Allgemeine Themen

Allgemeine Themen / 5. September 2016

Mutter, Ehefrau, Bilanzbuchhalterin

Gastbeitrag von  meiner Schwiegertochter Janine Stuber

Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen  – für mich eine ganz besondere  Herausforderung

Im Jahr 2012 bekam mein Mann Ingolf das Angebot seines Vaters in der Gemeinhardt Gerüstbau Service GmbH als Bauleiter einzusteigen. Deshalb zogen wir mit unserer Tochter Josefine von München zurück in unsere Heimat Sachsen. Auch ich sollte ins Unternehmen in der Buchhaltung einsteigen.

Das bedeutete, dass unsere Tochter in den Kindergarten gehen musste, damit ich arbeiten konnte. Eigentlich ein ganz normaler Prozess. Bei uns brachte das viele Fragen und Unsicherheiten. Denn Josefine hat durch eine Hirnhautentzündung eine komplexe Behinderung.  Mein Schwiegervater hat darüber bereits in einem der vorherigen Blogs berichtet. https://walter-stuber.de/2016-08/gewinnen-gutes

Mit der Behinderung unserer Tochter das Leben meistern

Ihre ersten drei Lebensjahre waren angefüllt mit Therapien und Übungen. Ich wollte sie so viel wie möglich fördern. An Arbeit war nicht zu denken. Nun sollte ich sie in fremde Hände geben? Ob sie sich dort überhaupt wohlfühlen würde? Würde sie sich in einer Einrichtung weiterentwickeln können? Ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich dachte, ich würde Josefine vernachlässigen und „weggeben“!

Andererseits habe ich mich gefreut und war stolz, dass ich in der Firma gebraucht wurde! Als unsere Tochter dann einen Platz im evangelischen Kindergarten bekommen hatte, war mir immer noch nicht  wohl bei der Sache. Aber Josefine hat es sofort gut gefallen. Ihre Erzieherin ging wunderbar auf sie ein, die anderen Kinder haben sie schnell ins Herz geschlossen und sie wurde von allen Seiten „bemuddelt“.

Kopf frei für die Arbeit!

Mein schlechtes Gewissen war sofort weg! Mittlerweile ist auch unsere zweite Tochter, Isabelle, im selben Kindergarten und ich kann mich meiner Arbeit in der Firma widmen. Zu meinen Einsatzbereichen gehören  Kundenakquise, Einkauf, Controlling sowie die Buchhaltung.

Meine Berufserfahrung als Bürokauffrau in einer Steuerkanzlei und meine Weiterbildungen zur Buchhaltungsfachkraft und zur geprüften Bilanzbuchhalterin kommen mir hier sehr zugute. Es ist geplant, dass ich den Bereich Lohnbuchhaltung verantwortlich übernehme soll.

Therapiemöglichkeit für Josefine

Bevor das geschieht, möchte ich eine intensive Therapie mit Josefine machen. Es ist die „Doman-Therapie“ www.iahp.org, die hirngeschädigten Kindern extrem weitergeholfen hat. Ich bin davon überzeugt, dass in unserer Tochter mehr steckt, als sie uns zeigt. Mit dieser Behandlung könnten ihre Fähigkeiten geweckt werden. Aber das Ganze ist sehr aufwändig.

Für einige Übungseinheiten werden mindestens drei Personen benötigt und das 10  Stunden am Tag!  Ich bin dankbar für alle Hilfe von den Omas und Opas, aber das können sie nicht leisten. Wir werden bezahlte Helfer brauchen. Auch die Therapie müssen wir selber finanzieren, denn die Krankenkassen in Deutschland übernehmen nichts!

Blick nach vorn

Ich bin gespannt, wie wir als Familie die vor uns liegenden Herausforderungen meistern werden und freue mich schon jetzt auf das, was danach beruflich auf mich zukommen wird!

 

 

Allgemeine Themen / 1. September 2016

Es geht auch ohne mich!

Warum ich als Chef beruhigt  im Urlaub entspannen kann

Raus aus dem Alltag und umschalten auf Ferien. Das fällt gerade Unternehmern nicht immer leicht. So viel gibt es in der Firma zu entscheiden und zu bedenken.  Nicht selten hat sich mir die Frage gestellt: KANN ich überhaupt zwei Wochen raus aus allem?

