwicklungsinstrument bietet die Möglichkeit, eine neue Perspektive auf das eigene Leben zu erhalten. Den größten Heileffekt hat die Helden-Perspektive sicher, wenn das eigene Leben bisher als Opfergeschichte betrachtet wurde und nun eine völlig neue Deutung erfolgt. Die möglichen Effekte sind so groß und der Aufwand ist dagegen so überschaubar (4 bis 7 Stunden), dass ich es von Herzen Wert fand, dieses Instrument mit Vielen zu teilen, damit Sie diese Arbeit mit sich selbst ebenso machen können, wie mit ihren Klienten.

Kernanliegen der Essenz der Heldenreise Leben

» Die „Lebensessenz“ der wichtigsten Erfahrungen wie einen Schatz zu heben, zu würdigen und daraufhin zu betrachten, welche Bestimmung sich aus diesem Potenzial und den „Geschenken“ des Lebens ergibt

» Tiefgehende Veränderung, Heilung und Ausrichtung in kurzer Zeit zu erlangen

Was Sie dafür brauchen?

Etwas Ruhe und Zeit (mindestens einen halben Tag – eher einen ganzen)

Neugier und die Bereitschaft, einmal anders auf Ihr Leben zu schauen und sich auf ungewöhnliche Fragen und Vorstellungen einzulassen

Vertrauen in Ihre Intuition

Mut zu fühlen

Ein schönes Notizbuch und einen Stift und/oder bunte Stifte und ein Zeichenblatt

Eine brennende Kerze (nur im Haus)

Ich gehe davon aus, dass Sie, liebe Leserin und lieber Leser, sowieso eher zu denen gehören, für die Selbstreflexion kein Fremdwort ist, und dass Sie darin geübt sind, sonst hätten Sie sich wohl kaum dafür entschieden, bis hierin zu lesen.

Wählen Sie für den Rückblick auf Ihr Leben ein ruhiges Plätzchen im Haus und zünden Sie eine Kerze an. Oder gehen Sie in die Natur. Wichtig ist, dass Sie an dem gewählten Ort nach Möglichkeit für einige Stunden ungestört bleiben können.

Zunächst geht es darum, Ihr Leben von Anfang an anzuschauen. Lassen Sie sich dabei von der unten formulierten Thesen und den daran anschließenden Fragen leiten.

Schreiben Sie das Wesentliche auf, ohne dass es gleich ein Roman werden muss.
Stellen Sie sich vor, Sie hätten mit Ihren Eltern schon vor Ihrer Geburt ein Seelenmeeting gehabt und sie hätten sich bei Ihnen beworben,
Ihre Eltern werden zu dürfen.

Was haben Ihnen Ihre Eltern versprochen? Welchen Beitrag zu Ihrer persönlichen Seelenentwicklung wollten Ihre Eltern leisten. Und bitte – entscheidend ist, dass sie für einen Moment die Perspektive einnehmen, als hätten Sie Ihre Eltern genau deshalb gewählt.

Zusammenfassender Überblick: Fragen zu Ihrer Heldenreise Leben

(Mit den fettgedruckten Zeilen auch als Meditation geeignet)

Suchen Sie sich einen ruhigen Platz, zünden Sie eine Kerze an, schließen Sie die Augen und atmen tief durch. Ein – aus – ein – aus – ein – aus. Mit jedem Einatmen atmen Sie das Leben ein, mit allem Ausatmen geht alles, was verbraucht und vergangen ist.

Spüren Sie Ihre Füße, fest auf dem Boden, mit der Erde verbunden, die Sie nährt und trägt.

Spüren Sie Ihre Beine, Ihren Po, Bauch, Brust, Ihre Arme, Nacken und Kopf.

Mit jedem Ausatmen entspannen Sie sich tiefer an Ihrem Platz.

Nun möchte ich Sie bitten, für einen Augenblick Ihre ganze Aufmerksamkeit und Freundlichkeit Ihrem Herzensraum zu widmen, dem Raum in der Mitte Ihrer Brust. Atmen Sie hier hinein dreimal. Ein – aus – ein – aus – ein – aus. Spüren Sie, wie mit jedem Atemzug Ihr Herzensraum weiter wird. Er wird sehr weit, bereit für den Blick auf Ihre Heldenreise Leben.


