Allgemeine Themen

Allgemeine Themen / 5. Dezember 2017

Bedrohte Spezies: Unternehmer in Deutschland

Von Walter Stuber

51 – Das ist heute das Durchschnittsalter des deutschen Unternehmers. 1,3 Millionen Selbstständige sind 55 Jahre und älter. Es liegt auf der Hand: Sollen die Geschäfte  auch in Zukunft weiterlaufen, müssen Nachfolger gefunden werden. Aber woher nehmen? Längst ist es nicht mehr selbstverständlich, dass klein- und mittelständische Familien-Unternehmen von Sohn oder Tochter weitergeführt werden. Die Bereitschaft zur Selbstständigkeit ist aber auch allgemein eher gering. Als Grund dafür nennt Thomas Jakob, Firmenkundenberater bei der HypoVereinsbank, in einem Artikel der Frankfurter Neuen Presse http://www.fnp.de/nachrichten/wirtschaft/Ein-Nachfolger-fuer-die-Firma;art686,2764467 , dass junge Menschen heute mehr Wert legen auf geregelte Arbeitszeiten und eine Festanstellung.

Übernahmen von externen Managern oder Beteiligungsgesellschaften werden deshalb auch bei Familienbetrieben immer mehr in Betracht gezogen. Aber selbst das gestaltet sich schwierig. Das liegt nicht an den hohen Preisen, die zurzeit gefordert werden. Es fehlen schlicht und ergreifend Menschen, die sich auf das Abenteuer „Selbstständigkeit“ einlassen wollen. Welche Entscheidung auch immer getroffen wird in Blick auf eine Geschäftsübergabe: Der Bankexperte rät in jedem Fall zu einer frühzeitigen und strategischen Planung.

Firmenübergabe braucht gute Vorbereitung

Das sehe ich genauso! 10 Jahr bevor man aus der Firma aussteigen möchte, sollte man anfangen sich Gedanken zu machen, was und wie alles am Tag X weitergehen soll. Wenn ein Nachfolger aus der eigenen Familie kommt, dann sollte man sich von Anfang an klar darüber sein, dass er oder sie einiges anders machen wird als man selber und dass es große Fußstapfen sind, in die die Nachfolger dann treten müssen. Da muss jeder erstmal hineinwachsen.

Wie geht es mit der Gemeinhardt Gerüstbau Service GmbH weiter? Diese Frage beschäftigt meinen Mitgesellschafter Dirk Eckart und ich mich schon lange. Wir bereiten jetzt schon alles vor für den Tag, wenn wir aus dem operativen Geschäft aussteigen. Klar ist, dass mein Sohn Ingolf meinen Posten als Geschäftsführer übernehmen wird. Ob Dirk Eckarts Sohn das auch tun wird, steht noch nicht fest. Sein geplantes Studium geht zwar in die Richtung, aber das bedeutet noch nicht, dass er bei uns einsteigen wird. Das klärt sich in den nächsten Jahren.

Vertrauen als Grundlage

Mein Sohn hat nach reiflicher Überlegung ein volles „Ja“ dazu gefunden mein Nachfolger zu werden. Dazu gehört auch, dass er nochmals die Schulbank drückt um seinen Meisterbrief zu bekommen. Das theoretische Wissen ist sehr wichtig als Grundlage für seine Zukunft im Unternehmen. Noch wichtiger ist aber, dass ich ihm Vertrauen entgegen bringe.

Deshalb muss ich Stück für Stück Verantwortung an ihn abgeben. Das ist für mich ein Lernprozess. Ihn machen lassen, nicht mit „klugen Sprüchen“ oder ständigen Ratschlägen mich einmischen, sondern erst mal stillhalten, abwarten und – wenn es gewünscht ist – als Ratgeber zur Verfügung zu stehen.

Erfahrungen weitergeben

Wie mein Sohn Ingolf den Prozess der Übernahme erlebt, das beschreibt er in dem Buch „Mutmacher – Das Praxisbuch von zwei verrückten Unternehmern“

www.amazon.de/Mutmacher-Praxishandbuch-zwei-verrückten-Unternehmern/dp/394336240X/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1511945882&sr=8-1&keywords=mutmacher+eckart,

das am 18.Dezember 2017 auf den Markt kommt. (Vorbestellung jetzt schon möglich). Für Dirk Eckart und mich als Autoren geht mit diesem Buch ein Herzenswunsch in Erfüllung: Wir wollen unsere Erfahrungen als Unternehmer weitergeben und Mut machen Verantwortung zu übernehmen und ein Geschäft zu gründen. Dabei haben wir junge Leute genauso im Blick wie Frauen zwischen 45 und 50, die nach ihrer Familienzeit wieder durchstarten wollen und auch die Generation Ü60, die noch viel zu fit ist um sich auf das „Altenteil“ zu setzen, bekommt gute Anregungen auf den 160 Seiten.