Je länger ich als Geschäftsführer tätig bin, desto mehr wird mir klar, wie wichtig es ist, dass ich mir Auszeiten nehme und alle Belange der Firma loslassen kann. Grundlage dafür ist, dass ich meinen Mitarbeitern vertraue und weiß, dass sie die Ziele des Unternehmens verinnerlicht haben und deshalb danach agieren und entscheiden. Ich gebe zu, dass musste ich Stück für Stück lernen.

Norwegen – Entspannung pur

Mittlerweile kann ich freie Tage oder Wochen wirklich genießen. Besonders gut hat das in Norwegen funktioniert. Juni 2009 waren meine Frau und ich mit Freunden mit dem Wohnwagen dort. Gespannfahren war für mich gewöhnungsbedürftig. Aber die unberührte Natur und die unglaublich Weite dort, haben mich dafür entschädigt.

Außerdem stellten wir fest, dass es große Vorteile hat, mit dem „Haus am Haken“ unterwegs zu sein: Im Hardangervidda National Park  haben wir  um 23.30 Uhr angehalten und  gegrillt. Anschließend gab es noch eine Schneeballschlacht!  Keiner hat sich aufgeregt, denn weit und breit war niemand unterwegs! Das ist Norwegen!

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Entschleunigung

Das Land hat uns fasziniert! Ein Jahr später sind  wir mit unseren Söhnen nochmals hingefahren und waren an einem Fjord angeln.  Meine Frau hat die Ruhe auf dem Boot genossen. Auch ich konnte hier so richtig abschalten von der Arbeit. Weil wir die Städte gemieden haben und uns möglichst nur in der Natur aufgehalten haben, gab es keine Gerüste, die mich an die Firma erinnert hätten!

Gerne würde ich irgendwann mal  mit meiner Frau  vier Wochen im Sommer mit dem Auto bis zu den Lofoten fahren. Ganz langsam, immer wieder anhalten und die Natur sehen, riechen und genießen. Ich würde mir den Wind um die Nase wehen lassen oder  mich ins Moos legen und den Wolken beim Ziehen zusehen.

Chef im Urlaub – Probe für den Ernstfall

Dieser Traum muss vielleicht noch bis zur Rente warten. Kürzere Auszeiten sind bis dahin möglich und auch wichtig. Für mich persönlich aber auch für die Mitarbeiter. Die Zeit ohne Chef kann eine Art Probelauf sein für den Fall, dass die Geschäftsführung, z.B. durch Krankheit,  plötzlich ausfällt.  Tritt so etwas ein, ist es z.B. unerlässlich, dass Vollmachten und Notfallpläne bereit liegen.

Die „DeutscheHandwerksZeitung“ hat dazu einen interessanten Artikel veröffentlich mit guten Tipps:  http://www.deutsche-handwerks-zeitung.de/was-tun-wenn-der-chef-ausfaellt/150/3096/328972

Wir in der Gemeinhardt Gerüstbau Service GmbH haben dementsprechend Vorkehrungen getroffen. Aber auch wenn es „nur“ um eine Urlaubszeit geht, ist es gut zu wissen, dass der Betrieb auch ohne mich gut weiterlaufen kann!

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Allgemeine Themen / 29. August 2016

Erhalt von historischen Schienenfahrzeugen

Gastbeitrag von Dr.Karsten Waldenburger

Seit seiner Gründung 1996 hat sich der Verein Kohlebahnen e.V. nicht nur sehr intensiv um den Erhalt von historischen Schienenfahrzeugen und um die Traditionspflege rund um den Schienenverkehr im Braunkohlebergbau unserer Region bemüht. Ein positiver Effekt, der fast nebenbei mit entstand, war die Wirkung der Kohlebahn auf den Tourismus im Altenburger Land.

In diesem Zusammenhang ist herauszuheben, dass das Erreichte in erster Linie auf das überproportionale Engagement des Vereines und seiner Mitglieder zurück zu führen ist.

Vieles auch in kommerzieller Hinsicht musste sich der Verein selbst erarbeiten.

Umso mehr ist hervor zu heben, dass es der Verein, trotz der großen finanziellen Herausforderungen, geschafft hat, das Thema Eisenbahn und  Schmalspurtradition als Aushängeschild in unserer Region und damit die nach wie vor große Anziehungskraft auf die Menschen zu erhalten.

Seit 2000 ist der Verein auch im Besitz einer Schmalspurtraktor vom Typ KDL 10.

Trotz intensiver Bemühungen war es dem Verein nicht möglich, in den darauf folgenden Jahren die dringend notwendige Generalreparatur durchzuführen.