Ich möchte Sie nun einladen, sich auf Ihre Lebenswurzeln, Ihren Ruf ins Abenteuer zu besinnen. Gerade wenn der Eintritt in Ihre Heldenreise Leben möglicherweise „nicht so einfach war“, möchte ich Sie ermuntern, genau hinzuschauen und zunächst einmal alles zu benennen. Lassen Sie sich möglicherweise davon überraschen, wenn Sie sich Ihre Lebensgeschichte heute etwas anders erzählen, als vielleicht einige Male zuvor.

Wir betrachten als den Ruf ins Abenteuer den Moment, als Ihre Eltern Sie empfangen haben.

Was wissen Sie darüber? Was vermuten Sie, wie es war, als Ihre Eltern zusammenkamen, um Sie zu empfangen? War es lustvoll, freudig, hingebungsvoll, liebend, zärtlich, brutal, banal, …?

Lassen Sie sich einen Moment Zeit, um nachzuforschen, zu spüren.

Vertrauen Sie Ihren ersten Impulsen.

Nochmal: Es geht nicht darum, dass es genauso war, sondern darum, was in Ihrem Unbewussten dazu zu finden ist, denn das ist, was Ihr Leben prägt.

Wie haben Ihre Eltern Sie empfangen?


Stellen Sie sich vor, Sie hätten mit Ihren Eltern schon vor Ihrer Geburt ein Seelenmeeting gehabt und sie hätten sich bei Ihnen beworben, Ihre Eltern werden zu dürfen.

Sie hätten Ihre Eltern danach gefragt, welchen Beitrag sie leisten würden, um Ihre Seele zum Wachsen zu bringen, vor welche Herausforderungen sie Sie stellen würden und welche Bedeutung Sie für Ihre Eltern hätten. Und stellen Sie sich weiter vor, nachdem Sie sich für sie entschieden haben, hätten Sie sich gegenseitig etwas versprochen.

Und auf dieser Ebene, da wo eine Begegnung der Seelen stattfindet, gibt es nur Liebe. Alles wird aus Liebe vereinbart!“

Wem es schwerfällt, dieser Betrachtung zu folgen, dem empfehle ich vorab die Geschichte von Neal Donald Walsh: “Die kleine Seele spricht mit Gott” zu lesen.


Welche Antworten kommen Ihnen in den Sinn, wenn Sie in sich hineinhorchen und sich vorstellen, Sie hätten schon vor Ihrer Geburt eine Verabredung mit Ihren Eltern gehabt?


Es geht nicht darum, ob es wahr ist oder nicht, es geht darum, was Ihre innere Stimme intuitiv dazu sagt, es geht um Ihr inneres Wissen, darum, was gewesen wäre wenn … natürlich rückblickend, vor dem Hintergrund dessen, was Sie mit Ihren Eltern erlebt haben.


Lassen Sie sich jetzt für einen Moment auf die folgende Vorstellung ein, nicht mehr und nicht weniger. Wenn Sie sich nur für einen Augenblick auf den Gedanken einlassen, dass alles aus Liebe geschehen wäre …

Fühlen Sie, was Ihnen Ihre innere Stimme dazu sagt. Fühlen ist bereits ein wesentlicher Heilungsaspekt. Sollten Sie kühl, distanziert und nüchtern sein, dann nehmen Sie auch das nur wahr. Es gibt kein richtiges oder falsches Gefühl. Und Kühle, Distanz und Nüchternheit können ein guter Schutz sein. Ich weiß, wovon ich da spreche.

Für diejenigen unter Ihnen, für die das wie ein völlige Zumutung wirkt: Machen Sie hier eine kurze Pause und setzen Sie einfach mit der nächsten Frage fort. Es kann durchaus sein, dass die Zeit für diese Perspektive noch nicht reif ist, und dann ist das völlig in Ordnung.


Von diesem vorgeburtlichen Bild gehen wir weiter in Ihren Eintritt in das Leben. Die Schwangerschaft! Wie war Ihre Mutter schwanger mit Ihnen? Mit welchen Gedanken und Gefühlen hat sie Sie getragen? Mit welchen Gedanken und Gefühlen hat Ihr Vater Sie erwartet? Was hat das möglicherweise mit Ihnen gemacht, wie hat es Sie auf das Leben eingestimmt?