Wir lassen auch andere Experten zu Wort kommen, wie z.B. den Nachfolge-Spezialist Manuel Hein www.olea-nachfolge.de, Marketing Experte www.hermannscherer.de, Personal-Vordenker www.joerg-knoblauch.de und Manangement-Trainer Klaus Kobjoll www.schindlerhof.de.

Wir wollen mit dem Buch Impulse geben, dass mehr Menschen sich trauen Verantwortung zu übernehmen und ihre geschäftlichen Traum wahr werden lassen.

Es ist unser Beitrag dazu, dass klein-und mittelständische Unternehmen in Deutschland nicht aussterben, sondern einen Aufschwung erleben!

 

 

 

 

 

Allgemeine Themen / 29. November 2017

4 Tipps zum Umgang mit harter Kritik

Vom Choleriker zum Mutmacher

„Sie sind entlassen!“ Noch vor ein paar Jahren kam mir dieser Satz schnell über die Lippen!  Manchmal reichte es, dass ein Mitarbeiter und ich unterschiedlicher Meinung waren. Überhaupt: Kritik an mir und meiner Arbeit war überhaupt nicht erwünscht. Wenn es jemand wagte mich zu kritisieren, konnte ich sehr laut und  sauer werden. Meine Ideen mussten sofort umgesetzt werden und  bitte genauso wie ich es wollte. Kurzum: Als Chef war ich ein Tyrann!

Gott sei Dank gehört das der Vergangenheit an. Heute ist es mir wichtig für unsere Mitarbeiter, Kunden und im privaten Bereich ein Ermutiger zu sein. Der Weg hierher war voller dramatischer Ereignisse: ein tödlicher Arbeitsunfall;  ein Kalkulationsfehler mit schweren Folgen und eine Erkrankung, die eine schwere Operation zur Folge hatte, deren Ausgang ungewiss war. Die Ärzte bereiteten mich darauf vor, dass ich danach im Rollstuhl sitzen würde.

Auszeit bringt Einsicht

Die ungewollte Auszeit im Krankenhaus war der Anfang meiner Veränderung. Mir wurde klar, wie einsam ich war, dass ich vieles nicht geregelt hatte. Was würde nach dem Tod kommen? Diese Frage beschäftigte mich stark. Damals entdeckte ich meinen christlichen Glauben wieder, der mir neue Perspektiven für Tod und Leben bescherte. Auch in Bezug auf den wertschätzenden Umgang mit meiner Familie, Freunden, Mitarbeitern und Kunden.

Meine Einstellung zu meinem „Chefsein“ hat sich komplett verändert. Jetzt bin ich dankbar, dass ich Aufgaben abgeben kann,  nicht mehr ständig alles und jeden kontrollieren muss. Dadurch bin ich viel entspannter. Das bestätigen meine langjährigen Mitarbeiter. Sie brauchen keine Angst mehr haben vor dem cholerischen Chef und arbeiten gern in unserem Unternehmen.

Andere Einschätzungen  zulassen und ernst nehmen

An die „alten Zeiten“ wurde ich erinnert, als ich diesen Aufruf zur „Blogparade“ las: http://www.unternehmercoach.com/blog/einladung-zur-blogparade-2017 . Im Mittelpunkt sollen Blog-Beiträge stehen rund um die Frage, wie man als Unternehmer und Selbständiger auf harte Kritik reagiert.

Früher habe ich Kritisches zu meinen Ideen und Ansichten nicht geduldet. Und heute?

Ich gebe es zu: Kritik höre ich nach wie vor nicht gerne. Wenn ich Entscheidungen treffe, habe ich mir viele Gedanken gemacht und bin absolut davon überzeugt, das Richtige zu tun. Wenn das jemand nicht nachvollziehen kann oder einen ganz anderen Standpunkt hat als ich, gefällt mir das zunächst überhaupt nicht.

In den meisten Fällen schaffe ich trotzdem nicht mehr impulsiv und knallhart darauf zu reagieren. Ich lasse das Gehörte erstmal auf mich wirken und schlafe am besten eine Nacht darüber.

Nicht spontan reagieren

Am nächsten Tag kann ich alles viel besser, nüchterner beurteilen.

Dann entscheide ich, ob ich die Kritik annehme und daraus konstruktives Neues entsteht oder ob alles so bleibt, wie ich es geplant habe. Ich musste mich von dem Gedanken freimachen, dass Kritiker mich auf jeden Fall ärgern, verunsichern oder mir gar schaden wollen. Bei manchem mag das so sein. Die meisten meinen es gut und wollen die Firma weiterbringen mit ihren Anmerkungen.