Ab 2012 konnte dank der Unterstützung der Sparkasse Altenburger Land das Fahrwerk und der Rahmen instandgesetzt werden. Die Reparaturarbeiten sind abgeschlossen und der Zusammenbau des Fahrwerkes ist im Gange. Durch die Unterstützung des Meuselwitzer Bildungszentrums  (MBZ) konnten auch wesentliche Teile der „Karosse“ wie Fahrerhaus, Wassertank etc. neu gebaut werden.

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2014 hatte es der Verein geschafft auch über den Landkreis Fördermittel für die Instandsetzung des Kessels der Dampflok zu erhalten. Über den Landkreis wurde die Instandsetzung an einen kleinen Instandsetzungsbetrieb vergeben. Leider konnte dieser nicht wirtschaftlich überleben, so dass wir vor einem angearbeiteten Bauteil stehen. Leider ist bei der Insolvenz des Unternehmens auch Geld in Form von unfertigen Leistungen vernichtet worden. Der Landkreis ist jedoch bereit die Instandsetzung zum Abschluss zu bringen, jedoch nur in der verbleibenden Höhe der Fördergelder von ca. 40.000,00 €. Das Unternehmen, dass die Instandsetzung auch in diesem angearbeiteten Zustand fortführen würde und das darüber hinaus auch das kostengünstigste ist, benötigt ca. 85.000,00 € für die Instandsetzung und Abnahme des Kessels der Dampflok.

Die dem Verein zur Verfügung stehenden Mittel sind für die Instandsetzung des Fahrwerkes eingesetzt worden, so dass wir für die Instandsetzung des Kessels nunmehr händeringend 45.000,00 € suchen. Dabei ist als Besonderheit festzustellen, dass die Fördergelder nur nach 2016 zur Verfügung stehen. Somit müssen wir die „Co-Finanzierung“ auch in diesem Zeitraum aufbringen.

Wir wissen aus unserer Vergangenheit, dass Sponsorengelder noch dazu in dieser Höhe nur schwer zu bekommen sind. Deshalb suchen wir nach einem oder mehreren Partnern, die uns das Geld auch leihen würden. Diesen Wunsch können wir auf diese Weise äußern, da wir in den letzten Jahren gezeigt haben, dass wir in der Lage sind, solche Beträge auch zurück zu zahlen.

Dies ist durch die Vermietung unserer Gleisbautechnik möglich. Die Einnahmen sind jedoch nicht kontinuierlich, so dass die Rückzahlung nicht wie bei einem Bankkredit erfolgen kann.

Ihr Verein Kohlebahnen e.V.

 

 

Allgemeine Themen / 22. August 2016

Mutprobe: Dankeschön

Leider selten in unserer Zeit: Danke sagen

 Es gibt Menschen, die mich beruflich und privat stark geprägt haben und denen ich viel zu verdanken habe. Einer von ihnen ist mein ehemaliger Chef und Mentor Heinrich Gemeinhardt. In Blick auf den Gerüstbau war er es, der mir die detaillierte

Arbeitsvorbereitung  zum Erstellen von Gerüsten beigebracht hat, die bis heute meine Arbeit im Unternehmen prägt und  uns kostengünstig arbeiten lässt.

Sein Appell, dass das Einschätzen einer Baustelle  vor Ort oft besser ist als alle Ausarbeitungen am PC, ist auch meine Devise. Über das Fachliche hinaus, habe ich Menschenkenntnis von meinem Mentor vermittelt bekommen: Anhand  des Händedrucks  kann man den Charakter eines Menschen einschätzen: kräftige bedeutet fester Charakter. Das habe ich von ihm übernommen.

Ein unerwartetes Geschenk

Aber ich habe nicht nur viel von Heinrich Gemeinhardt gelernt, er hat auch direkt zu meinem beruflichen Erfolg beigetragen. Im Jahr 2000 ermöglichte  er meinem Mitgesellschafter Dirk Eckart und mir den Kauf seiner Firmen-Niederlassung in Sachsen.  Das Besondere war, dass wir den renommierten Familiennamen „Gemeinhardt“ weiterhin behalten durften.

Der Name „Gemeinhardt“ ist mit einer mehr als 100 jährigen Tradition im Gerüstbau verknüpft und steht für Ehrlichkeit, Bodenständigkeit  und Sicherheit!

Mit diesem Namen hatten wir als neue Eigentümer einen großen Vertrauensvorschuss bei unseren Kunden und den Lieferanten!  Dafür bin ich Heinrich Gemeinhardt sehr dankbar!

Dankbarkeit tut gut!