Waren schon Geschwister da? Wie „empfangsbereit“ waren diese für Sie? Mit welchen Gefühlen wurden Sie für dieses Leben erwartet? Und wenn Sie zu diesem Zeitpunkt schon bewusst hätten denken können, welche Ansage hätten Sie dem Leben, dem Ruf in das Abenteuer gemacht?


Wie war Ihre Geburt? Was wissen Sie darüber? Haben Sie sich leicht oder schwer getan ins Leben zu kommen, mussten Sie kämpfen? Gab es Komplikationen oder Besonderheiten?


Nachdem Sie nun dem Ruf des Lebens gefolgt sind, wie war das zu Anfang? Wer waren Ihre ersten Beschützer und Begleiter? Was waren Ihre ersten Schwellen und Kämpfe? Wer war möglicherweise nicht da, wer oder was hat gefehlt?


Wer waren weitere wichtige Reisegefährten und Beschützer in Ihrem Leben? Welche Schwellen mussten Sie überschreiten? Welche Kämpfe haben Sie gekämpft und welche Siege und Niederlagen davongetragen? Wer oder was sind die Drachen und Dämonen in Ihrem Leben?


Was waren für Sie wichtige Initiationen, Schwellen und Ereignisse in Ihrem Leben, nach denen es keine „Umkehr“ mehr gab?

Lassen Sie sich Zeit.


Atmen Sie nun wieder tief ein – aus – ein – aus – ein – aus. Mit jedem Einatmen atmen Sie das Leben ein, mit allem Ausatmen geht alles, was verbraucht und vergangen ist.

Kommen Sie nun in Ihrem eigenen Tempo ausgeruht und erfrischt hierher wieder zurück, spüren Sie die Füße auf dem Boden und dass Sie fest getragen sind.

Nehmen Sie nun Ihr Notizbuch zur Hand und schreiben Sie alles auf, was Sie gesehen, gehört und gefühlt haben. Sie beginnen mit dem „Seelenmeeting“ und Ihrem Ruf ins Abenteuer Leben.

Lassen Sie sich Zeit, schreiben Sie spontan und möglichst ohne Pause.

Wer mehr erfahren möchte empfehle ich das Buch „Die Essenz der Heldenreise Leben“ von Carina El-Nomany

Das nächste online Seminar für eine tiefe Transformation zur eigenen Heldenreise durch das Leben, findet vom 29. bis Juni bis 5 Juli statt. Weitere Informationen und Buchung hier:
www.indigenes -coaching.de

Carina El-Nomany

Über Carina El-Nomany

Carina El-Nomany ist Jg. 1966 und seit über 30 Jahren Change Management Beraterin und Trainerin für Führungskräfte und Coach.

2010 erhielt sie den Ruf zur Schamanin. Ihr initiatrischer Weg führte sie nach Utah (USA), Schweden, Deutschland und Peru. Lehrer wie Alberto Villoldo, Ralf Metzner, Brigitte Bilek, Kerstin Schmidt, Michael Hemme, Annette Lachmann, Juan Alvarez und Don Fransesco u.a. haben ihren Weg begleitet und geprägt.

Sie ist zudem Mutter von drei Söhnen und Autorin des Buches „Die Essenz der Heldenreise Leben“. Sie hat die Heldenessenz als Instrument zur Entwicklung von Persönlichkeit und Heilung entwickelt und über Jahre erprobt. Sie verbindet klassische Coachingansätze wie Neurolinguistisches Programmieren, professionelles Businesscoaching und Systemisches sowie sehr klassische Beratungsansätze mit schamanisch-rituellen Elementen. www.indigenes-coaching.de

Sie ist auch Geschäftsführerin Training und Coaching der Carina und Farid El-Nomany GbR Link zu www.elccon.com und führt gemeinsam mit ihrem Mann Farid seit Jahren erfolgreich das Beratungsunternehmen elccon

Ihre Überzeugung ist: “Wir sind nicht hier, um möglichst ohne große Vorkommnisse gemütlich durch das Leben zu kommen. Das Leben ist eine Heldenreise, die es zu meistern gilt, um an den Herausforderungen zu lernen und zu wachsen! Ich arbeite mit Feder und Flipchart und gehe als Business-Schamanin meinen eigenen Weg, der beide Welten verbindet. Das ist Teil meiner Heldenreise!”