Es klappt aber nicht immer mit der Besonnenheit: Je nach (Streß-)Situation kommt hin und wieder mein altes Naturell durch und ich lasse ein paar unangemessene Worte los oder ich reagiere falsch auf die Einschätzung meines Gesprächspartners, die konträr zu meiner ist. Meist wird mir das im Nachhinein bewusst. Dann lasse ich es auf jeden Fall nicht so stehen. Ich habe gelernt mich bei meinem Gegenüber zu entschuldigen! Die Reaktionen darauf waren in den meisten Fällen sehr positiv und eine gute Zusammenarbeit war wieder möglich.

Meine Empfehlungen für den Alltag:

  • Bleiben Sie gelassen, „verdauen“ Sie das, was gesagt wurde und erbitten Sie sich Zeit, um zu prüfen, was an der Bewertung dran ist und wie Sie damit umgehen wollen.
  • Kritik tut weh – ist aber nicht in jedem Fall zu Ihrem Schaden! Manchmal ist es hilfreich auf andere Sichtweisen hingewiesen zu werden.
  • Nehmen Sie nicht alles persönlich!  Bewahren Sie sich eine „professionelle Distanz“.
  • Wenn Sie impulsiv reagieren und dabei verletzende Worte wählen, dann entschuldigen Sie sich dafür. „Entschuldigung“ ist kein Zeichen von Schwäche, sondern der Aufrichtigkeit, die wiederum ist Grundlage für ein gutes Miteinander.

Allgemeine Themen / 14. November 2017

Goldsucher, Gläubige und „Germans“

Mein besonderer Sonntagsmorgen in San Francisco

Meine erste Informationsquelle, wenn ich mich auf den Aufenthalt in fremden Städten oder Ländern vorbereite ist das Internet und die Suchmaschine „Google“. Die habe ich auch im Vorfeld unserer Reise nach Kalifornien/ USA bemüht. Allerdings bekam ich diesmal die wertvollsten Tipps nicht hier, sondern über unterschiedliche Facebook-Gruppen unter dem Stichwort: „German in San Francisco“. Davon gibt es erstaunlicherweise mindestens zehn!

Sonntags wollte ich gerne eine Kirche besuchen, deshalb stellte ich die Frage nach einem deutschsprachigen Gottesdienst in eine der Gruppen ein. Zugegeben: Ich hatte nicht viel Hoffnung auf eine positive Antwort. Umso erstaunter war ich, als  innerhalb kürzester Zeit die Nachricht ankam, dass Pfarrerin Kerstin Weidmann http://evangelisch-sfbayarea.org/Weidmann.php sonntags um 11 Uhr in der St. Matthäuskirche in der Nähe der Dolores Street auf Deutsch predigen würde.

Eine ungewöhnliche Kirche

Am Sonntag, dem 24.Sepetember 2017 bestellten meine Frau und ich uns einen Wagen über www.uber.com  und ließen uns zu dieser Kirche an der 16.Straße fahren. Gegen das gegenüberliegende, gewaltige weiße Bauwerk der San Francisco Mission wirkte die St. Matthews Lutheran Church eher schlicht. Die Holzkirche schien uns auf den ersten Blick etwas in die Jahre gekommen zu sein.

Beim Eintreten waren wir überrascht: Da standen Tische und Stühle. Es sah alles gar nicht nach Kirche aus, eher wie ein Gemeinderaum.  Wir dachten schon, wir seien falsch. Da entdeckten wir, dass der eigentliche Kirchenraum sich im ersten Stock befand.

Ein Ort mit Tradition

Hier oben fielen uns sofort die farbigen Bleiglasfenster auf. Wie wir später erfuhren, waren die zur Einweihung vor fast 110 Jahren gestiftet worden und aus Deutschland hierher verschifft worden. Die Fenster gaben dem Raum eine besondere Atmosphäre: hell, freundlich und friedlich!

Ein Kirchenchor und  Orgelklänge bereicherten den Gottesdienst musikalisch. Die rund 40 Besucher hörten aufmerksam zu,  als Pfarrerin Kerstin Weidmann in der Predigt von ihrer Deutschland-Reise auf den Spuren von Martin Luther berichtete. Sie spannte im 500. Jubiläumsjahr der Reformation (www.luther2017.de) einen schöner Bogen von Deutschland  nach Kalifornien, in die lutherische Gemeinde!