Eine große Freude war es, als wir Florian Gemeinhardt, den Sohn meines ehemaligen Mentors,  in unserem Unternehmen zum Kaufmann ausbilden konnten und ihm damit den Weg in das Berufsleben ebnen konnten. Da konnten wir ihm wertvolle Hilfestellungen geben, so wie sein Vater früher mir.

Vielleicht denken Sie gerade an Menschen, die Sie positiv geprägt haben. Dann mache ich Ihnen Mut, ihnen auch mal „Danke“ dafür zu sagen! Das tut nicht nur demjenigen gut, der Danke gesagt bekommt, sondern auch Ihnen selber.

„In einem dankbaren Herzen herrscht ewiger Sommer!“, hat die US-Schriftstellerin  Celia Layton Thaxter gesagt. Recht hat sie!

 

Allgemeine Themen / 16. August 2016

Ohne Anstrengung durchs Leben gehen?

Warum ich Bequemlichkeit nicht mag

In Baden -Württemberg war es früher üblich am Samstag die eigene Straßenseite, den Gehweg und den Hof zu fegen. Seit ich einen Besen halten konnte, war das Zuhause meine Arbeit. Und das war nicht wenig, was ich zu fegen hatte: Rund um unsere landwirtschaftlichen Gebäude, eine lange Straße und die Hofflächen. Es  waren bestimmt über 500 qm!

Eibensbach Tälesstr. 10

Eibensbach, Tälesstr. 10

Hatte ich das hinter mir, war noch lange nicht Feierabend! Ich musste auch noch im Haus die Treppen wischen. Mitanpacken rund um Hof und Haus – das war für mich ganz normal. Da gab es keine Diskussionen.  Als ich 8 Jahre alt war, hat mir meine Mutter gezeigt, wie man einen Kuchen backt. Das gehörte dann, bis ich ausgezogen bin, auch noch zu meinen Samstagsarbeiten dazu.  

Was mich geprägt habe, gebe ich weiter

Damals haben mich die vielen Arbeitsaufgaben am Samstag oft geärgert. Ich hätte es auch gern bequemer gehabt!  Aber heute bin ich dafür dankbar, denn es hat mich für meinen weiteren Lebensweg positiv geprägt. Es verwundert deshalb nicht, dass auch unsere Kinder früh rund um Haus und Garten mithelfen mussten. Kochen und backen haben sie natürlich auch von meiner Frau Burgunda und mir gelernt.

Was in unserer Familie ganz normal war, scheint in der heutigen Gesellschaft nicht mehr selbstverständlich zu sein. Haushalts- und Putzhilfen oder Gärtner erleichtern in manchen Haushalten zwar das Leben. Der Nachteil ist, dass die Sprößlinge dadurch auch nicht mehr an diese Arbeiten herangeführt werden.

Unliebsames gehört zum Leben dazu

Ob  es uns wirklich gut tut, wenn wir immer nur den bequemen Weg gehen? Was ist, wenn nur noch der ferngesteuerte Rasenmäher die  Grünflächen bearbeitet und keiner mehr selber zum Mäher greift? Oder selber backen und kochen entfällt, weil zu Fertigprodukten genommen werden, die nur noch in der Mikrowelle erwärmt werden müssen?

Ich befürchte, dass der Bezug zur Umwelt, zur Natur und auch zum Mitmenschen  darunter leiden würde. Alles auf Kosten der Bequemlichkeit? Es ist leider jetzt schon so, dass wir zwar immer mehr erforschen,  aber in Blick auf Ernährung, Gesundheit und Lebensweisheiten teilweise das Wissen unserer Vorfahren vergessen haben. Vielleicht auch, weil wir meinen, unser Ansatz sei der bequemere Weg?

Wider die Bequemlichkeit

Mein Vater sagte immer: „Bequem geht die Welt zu Grunde!“ Aber noch ist Zeit dagegen zu arbeiten! Deshalb möchte ich meinen Enkeln und auch meinen Mitarbeitern, insbesondere den Auszubildenden, vorleben, dass es wichtig ist  auch arbeiten zu tun, die einem nicht die liebsten sind. Das gehört auch mit zur Persönlichkeitsentwicklung!

Deshalb finden Sie mich z.B. am Wochenende häufig auf meiner Baustelle rund um unser Haus,  im Wald oder Garten. Dort packe ich an, wo ich kann. Und in der Firma bin ich auch bereit die Ärmel hochzukrempeln, soweit mir das möglich ist. Ich bin mir für keine Arbeit zu schade. Ich will nicht bequem sein oder gar werden!