1 Im gesamten Text sind selbstverständlich immer Frauen und Männer gleichermaßen in der Anrede gemeint. Der Einfachheit halber, verwende ich im Verlauf nur jeweils eine Anrede

Allgemeine Themen / 31. Mai 2022

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Mein Weg zum Harley-Trike

Dreißig Jahre lang habe ich davon geträumt mir ein Harley Trike zu kaufen. Erst fehlte das Geld. Dann hatte ich es und ich überlegte, ob es überhaupt Sinn macht mit meiner Behinderung und in meinem Alter. Ich wollte das Trike fahren auf jeden Fall mal ausprobieren und mietete für einen Tag ein Rewaco RF1 GT Trike.

Mit meiner Frau Burgunda fuhr ich durch Sachsen. Es war wunderschön. Danach siegte trotzdem die Vernunft. Ich entschied, dass nicht alles besitzen musste, was ich gerne hätte. In meinem Blog habe ich darüber berichtet. Für mich stand fest: Der Harley Trike Traum ist abgehakt.

Die alte Begeisterung flammt wieder auf

Dann sah ich bei barrierefrei1, einem YouTube-Kanal, ein Video Rollstuhl Trike Harley Davidson Motorrad Umbau über Ernst. Der Rollstuhlfahrer hat sich eine Harley Davidson behindertengerecht zum Trike umbauen lassen. In mir schlummerte wohl doch noch ein Funke Begeisterung für so ein Gefährt, der loderte jetzt wieder auf. Ich dachte: Wenn ein Umbau für einen Rollifahrer möglich ist, dann doch erst recht für jemanden wie mich, der durch eine Hereditäre Spastische Spinalparalysen (HSP)   eine Bewegungseinschränkung hat. 

Ich war Feuer und Flamme. Ich suchte nach einer Werkstatt, die die notwendigen Arbeiten durchführen konnte. Nach drei Wochen stieß ich auf Grund Handicaps in Bayern. Jetzt fehlte nur noch das passende Trike. Mein Mitgesellschafter Dirk Eckart www.dirk-eckart.de hatte in Erfahrung gebracht, dass bei Harley in Dresden  ein Gebrauchtes zum Verkauf stand.

Soll ich oder soll ich nicht?

Zusammen mit Dirk schaute ich mir die Maschine an. Bei der Gelegenheit probierte ich, ob ich allein aufsitzen und wieder absteigen konnte. Durch die Spastik kann ich meine Beine nicht so gut bewegen. Würde ich es schaffen, Bein und Fuß über den Tank zu schieben? Es war ein Kraftakt, aber es ging. Aus der Fußschaltung musste eine Handschaltung werden. Ob das bei diesem Modell möglich war, musste Grund Handicaps entscheiden. Von dort kam grünes Licht.

 

 

Harley Davidson Fussschaltung

Foto: Harley Davidson Fussschaltung

Harley Davidson umgebaut mit Handschaltung

Foto: Harley Davidson umgebaut mit Handschaltung

Vor mir stand also das Harley Trike von dem ich dreißig Jahre lang geträumt hatte! Sollte ich es kaufen? Die Entscheidung wollte ich nicht allein treffen. Deshalb fuhr ich mit meiner Burgunda zu einem weiteren Besichtigungstermin. Sie war sofort total begeistert von der Maschine. Wir überlegten: Konnten, wollten, sollten wir uns das leisten? Letztlich war ein Harley Trike auch eine gute Geldanlage.

Endlich ein Ja

Die Entscheidung haben wir dann nicht aus einem finanziellen Aspekt heraus getroffen. Wie oft hatte ich meinen Wunsch schon zur Seite geschoben: Aus finanziellen Gründen, aus Vernunft, Verantwortungsgefühl oder weil ich mich wegen meines Handicaps einfach nicht getraut habe. Jetzt war ich noch fit. Wie lange, das weiß keiner. Plötzlich war mir klar: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Ich unterschrieb den Kaufvertrag. Dann kamen die Zweifel, ob es die richtige Entscheidung war. Plötzlich waren alle Gründe, die gegen einen Kauf gesprochen haben, wieder präsent. Besonders die Frage, wie lange ich es gesundheitlich noch schaffen würde, das Trike zu fahren, hat mir zugesetzt. Dirk Eckart brachte die Maschine von Dresden nach Bayern, wo sie von Grund Handicap umgebaut wurde. Nun gab es kein Zurück mehr. Zu Ostern konnten wir unser Harley CVO Trike abholen.