Ein Stück alte Heimat

Im Anschluss an den Gottesdienst wurden alle eingeladen bei Kaffee und Kuchen zusammenzubleiben. Dieses Angebot nahmen wir gerne an. Es ergaben sich interessante, lehrreiche Gespräche. Unter anderem haben wir etwas über die Geschichte dieser schönen Kirche mitten in San Francisco erfahren, die ihre Existenz den vielen deutschen Auswanderern verdankt, die im 19.Jahrhundert aufgrund des Goldrausches hier kamen und ihr Glück gesucht habe.

Heute gibt es hier in direkter Nachbarschaft zur Kirche nur noch wenige Deutsche. Das Gotteshaus ist trotzdem für viele ein Ort mit Tradition auf das sie nicht verzichten möchten. Gerade für die Älteren bedeutet es ein Stück alte Heimat.

Mein Fazit: Der Besuch in St. Matthäus war für mich in jeder Hinsicht eine große Bereicherung!

Eine anschauliche Reportage des Deutschlandfunk Kultur über deutschsprachige Gemeinde in San Francisco finden Sie hier: http://www.deutschlandfunkkultur.de/kirchengemeinde-in-san-francisco-die-deutschen-erben-der.1278.de.html?dram:article_id=359687

 

Allgemeine Themen / 7. November 2017

Die ungewöhnlichste Straßenbahnfahrt des Jahres

X-Mas-Tram in Dresden am 6.Dezember 2017

Striezelmarkt, Pflaumentoffel und Flügelpyramiden gehören im Advent zu Dresden dazu. In kaum einer anderen Region Deutschlands haben sich so viele Weihnachtstraditionen gehalten, wie in Sachsen!  Zugezogene wissen nicht immer etwas mit dem weihnachtlichen Brauchtum anzufangen. Vor allem ausländische Studenten, die teils aus ganz anderen Kulturkreisen kommen, verstehen vieles nicht und brauchen Erklärungen.

Dafür sorgt seit 2008 X-Mas Tram e.V., in dem er im Advent eine ganz besondere Straßenbahnfahrt durch die festlich geschmückte sächsische Landeshauptstadt organisiert. Dabei kommen Dresdner und ausländische Studierende ins Gespräch über Weihnachtsfest und Brauchtum. Einen guten Eindruck von der letzten X-Mas Tram Fahrt bekommen Sie hier: https://www.youtube.com/embed/Z5QhlcJVMcE.

Gastfreundschaft erleben

In diesem Jahr ist für Mittwoch, den 6.Dezember die beliebte und besondere Straßenbahntour geplant. Allerdings stehen nur 120 Plätze zur Verfügung. Deshalb werden „Feierscheine“ im Vorfeld verkauft. Diese können über die Homepage (s.u.) bezogen werden. Im eher symbolischen Preis von 4 bzw 3 Euro ist nicht nur die Fahrt enthalten, sondern auch eine große Feier im Straßenbahnmuseum in Trachenberge! Dort wird es ein buntes, kulinarisches und kulturelles Weihnachtsprogramm geben.

Den Organisatoren von X-Mas Tram geht es aber nicht nur darum Bräuche und Sitte rund um das Weihnachtsfest zu erklären, es soll auch Gastfreundschaft angeboten und erlebt werden. Einige der ausländischen Studenten können während der Weihnachtstage nicht zu ihren Familien reisen und wären ganz allein in fremder Umgebung.

Weihnachtspatenschaften vermitteln

Weihnachtspatenschaften sollen hier Abhilfe schaffen. Das bedeutet: Dresdner werden jeweils mit einer kleinen Gruppe von ausländischen Studentinnen und Studenten zusammen gebracht. Gemeinsam wird dann in der Weihnachtszeit etwas unternommen. In den letzten Jahren waren diese Angebote sehr vielfältig: z.B. gab es Einladungen zum Plätzchen backen, Rodeln, Schlittschuhlaufen oder zu Konzertbesuchen. Hin und wieder folgte dann auch eine Einladung direkt an den Feiertagen.

Mit gerade mal zehn Mitgliedern stemmt der X-Mas Tram-Verein die ganze Organisation und Vorbereitung!  Antreiber für das ehrenamtliche Engagement ist die Liebe zu Dresden und der Wunsch Menschen aller Nationalitäten in dieser  Stadt miteinander zu verbinden.

Unterstützung gefragt

Sie können diese Aktion auch unterstützen:

Aktuell werden noch Weihnachtspaten gesucht. Anmeldung direkt auf der Homepage: http://www.xmastram.de/.

Außerdem gibt es dort Infos, wie man Freund und Förderer dieser außergewöhnlichen Aktion rund um Gastfreundschaft und Miteinander der Kulturen werden kann!