Einfach mutig machen

Es fühlt sich gut und richtig an, damit zu fahren. Ich bin mir sicher: Träume müssen gelebt werden. Für mich ist es keine Option am Ende meines Lebens zurückzuschauen und dann festzustellen, dass meine Wünsche nie Realität geworden sind. Ja, es ist schon ein bisschen verrückt, dass ich mit 61 Jahren und meiner Behinderung jetzt mit meinem ersten Harley Trike herumfahre. Was andere sagen, interessiert mich nicht. Einfach machen! Das ist meine Devise.

Schieben Sie Ihre Träume nicht immer weg. Lassen Sie sich nicht sofort von der Meinung der Familie oder der Kollegen, der politischen Lage oder Ihren eigenen Zweifeln ausbremsen. Arbeiten Sie daran, dass Sie Ihre Wünsche verwirklichen können. Seien Sie mutig und genießen Sie es, wenn Sie Ihren Traum leben können! Es lohnt sich!

Allgemeine Themen / 17. Mai 2022

Auf Wiedersehen, Karl – oder Ein dankbarer Abschied

Von Walter Stuber   

Umschläge mit schwarzem Trauerflor. Ich werde den Eindruck nicht los, dass ich in das Alter gekommen bin, in dem vermehrt solche Post in meinem Briefkasten geworfen wird. Ich musste mich schon von einigen lieben Menschen verabschieden, die mich geprägt haben. Vor ein paar Wochen zum Beispiel von Karl Knobloch. 1977 haben wir uns bei der Firma Layher kennengelernt. Ich war Auszubildender und er arbeitete im technischen Büro. 

Ich denke gern daran zurück, dass Karl immer ein offenes Ohr für mich hatte. Wenn es Fragen zu einem Projekt gab, ist er mal eben bei mir zu Hause vorbeigekommen. „Das kriegen wir schon hin und machen einen Haken drunter!“, so oder so ähnlich waren seine Worte. Oder wir haben in seinem Wohnzimmer bei einem guten Glas Wein über Probleme an Baustellen gesprochen. Meistens redeten wir im Anschluss über ganz persönliche Angelegenheiten. Nie vergessen werde ich seine Lebensfreude, die fand ich immer ansteckend.

Beste Kompetenz und Kundenpflege

Als ich Geschäftsführer der Niederlassung der Gerüstbau Gemeinhardt GmbH in Roßwein wurde und später mit Dirk Eckart www.dirk-eckart.de unsere Gemeinhardt Service GmbH www.spezialgeruestbau.de auf die Beine stellte, blieben wir in Kontakt, denn unsere Gerüste und Statiken bezogen wir von den Besten der Branche: von der Firma Layher www.layher.com , wo Karl bis zu seiner Rente tätig war.

Als Spezialgerüstbauer habe ich an Karl geschätzt, dass er als Stahlbau-Ingenieur ein großes Fachwissen und viel Erfahrung hatte.  Mit ein paar gezielten Kontrollen konnte er sofort einschätzen, ob ein Gerüst sicher war oder nicht. Das habe ich immer bewundert. Er war ein Lieferant der alten Schule. Das heißt, ihm war klar, dass man sich gut um seine Kunden kümmern musste. Karls Sohn Volker ist beruflich in die Fußstapfen seines Vaters getreten und Ingenieur geworden. Von beiden haben wir uns 2010 für das Gerüstprojekt in Worms an der alten Rheinbrücke beraten lassen. An diese turbulenten Zeiten denke ich gerne zurück. 

Was in Erinnerung bleibt

Karl Knobloch war für mich nicht nur ein super Geschäftspartner, sondern auch ein echter Freund und Helfer. Ich bin unendlich dankbar, dass er mich immer wieder unerwartet angerufen hat. Jedes Mal fragte er mich, wie es mir gehen würde. Ich spürte, das war keine Floskel. Ich werde diese Anrufe und vor allem Karl sehr vermissen.

Die Beerdigung im April hat mir vor Augen geführt, was ich gerne verdränge: Auch mein Leben ist endlich. Irgendwann stehen Menschen an meinem Grab. An was sollen sie sich erinnern, wenn ich nicht mehr da bin? Es ist wichtig, eine Antwort auf diese Frage zu finden, denn sie hat Einfluss auf das, was ich jetzt tue – und lasse!